Matrix wirkt gegen die Serie Interior Chinatown geradezu langweilig – und das liegt vor allem an den Lichteffekten

Protagonist Willis fühlt sich wie ein Nebencharakter im falschen Film und irgendwie ist er das auch. Int. Chinatown spielt via Lichteffekten mit dem, was wir für real halten.

Interior Chinatown bildet alleine durch Lichteffekte und Requisiten zahlreiche Realitäten und Geschichten ab. Interior Chinatown bildet alleine durch Lichteffekte und Requisiten zahlreiche Realitäten und Geschichten ab.

Stell dir vor, du bist in deinem eigenen Film bloß ein Nebencharakter. So ähnlich dürfte es nicht nur Alan Wake im Lake-House-DLC gehen, sondern auch dem Protagonisten der Mini-Serie Interior Chinatown.

Willis Wu (Jimmy O. Yang) lebt in Chinatown. Der Kellner eines Restaurants fühlt sich gefangen in einem Leben, in dem er stereotypische asiatisch-amerikanische Nebenrollen verkörpern muss. Die Namen der insgesamt zehn Episoden spielen, mit Ausnahme des Finales, auf ebendiese Rollen an:

  1. Gewöhnlicher asiatischer Mann (Generic Asian Man)
  2. Lieferbote (Delivery Guy)
  3. Technikfritze (Tech Guy)
  4. Kung-Fu-Typ (Kung Fu Guy)
  5. Chinatown-Experte (Chinatown Expert)
  6. Übersetzer (Translator)
  7. Detektiv (Detective)
  8. Werbeheini (Ad Guy)
  9. Bösewicht (Bad Guy)
  10. Willis. Willis Wu. (Willis. Willis Wu.)

Es stellt sich heraus, dass Willis Teil einer TV-Polizei-Serie namens Black & White ist und darin immer wieder unfreiwillig derartige Klischee-Rollen einnimmt, während die Hauptcharaktere im Law & Order-Stil von anderen verkörpert werden.

Video starten 2:32 Interior Chinatown: Die surreale Mini-Serie im Trailer

Viele Realitäten via Licht

Erschaunlich dabei ist, wie die verschiedenen Realitäten in Willis' Leben in Szene gesetzt werden. Befindet er sich bei seiner Familie oder im inneren Monolog mit sich selbst, ist das Licht eher warm und freundlich gehalten. Es gibt kaum übertriebene Effekte oder Eyecatcher im Bild.

Bespricht er sich im Restaurant oder im Umfeld davon mit seinem Freund und Kollegen Fatty (Ronny Chieng), kommt manchmal ein Grünstich hinzu und das Bild wirkt weniger fröhlich. Diese beiden Szenenarten könnte man wohl als diejenigen bezeichnen, die am ehesten an der echten Welt dran sind.

Das Licht wird rötlicher und dunkler, manchmal auch mit mehr Grün, sobald etwas Negatives passiert, zum Beispiel als Willis in einen Bottich mit scharfer Soße gestoßen wird. Diese Beleuchtung erinnert an die Realitätswechsel in Alan Wake 2, wo ebenfalls viel mit rötlichen Schattierungen gearbeitet wird.

Sobald in die Polizei-Serie »Black & White« gewechselt wird, wird das Licht kalt und blaustichig. Dieser Umschwung kann sogar innerhalb einer Aufnahme passieren, wie beispielsweise hier zu sehen ist:

Normal Im Restaurant ist das Standardlicht an, als dieses anfängt, zu flackern ...

Licht geht aus ... und schließlich kurz ausgeht.

Licht geht an Es geht in einem anderen, grell-blauen Ton wieder an.

Blaues Licht Der Protagonist verfolgt überrascht den Szenenwechsel.

Wird das Licht blau, wissen wir, Black & Whites Starbesetzung in Form der Detectives Green und Turner sind nicht weit. Bei ihrem ersten Erscheinen in der Pilotfolge wird deutlich, dass auch der Name Black & White als Meta-Einlage zu verstehen ist. Derartige Anspielungen gibt es in Int. Chinatown zahlreiche.

Völlig absurd: Willis gerät auch das ein oder andere Mal in Werbespots hinein. Diese sind meistens zu Lifestyle-Getränken und ähnlichem und spielen auf schicken Partys. Währenddessen wird zu Willis' Verwirrung auch gerne einfach mal die Tageszeit innerhalb von Minuten verändert.

Auch der Bruder von Willis war unfreiwillig Teil einer Polizei-Serie und bekam dort eine klischeehafte Rolle. Auch der Bruder von Willis war unfreiwillig Teil einer Polizei-Serie und bekam dort eine klischeehafte Rolle.

Szenen des verschwundenen großen Bruders (Chris Pang) beziehen sich immer auf die Vergangenheit. Diese Aufnahmen sind nicht nur strahlend, sondern auch im 4:3-Format alter Fernseher. Sobald das Format umspringt, wissen wir, es geht um die Serie, in der der Bruder während einer weiteren, älteren Realitätsabspaltung mitspielte.

Seltener finden wir auch Videos in schwarz-weiß. Was es damit auf sich hat, möchte ich hier nicht verraten.

Durch die verschiedenen Farb- und Lichteffekte sowie kleinere Details, wie uralte Computer im Hintergrund, können wir wesentlich mehr entdecken, als es bei Action-Streifen wie The Matrix der Fall ist.

Bei Matrix gibt es in der Regel nur eine Beleuchtungs- und Farbart: Dunkel mit viel Grün. Das wirkt im Vergleich zu Int. Chinatown schnell eintönig, trotz (oder gerade wegen) der massiven Häufung an CGI-Effekten. Natürlich ist das bei Matrix aber auch stilistische Absicht.

Die Wendung der Serie kommt nicht unerwartet. Dennoch bleibt es bis zur letzten Folge spannend. Die Wendung der Serie kommt nicht unerwartet. Dennoch bleibt es bis zur letzten Folge spannend.

In Interior Chinatown werden wir automatisch bei jedem Lichtwechsel aufmerksam, weil wir direkt erkennen Da passiert etwas Neues. Es ist eine schlichte und sehr effiziente Art, die Aufmerksamkeit des Publikums aufrechtzuerhalten.

Executive Producer Taika Waititi ist bekannt für seine ungewöhnlichen Inszenierungen und Herangehensweisen. Oft produziert er mit wenig Mitteln und erzielt dennoch eine große Wirkung.

Die Kollegen von Filmstarts haben sich die Mini-Serie ebenfalls angesehen.

Das Ergebnis kann sich auch bei Interior Chinatown sehen lassen. Die Geschichte zur Serie basiert auf dem Buch von Charles Yu aus dem Jahre 2020. Er unterstütze die Dreharbeiten außerdem als Executive Producer, Mitautor und Showrunner.

Interior Chinatown ist eine Hulu-Serie (worauf übrigens auch noch mal innerhalb der Serie Bezug genommen wird). Die gesamte Mini-Serie kann seit Mitte November bei Disney+ angesehen werden.

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