Die Holzente auf Rollen verliert ihren Schöpfer: Horst Eckert, den die meisten von euch als Janosch kennen, ist mit 95 Jahren auf Teneriffa gestorben.
Seine Bücher begleiteten Generationen beim Aufwachsen. Doch hinter den Geschichten rund um Panama, Bär und Tiger steckte weit mehr als Kinderzimmer-Idylle. Janoschs Schaffen war auch ein Befreiungsschlag gegen Zwang, Heuchelei und Gewalt.
Tiger und Bär als Gegenentwurf zu einer schwierigen Kindheit
Geboren 1931 im oberschlesischen Hindenburg, erlebte Eckert Jahre bitterer Not. Sein Vater schlug die Familie im Rausch, die Mutter herrschte mit religiöser Höllenangst. Seine Taufe nannte der Künstler später den größten Unfall seines Lebens. Hinzu kamen Schikanen in der Hitlerjugend und der Drill autoritärer Lehrer.
Aus diesem Trauma formte er eine Gegenwelt. Ein Verleger schlug den Namen Janosch vor. Mit »Oh, wie schön ist Panama« gelang 1978 der Durchbruch. Die Reise von Bär und Tiger zeigte, dass das Paradies kein ferner Sehnsuchtsort ist. Wahres Glück liegt in der Selbstgenügsamkeit und der Freude am Vertrauten.
Der Staat Panama verlieh Janosch 1999 dafür sogar seinen höchsten Verdienstorden.
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Die berühmte Tigerente entstand bloß als zufällige Randfigur. Für den Zeichner war sie eine Parabel auf den Menschen: Nach außen gestreift und gefährlich wie ein Raubtier, im Inneren aber passiv und willenlos an der Schnur geführt.
Der Vermarktungsboom rund um das Holzspielzeug wurde für Eckert zur Last. Während seine Motive Tassen und Ranzen eroberten, zog sich der überzeugte Minimalist nach Teneriffa zurück. Er lebte nach dem Prinzip, dass jener am meisten besitzt, der fast nichts benötigt.
Ein rebellischer Freigeist gegen jede Konvention
Janosch schrieb keineswegs nur für Kinder. Im Roman »Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm« rechnete er radikal mit den Härten seiner Kindheit ab. Beim Tippen zerschlug er zwei Schreibmaschinen vor Zorn.
Auch die Kirche griff der bekennende Atheist an. Als Politiker ihn deshalb als »falschen Propheten« beschimpften, reagierte er mit Spott.
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