Seit Anfang 2025 stelle ich mich meiner bislang schwersten Fotografie-Challenge – nach 7 Monaten kann ich mir nicht mehr vorstellen, sie zu beenden

Wenn ihr gerne fotografiert, kann ich euch diese oder eine ähnliche Herausforderung wärmstens weiterempfehlen.

Nur eine Kamera und ein Objektiv: was als Herausforderung startete, könnte ich jetzt ewig machen. Nur eine Kamera und ein Objektiv: was als Herausforderung startete, könnte ich jetzt ewig machen.

Die Fotografie ist eine meiner größten Leidenschaften, aber nach mehr als 15 Jahren habe ich das Gefühl, mich kreativ nicht mehr weiterzuentwickeln. Stattdessen habe ich viele Stunden damit verbracht, in Online-Shops nach Objektiven und Kameras zu stöbern und Tests auf YouTube anzuschauen – »Mit diesem neuen Objektiv werden meine Fotos sicherlich besser!«. 

Quatsch. Ich habe erkannt, dass ich nur nach dem nächsten Dopamin-Kick gesucht habe, um ein neues Gadget für mein Hobby auszupacken. Also entschied ich mich Anfang 2025 für eine besondere Herausforderung, um mich wieder auf das zu fokussieren, was wirklich wichtig ist: Herausgehen und Fotografieren.

Jetzt sind sieben Monate mit dieser Challenge vergangen – und ich möchte gar nicht aufhören. 

So sieht meine 2025-Challenge aus

Meine Regeln für 2025

  • Nur eine (Film-)Kamera
  • Nur ein Objektiv (50 mm)
  • Nur manuelle Einstellungen
  • Nur Schwarz-Weiß
  • Alle Filme selbst entwickeln und scannen

Kreativität durch Limitierung: Ich erinnere mich gerne an meinen letzten Vietnam-Urlaub, in dem ich nur eine Nikon FM2 (eine vollmechanische Filmkamera), ein 28-mm-Objektiv und 10 Filmrollen dabei hatte. Die Kamera habe ich manuell bedient und alle Belichtungseinstellungen mit dem Auge abgeschätzt. Das war besonders riskant, weil in der Analog-Fotografie immerhin jedes Foto Geld kostet, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht. 

Nach dem Urlaub konnte ich es kaum erwarten, die Fotos zu entwickeln, und zu meiner Überraschung lag ich mit den meisten Fotos richtig! Tatsächlich entstanden in diesem Urlaub viele Bilder, auf die ich sehr stolz bin. 

Wenn das für einen Urlaub gut ging, warum sollte ich es also nicht auf ein ganzes Jahr ausweiten? Also habe ich genau das getan! 

Inzwischen fotografiere ich mit einer Leica M2 und einem Thypoch Eureka 50mm F2. Die Regeln der Challenge sind aber gleich geblieben. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Inzwischen fotografiere ich mit einer Leica M2 und einem Thypoch Eureka 50mm F2. Die Regeln der Challenge sind aber gleich geblieben. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Und jetzt …

Ich will gar nicht mehr aufhören

Es ist schon ironisch, wie befreit ich mich durch die Limitierungen fühle. Weil ich mich nur auf eine Kamera und ein Objektiv festgelegt habe, verspüre ich deutlich weniger das Bedürfnis nach dem Kauf neuer Ausrüstung.

»Das, was du hast, ist gut genug!« ist ein Satz, der in mir hallt. 

Inzwischen fühle ich mich so wohl mit der 50-mm-Brennweite, dass ich die Komposition der Fotos vor meinem inneren Auge sehe, noch bevor ich durch den Sucher meiner Kamera schaue. 

Das Wählen der eigenen Einstellungen, ohne Hilfe von Belichtungsmessung, macht mir extrem viel Spaß. Vor allem, wenn ich nach dem Entwickeln erkenne, dass ich mit meinen Schätzungen richtig lag! Es ist sehr zufriedenstellend, mit nur einem Blick zu wissen »Aha, dieses Foto schieße ich am besten mit F/5.6-Blende und 1/250 Sekunden Belichtungszeit. Das sollte passen« – und dann passt es. 

Auch der Fokus auf die monochrome Fotografie hat meinen Blick geschärft. Das Wegfallen der Farbe als kreatives Stilmittel zwingt mich dazu, mehr Augenmerk auf Licht, Schatten, Formen und Komposition zu legen. Obendrein liebe ich den Look von Schwarz-Weiß-Film.

Diese Herausforderung war eine der besten Entscheidungen, die ich Anfang des Jahres getroffen habe, und ich will gar nicht mehr damit aufhören. Vor allem der Fokus auf eine einzige Brennweite gefällt mir. Ich habe das Gefühl, dass ich mit dem 50-mm-Objektiv deutlich besser geworden bin. 

Es ist wie Bruce Lee einst sagte: »Ich fürchte nicht den Mann, der mit 10.000 Objektiven auf einmal geübt hat, aber ich fürchte den Mann, der mit einem Objektiv 10.000 Mal geübt hat.«

Gut, Bruce Lee hat das im Kontext der Kampfkunst und Tritten gesagt, aber ihr versteht schon, was ich meine. 


Wenn ihr wissen wollt, wie mein Workflow bei analoger Fotografie ist, schaut gerne in meinen ausführlichen Artikel darüber hinein:


Halbzeit – oder doch nicht?

Es wird bestimmt wieder ein Moment kommen, an dem ich mich nach neuer Fotoausrüstung sehne, aber noch bin ich nicht schwach geworden. Aktuell habe ich so viel Spaß an der Fotografie wie seit Langem nicht mehr. 

Wenn ihr auch das Gefühl habt, dass ihr den Fokus in der Fotografie verloren habt oder eine kreative Herausforderung sucht, kann ich es euch nur wärmstens empfehlen, eine Zeit lang, euch auf weniger zu beschränken.

Das gilt natürlich nur, wenn ihr die Fotografie als kreatives Hobby betreibt, so wie ich. Wenn ihr damit eure Brötchen verdient, ergibt es natürlich Sinn, sich nicht einzuschränken. Stellt euch mal vor, ich würde selbst alle Produktfotos für GameStar analog fotografieren? Das wäre wohl alles andere als effizient, geschweige denn wirtschaftlich.

Abseits davon geht es für mich mit dieser Herausforderung bis Ende 2025 weiter. Und wer weiß? Vielleicht bleibe ich auch dabei. 

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