Bitte sagt mir, dass es nicht komisch ist, dass ich meine Maus gerne anfasse

Gaming-Mäuse sind so gut geworden, dass inzwischen längst andere Qualitäten als die Präzision im Vordergrund stehen, meint unser Hardware-Redakteur Nils Raettig.

von Nils Raettig,
21.04.2022 17:23 Uhr

Liebe auf den ersten Klick: Unser Autor Nils Raettig schätzt an der Roccat Kone Pro Air nicht nur ihre hohe Präzision. Liebe auf den ersten Klick: Unser Autor Nils Raettig schätzt an der Roccat Kone Pro Air nicht nur ihre hohe Präzision.

Bei einer Gaming-Maus steht die Präzision an erster Stelle, keine Frage. Ich probiere aber seit einiger Zeit eine neue Gaming-Maus in Form der Roccat Kone Pro Air aus, die in einem anderen Bereich so gut ist, dass die Genauigkeit in den Hintergrund rückt.

Ich erwische mich dadurch sogar manchmal bei einem Verhalten, das mir spontan etwas peinlich ist. Aber vielleicht muss es das gar nicht sein, falls so mancher von euch das gut kennt. Aber worum geht es überhaupt?

Wenn ich abends an meinem Büro vorbei gehe, verspüre ich teilweise den Drang, mich an meinen PC zu setzen und die Maus in die Hand zu nehmen. Den Rechner anschalten muss ich dafür nicht, stattdessen will ich nur nicht bis zum nächsten Tag warten müssen, um die tolle Haptik wieder zu erleben.

Es fühlt sich einfach gut an: Das liegt vor allem an der extrem geschmeidigen Oberfläche, die mich teils dazu verleitet, ohne besonderen Grund mit dem Daumen über die leicht geriffelte Ablage zu streichen (siehe das Bild unten). Die Form schmiegt sich außerdem bestens an meine (rechte) Hand an und der Mausklick ist satt mit klaren Feedback. Kurzum: Es bereitet mir schon ganz unabhängig vom eigentlichen Einsatzzweck Mauszeiger bewegen/PC und Spiele bedienen große Freude, diese Maus zu benutzen.

Die Oberflächen der Kone Pro Air fühlen sich sehr gut an und bieten dennoch zuverlässig Halt. An den Seiten trägt zu diesem Eindruck auch die dezente Riffelung bei. Die Oberflächen der Kone Pro Air fühlen sich sehr gut an und bieten dennoch zuverlässig Halt. An den Seiten trägt zu diesem Eindruck auch die dezente Riffelung bei.

Auch wenn es mich etwas beruhigen würde, wenn ihr das oben beschriebene Verhalten nachvollziehen könnt, steckt ganz unabhängig davon eine allgemeine Entwicklung auf dem Markt für Gaming-Mäuse dahinter, die sehr zu begrüßen ist. Mittlerweile sind auch günstigere Modelle oft so genau und zuverlässig, dass andere Faktoren wie insbesondere die Haptik in den Vordergrund rücken können.

Präzision als Selbstverständlichkeit

Wenn es um präzise Maus-Sensoren geht, kommt sofort ein Name in den Sinn: Pixart. Gerade in Mäusen für Spieler werden fast nur noch Sensoren dieses Herstellers genutzt - oder wie im Falle des Owl Eye-Sensors der Roccat Kone Pro Air umbenannte Varianten, die darauf basieren.

In den letzten Jahren hat mich keine Maus mit Pixart-Sensor in puncto Genauigkeit und Verlässlichkeit enttäuscht. Das gilt auch für kabellose Budget-Produkte wie die GXT 980 Redex von Trust, die ich mir erst kürzlich zusammen mit einer Trust-Tastatur im Test näher angesehen habe.

Gefühlt sind die Zeiten von fehleranfälligen Laser-Sensoren, unpräzisen optischen Sensoren und nur mit bestimmten Unterlagen funktionierenden Mäusen jedenfalls vorbei. In meinen Augen stellen dadurch mittlerweile die Ergonomie und die Haptik die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale von Mäusen dar.

Über den Autor: Nils Raettig schaut sich seit 2013 Hardware inklusive Peripherie für die GameStar an. Auch sein erster Test hat sich einem Roccat-Produkt gewidmet, genauer gesagt der Tastatur Ryos MK Pro. Privat kann er sich sogar noch an die Zeiten erinnern, zu denen man Mäuse regelmäßig reinigen musste. Der Grund: Die Erfassung von Bewegungen erfolgte über eine Kugel an der Unterseite, wodurch sich mit der Zeit immer mehr Staub im Inneren angesammelt hat. Aus heutiger Sicht wohl auch eher kurios waren Mäuse wie die Logitech G9, in die man Gewichte einsetzen konnte, um sie schwerer zu machen, zumal sie auch ohne diesen Zusatz kein Leichtgewicht war.

Ein Maus-Trend dominiert

Dazu passt ein schon länger andauernder Trend bei Gaming-Mäusen. Statt sich mit immer absurd-höheren DPI-Zahlen von der Maus-Konkurrenz abzuheben, ist bei den Herstellern oft weniger mehr - oder genauer gesagt: weniger Gewicht.

Auch die Roccat Kone Air Pro reiht sich hier ein. Trotz Akku für den kabellosen Betrieb kommt sie auf ein vergleichsweise geringes Gewicht von 75 Gramm. Zum Vergleich: Der mehrfach neu aufgelegte Logitech-Dauerbrenner G502, der erstmals vor acht Jahren erschien, wiegt deutlich schwerere 121 Gramm.

Ein neuer Maus-Liebling: Mittlerweile kommt es auch für mich nicht mehr in Frage, mit einer so schweren Maus zu spielen. Da die Kone Pro Air außerdem nicht nur leicht, sondern erwartungsgemäß selbst im kabellosen Betrieb extrem präzise ist, kann ich mich auch in Zukunft an ihrer tollen Haptik erfreuen.

Bleibt nur eins zu hoffen: Dass Aspekte wie die geschmeidigen und dennoch guten Halt bietenden Oberflächen und das satte Klickgefühl auf Dauer erhalten bleiben und mich auch in Zukunft dazu verleiten, der Maus selbst dann einen Besuch abzustatten, wenn ich meinen PC gar nicht benutzen will.

Habt ihr euch auch schon mal dabei erwischt, eine neue Technik-Anschaffung einfach nur anfassen zu wollen, weil sie sich so gut anfühlt? Und wie wichtig sind euch Faktoren wie das Gewicht, die Ergonomie und die Haptik bei einer Gaming-Maus? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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