Es ist das Jahr 1980. Die Chefetagen von International Business Machines, besser bekannt unter dem Namen IBM, blicken mit einer Mischung aus Arroganz und Nervosität auf einen neuen Markt. Ein paar Garagen-Bastler und Firmen wie Apple zeigen neuerdings, dass Computer nicht mehr nur tonnenschwere Schränke für Großkonzerne sein müssen, sondern auf den Schreibtisch passen.
IBM, der unangefochtene König der Rechenzentren, beschließt zu handeln. Das geheime Projekt Chess
wird ins Leben gerufen. Das Ziel war es, in Rekordzeit einen eigenen PC auf den Markt zu bringen. Was die Manager damals nicht ahnen: Sie stehen kurz vor dem Abschluss des folgenschwersten Deals der Wirtschaftsgeschichte.
Eile schlägt Weitsicht
Normalerweise ließ sich IBM Jahre Zeit für die Entwicklung neuer Systeme. Doch der Markt drängte. Um Zeit zu sparen, brach das Entwicklerteam in Boca Raton, Florida, mit einer eisernen Firmentradition: Sie bauten den IBM-PC nicht aus eigenen Komponenten, sondern kauften fast alles auf dem freien Markt ein und setzten damit zwangsläufig auf eine offene Hardware-Architektur.
Nur eines fehlte noch: das Gehirn des Computers, das Betriebssystem.
Hier kommt Bill Gates ins Spiel. Damals war Microsoft ein kleines und unbedeutendes Start-up mit knapp 40 Mitarbeitern, das vor allem für Programmiersprachen bekannt war. Als IBM anklopfte, hatte Microsoft eigentlich gar kein Betriebssystem im Angebot.
Doch Gates erkannte die Chance seines Lebens. Er kaufte für rund 50.000 US-Dollar die Rechte an einem System namens QDOS (Quick and Dirty Operating System
) von einer lokalen Firma, taufte es in MS-DOS um und polierte es für IBM auf.
Die folgenschwere Klausel
Der historische Wendepunkt lag jedoch nicht im Code, sondern im Kleingedruckten des Vertrags. IBM, gefangen im Denken der alten Hardware-Welt, hielt Software für ein nettes, aber letztlich unbedeutendes Zubehör. Profit, so glaubte man bei IBM fest, macht man mit Blech, Plastik und Silizium.
Microsoft schlug IBM ein Lizenzmodell vor: Der damalige Tech-Gigant durfte das Betriebssystem nutzen, musste aber keine astronomische Summe für die Exklusivrechte zahlen. Im Gegenzug machte Gates eine entscheidende Bedingung zur Pflicht:
Die Kernklausel des Deals: Microsoft behielt die exklusiven Rechte am Quellcode und das Recht, das Betriebssystem auch an andere Hardware-Hersteller zu lizenzieren.
IBM stimmte dem bereitwillig zu und glaubte, einen guten und dazu noch günstigen Deal gemacht zu haben. Ein fataler Irrtum, wie sich schon wenige Jahre später herausstellen sollte.
Die Invasion der Klone
Im August 1981 kam der IBM-PC auf den Markt und wurde im Handumdrehen zum Industriestandard. Doch der Erfolg hatte eine Kehrseite. Da IBM fast ausschließlich Standard-Komponenten verbaut hatte, war die Hardware leicht zu kopieren. Firmen wie Compaq entschlüsselten das BIOS, die einzige geschützte IBM-Komponente, und bauten eigene, günstigere Computer.
Und welches Betriebssystem lief auf diesen sogenannten IBM-Kompatiblen-PCs? MS-DOS.
Während IBM mühsam versuchte, sich gegen die Flut billigerer PC-Klone zu wehren, verdiente Microsoft an jedem einzelnen verkauften Computer weltweit. Dabei war vollkommen gleichgültig, welches Markenlogo auf dem Gehäuse klebte. Bill Gates hatte die Hardware-Hersteller mit einem damals genialen Schachzug erfolgreich zu bloßen Lieferanten für seine Software degradiert.
Warum IBM den Fehler nicht sah
Rückblickend wirkt IBMs Versäumnis fast unbegreiflich. Doch man muss die damalige Perspektive verstehen: IBM war ein Hardware-Unternehmen durch und durch. Software galt intern als Beiwerk für die Maschinen. Dass jemand mit Software mehr Geld verdienen könnte als mit dem Bau von Computern, lag schlicht außerhalb des Vorstellungshorizonts.
Hinzu kam die Arroganz des Erfolges. IBM war so dominant, so tief in Unternehmensrechenzentren verwurzelt, dass man den Personal Computer selbst eher als eine Art Spielzeug betrachtete. Die Idee, ein kleines Start-up könnte durch eine einzige Vertragsklausel zur mächtigsten Softwarefirma der Welt aufsteigen, war in den Fluren der Konzernzentrale in Armonk schlicht undenkbar.
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Eine Lektion für die Ewigkeit
Als IBM Anfang der 1990er Jahre versuchte, mit dem eigenen Betriebssystem OS/2 das Ruder herumzureißen, war es längst zu spät. Microsoft hatte mit Windows bereits ein Monopol errichtet. IBM verlor schrittweise die Kontrolle über den Markt, den es selbst geschaffen hatte, und zog sich 2005 mit dem Verkauf der PC-Sparte an Lenovo endgültig aus dem Endkundengeschäft zurück.
Der IBM-Microsoft-Deal bleibt ein ultimatives Lehrstück der Wirtschaftswelt: Er markiert den exakten Moment, in dem die Macht in der Tech-Industrie von den Hardware-Giganten auf die Software-Architekten überging. IBM baute zwar die Bühne, aber Microsoft kassierte am Ende die Eintrittsgelder.
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