Ich hätte nicht gedacht, dass AMD Nvidia noch einmal so nahekommt – bis jetzt

Lange sah es so aus, als hätte Nvidia den Kampf bei den Grafik-Features für sich entschieden. Doch AMDs FSR Redstone zwingt mich zum Überdenken.

Redakteur Alex ist begeistert vom großen Schritt, den AMD mit FSR Redstone macht. Schade nur, dass ausschließlich die aktuelle und kommende Grafikkarten-Generationen davon profitieren werden. (Bildquelle: AMD GameStar Tech) Redakteur Alex ist begeistert vom großen Schritt, den AMD mit FSR Redstone macht. Schade nur, dass ausschließlich die aktuelle und kommende Grafikkarten-Generationen davon profitieren werden. (Bildquelle: AMD GameStar Tech)

Ich mache mir da nichts vor: Innerlich hatte ich AMD beim Thema moderne Grafikfunktionen längst abgehakt. Bei der Rasterleistung ist Team Rot stark, und offene Standards sind wichtig und richtig. Aber wenn es um die Dinge geht, die aktuelle Spielegrafik wirklich nach vorn bringen, sah ich AMD lange nicht mehr auf Augenhöhe mit Nvidia.

Bei Raytracing, Upscaling und Frame-Generation hatte der Platzhirsch das Geweih vorn. Zugegeben: Mit FSR 4 und dem KI-Ansatz im Upscaler hat AMD zuletzt bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber das war mir noch zu wenig.

Und dann kam FSR Redstone.

Erst mal Skepsis

Meine erste Reaktion darauf war eher zurückhaltend. Ich fragte mich, ob das jetzt einfach ein weiteres Update ist, dem man ein bisschen KI-Marketing übergestülpt hat? Auf dem Papier wirkte es für mich zunächst wie eine Pflichtübung, nicht wie der große Befreiungsschlag.

Zu oft hatte AMD in der Vergangenheit versucht, Nvidia mit klassischen Methoden einzuholen. Und das meiner Ansicht nach mit eher mäßigem Erfolg.

Nach meinen ersten eigenen Tests musste ich das allerdings ziemlich schnell überdenken. Denn Redstone fühlt sich nicht wie ein lose zusammengeschraubtes Feature-Paket an. Es wirkt durchdacht, konsequent. Fast so, als würde AMD hier bewusst einen alten Kurs verlassen.

Oder anders gesagt: wie eine logische Weiterentwicklung von FSR 4, das der RX-9000-Serie vorbehalten ist.

Video starten 52:12 Nvidia RTX 5000 und die Zukunft: Hat AMD noch eine Chance?

Frame-Generation, die sich richtig anfühlt

Besonders auffällig ist für mich die neue Frame-Generation. Sie basiert nicht mehr nur auf reiner heuristischer Analyse, sondern auf einem neuronalen Netzwerk. Und genau das macht sich direkt bemerkbar.

Die zusätzlichen Frames wirken stabiler, sauberer und weniger nervös. Gerade in schnellen Spielszenen fallen Bewegungen ruhiger aus.

Was dabei fast am wichtigsten ist: Das Frame-Pacing passt. Die Bildausgabe ist gleichmäßig. Es fühlt sich nicht nach künstlicher Glätte an, sondern nach echtem, flüssigem Gameplay.

Im Vergleich zu Nvidia geht AMD hier allerdings einen eher vorsichtigen Weg. Pro nativ oder per Upscaler gerendertem Bild gibt es genau ein zusätzliches Frame. Keine Multi-Frame-Experimente und damit auch keine Rekord-FPS-Werte.

Das klingt weniger spektakulär, zahlt aber klar auf Bildruhe und Spielgefühl ein.

Mehr als nur zusätzliche Frames

Redstone beschränkt sich allerdings nicht auf Frame-Generation. Mit Ray-Regeneration greift AMD eine der spannendsten Raytracing-Techniken auf.

Nvidia hatte mit Ray-Reconstruction vorgemacht, wie viel Bildqualität man gewinnen kann, wenn Ray-Samples nicht einfach nur gefiltert, sondern intelligent rekonstruiert werden. AMD schlägt nun in dieselbe Kerbe.

Nicht jedes Szenario sitzt perfekt, aber Ray-Regeneration ist weit mehr als ein nettes Extra. Im Kern handelt es sich um einen sehr leistungsfähigen KI-Denoiser (Bildentrauscher), und damit um eine ziemlich deutliche Kampfansage an Nvidia.

Der Vergleich

Nvidia liegt weiterhin vorn. DLSS ist reifer, besser integriert und profitiert von jahrelangem Training sowie dem Umstieg auf ein Transformer-KI-Modell. Dieser Vorsprung lässt sich nicht einfach wegdiskutieren.

Neu ist allerdings, wie stark AMD diesen Abstand verringert hat.

Technik, die man noch kaum sieht

Interessant ist auch, was Redstone über die sichtbaren Features hinaus mitbringt. Radiance-Caching steht bereits in den Startlöchern, taucht aktuell aber nur selten in Spielen auf.

Vereinfacht gesagt ersetzt die Technik Teile der klassischen Raytracing-Berechnung durch KI-gestützte Näherungswerte. Ziel ist mehr Performance bei komplexer Beleuchtung.

Wie auch bei Nvidias Neural-Caching gilt jedoch: Das Ganze muss erst noch auf breiter Fläche in Engines und Spiele integriert werden. Aber langfristig könnte genau dieser Ansatz entscheidend dafür sein, Raytracing besser skalierbar zu machen.

Ein klarer Richtungswechsel

Unterm Strich wirkt Redstone nicht wie ein Schnellschuss, sondern wie ein zusammenhängendes Konzept. Upscaling, Frame Generation und Raytracing greifen ineinander. Das fühlt sich nach echter Strategie an.

Nvidia ist weiterhin vorn. Aber aus einem komfortablen Vorsprung ist einer geworden, den man wohl aktiv verteidigen muss.

Und genau das hätte ich AMD lange Zeit nicht mehr zugetraut.

Redstone ist nicht der Moment, in dem AMD an Nvidia vorbeizieht. Aber es ist der Moment, in dem mir klar wird: Technologisch ist AMD vielleicht doch wieder näher an der Spitze, als ich erwartet hätte.

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