Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zu meinem 20. Geburtstag 2005 eine neue Digitalkamera bekommen habe – mein ganzer Stolz damals. Ich habe sie intensiv genutzt, allerdings 2008 durch eine professionellere Spiegelreflexkamera ersetzt. Seitdem lag die Kompaktkamera in meiner Schublade und setzte Staub an.
Vor rund zehn Jahren kam ich dann zufällig durch ein YouTube-Video auf eine spannende DIY-Lösung, die ich gerne mit euch teilen möchte. Es geht dabei um den Umbau zu einer Infrarotkamera.
Infrarotfotografie hatte mich schon lange begeistert. Die Bilder haben mit ihren falschen Farben einen einzigartigen Look – grüne Landschaft wird auf einmal schneeweiß und wirkt winterlich. Normalerweise ist die Aufnahme solcher Fotos nicht möglich, da vor dem Kamerasensor in den meisten Fällen ein Filter sitzt, der die Infrarotwellenlängen blockiert.
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Professioneller Umbau, Filter oder DIY in günstig
Kameras lassen sich professionell zu Infrarotkameras umbauen, allerdings kostet dies meist mehrere Hundert Euro. Alternativ gibt es günstigere Lösungen in Form von Infrarotfiltern, die vor dem Objektiv ihren Platz finden. Diese kosten ab rund 50 Euro aufwärts, eignen sich aber nur, wenn der Kamerasensor infrarotempfindlich ist.
Testen kann man dies, wenn man eine Infrarotfernbedienung Richtung Kamera hält und einen Knopf drückt. Sieht man das Blinken, dann ist die Kamera (oder auch das Handy) für Infrarotfotografie grundsätzlich geeignet.
Meine Umbaulösung kostet noch weniger und sie hat den Vorteil, dass man der alten Digitalkamera ein zweites Leben einhauchen kann, sofern noch eine in der Schublade verstaubt – wie bei mir. Klar, die Qualität reicht an Profi-Lösungen nicht heran, aber darauf kommt es mir auch nicht an.
Was wir für den Umbau benötigen ist, denkbar einfach:
- Eine Digitalkamera
- Eine Diskette
- Schraubendreher, Pinzette und Schere / Skalpell
Der Umbau läuft folgendermaßen ab:
- Wir entfernen den Filter vor dem Sensor, der die Infrarotwellen blockt
- Wir ersetzen ihn mit einem passenden Stück der dünnen Kunststoffscheibe aus dem Inneren einer Diskette. Das Material blockt fast vollständig das sichtbare Licht, lässt Infrarot aber weitgehend durch.
Bei meiner Sony DSC-N1 von 2005 ist der Umbau sehr einfach und in etwa zehn Minuten erledigt. Nehmt euch aber unbedingt Zeit, damit ihr nichts beschädigt, gerade die verbauten Flexkabel sind empfindlich.
Wichtiger Hinweis
Wenn eure Kamera einen eingebauten Blitz hat, dann ist auch meist ein größerer Kondensator verbaut, der die Energie für den Blitz speichert. Vermeidet unbedingt, diesen zu berühren, denn ein solcher Stromschlag ist durchaus schmerzhaft.
Wenn ihr euch den Umbau in Videoform ansehen wollt, empfehle ich euch das Folgende, an dem ich mich seinerzeit orientiert habe:
Link zum YouTube-Inhalt
Hürden bei der Infrarotfotografie
Dadurch, dass das sichtbare Licht blockiert wird, bleibt das Kameradisplay in der Regel relativ dunkel. Einerseits benötigen wir somit eine etwas längere Belichtungszeit, damit das fertige Bild nicht zu unterbelichtet ist, andererseits ist das Fokussieren nicht immer ganz einfach.
Das Fotografieren bei hellem Sonnenlicht ist daher empfehlenswert, idealerweise nehmt ihr auch ein Stativ.
Die aufgenommenen Fotos haben einen sehr starken Rotstich:
Aber keine Panik, das ist ganz normal. Den Rotstich müssen wir mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Adobe Photoshop oder der kostenlosen Online-Lösung Photopea herausnehmen. Das gelingt mit dem Werkzeug »Kanalmixer«.
Hier stellen wir Folgendes ein:
- Ausgabekanal Rot: Rot auf 0 Prozent, Blau auf 100 Prozent
- Ausgabekanal Blau: Rot auf 100 Prozent, Blau auf 0 Prozent
Das Ergebnis ist häufig ein Foto mit einem leichten bis starken Blaustich. Hier kann man im Anschluss über Werkzeuge wie »Farbton«, »Sättigung« sowie »Helligkeit & Kontrast« das Bild nach den eigenen Wünschen bearbeiten.
Tipp: Auch in Schwarz-Weiß sehen die Bilder klasse aus.
Hier sind einige Beispiele, an denen ihr den Effekt von Infrarotfotos gut sehen könnt. Interessant beim dritten Bild mit mir selbst: Ich trage eine Sonnenbrille, die durch Infrarot transparent wird.
Ich empfehle euch, bei Interesse unbedingt mal die Google-Bildersuche nach »Infrarotfotografie« anzuwerfen. Hier findet ihr noch weitaus beeindruckendere Aufnahmen.
Falls ihr also eine alte Digitalkamera herumliegen habt und euch für das Thema begeistert: Probiert es einfach aus – es ist gar nicht so kompliziert.
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