Der ikonisch-bunt schillernde Strip in Las Vegas protzt seit 2023 mit einer neuen Attraktion: der Las Vegas Sphere. Außen wie innen steht sie für Unterhaltungstechnik, die noch vor zehn Jahren als Science-Fiction durchgänge. Doch seit August 2025 feiert ein Film aus dem Jahr 1939 ungeahnte Erfolge als 4D-Spektakel – zum Leben erweckt vom weltweit einzigen 16K-Bildschirm und 167.000 Lautsprechern.
Die Beben hiervon könnten die Kinobranche tiefgreifend beeinflussen und ungeahnte Neuauflagen hervorbringen.
Fantasy-Klassiker in 4D zum Leben erweckt
Am 12.08.1939 feierte der »Der Zauberer von Oz« seine Uraufführung. Bei uns musste er bis nach dem Zweiten Weltkrieg warten: 1951 kam er in die Kinos unter dem Titel »Das zauberhafte Land«. Das einst für 4:3-Bildschirme geschaffene Werk rund um die Reise von Dorothy ins namensgebende Fantasyreich hat sich für sein zweites Leben ordentlich herausgeputzt:
Mehr als 2.000 Profis unterschiedlichen Handwerks haben laut Pressemitteilung des Veranstalters über zwei Jahre hinweg den Klassiker für das riesige 16K-Display der Las Vegas Sphere maßgeschneidert – inklusive mithilfe von KI.
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Xbox nutzt den Sphere in Las Vegas und es sieht einfach nur beeindruckend aus
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- Zweck: Multifunktionshalle für Konzerte, Shows und Filme
- Bau und Kosten: Der Bau begann 2018 und wurde 2023 abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 2,3 Milliarden US-Dollar.
- Ausmaße: 112 Meter hoch und 157 Meter breit (Halbkugel). Sie gilt als größte sphärische Struktur der Welt mit einer Grundfläche von 11,4 Fußballfeldern.
- Außenseite: Die als Exosphere bekannte äußere Fläche misst 81.300 Quadratmeter und ist vollständig mit LEDs (ca. 57,6 Millionen, etwa 1,2 Millionen Pixel) bedeckt – auch hier die größte weltweit. Stellt sie euch als einen gigantischen, rundlichen Bildschirm vor. Sie wurde erstmals am 4. Juli 2023 beleuchtet und zeigt dynamische Animationen, Werbung und Events.
Abgeschaltet (links) wirkt die Sphere erstaunlich mondän, ja fast schon langweilig. Doch sobald ihre LEDs zum Leben erwachen, stülpt sie sich eine unendliche Zahl von Kostümen über, zum Beispiel den Mars. (Bildquelle: Wikimedia Commons, Y2kcrazyjoker4 und The Sphere, YouTube).
- Das Innere, Bild: Das Innere der Sphere wird vom Stand September 2025 weltweit einzigen 16K-Bildschirm ausgemacht - 15.000 Quadratmeter Bildschirmfläche (etwa 2-mal die Grundfläche vom Kölner Dom). Ferner verfügt er über eine Wölbung, da er sich an die Innenseite der Kugel schmiegt. Eine spezielle Kamera wurde extra für die Sphere entwickelt, Big-Sky.
Das Innere, Ton: Für den Ton kommen 167.000 Lautsprecher zum Einsatz, die es ermöglichen, einzelne Zonen der Publikumsränge mit individuellen Sprachversionen zu beschallen (Beamforming-Technologie). - Kapazität und Tricks: Die Arena bietet Platz für maximal 17.600 Sitzplätze (rund 20.000, wenn teilweise gegen Stehplätze ausgetauscht), die auch mit 4D-Elementen bespielt werden können, zum Beispiel Windeffekte, Kunstschnee oder weiche Objekte, die synchronisiert mit den Geschehnissen auf der Leinwand herabfallen (wie etwa Äpfel von einem sich schüttelndem Baum).
Letztere skalierte zahlreiche Elemente, vor allem Charaktere, hoch. Doch dafür musste sie erstmal ihr Handwerk lernen. Sie ließen das KI-Modell nicht nur am originalen Film ausgiebig trainieren, sondern setzten die Software auch vor altes Archivmaterial, Setfotos und Skizzen.
Alldieweil sprechen wir hier inhaltlich von einer gestauchten Version, bei der rund eine halbe Stunde fehlt. Die Sequenzen eigneten sich schlicht schlecht für die beabsichtigte Inszenierung. Was letztendlich dabei herauskam, kann sich dennoch sehen, hören und sogar am eigenen Leib fühlen lassen. Shows/Filme in der Sphere spielen auf weit mehr Ebenen als nur der Leinwand.
Denn das 4D ist wörtlich gemeint: So erleben die Zuschauer den Tornado mit Haut und vor allem Haaren. Denn an letzteren zerrt während eines beeindruckend die Leinwand füllenden Tornados der Wind, erweckt von wuchtigen Ventilatoren. Derweil sorgen Nebelwerfer für das eingetrübte Ambiente und der Sound drischt herabschallend aus fast 170.000 Lautsprechern auf die Zuschauer ein.
Kurzum: So spektakulär öffnete wohl noch nie eine Naturgewalt ein Tor ins magische Reich Oz. Eindruck gefällig?
Bitte sehr – und ja, da fliegt wirklich simuliertes Erd-, Ast- und Blattwerk als echte Objekte zwischen den Rängen umher.
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Auch sonst setzt die Neuinterpretation des legendären Fantasyfilmes vor allem auf den Charme einer vergangenen Filmära und die Verzahnung mit der echten Welt: So fliegen die schaurigen, von Fans geliebt-gefürchteten geflügelten Affen über das Publikum, Schmetterlinge verlassen augenscheinlich die digitale Szenerie oder Feuereffekte untermalen optisch die Panorama-Darstellung des Treffens mit einem Zauberer.
Jede Minute des Soundtracks wurde zudem neu aufgenommen, wobei der Gesang aller Akteure, inklusive Judy Garlands als Dorothy originalgetreu bleibt. Die vertrauten Stimmen, bekannt vor allem durch Garlands' »Over the Rainbow«, tragen das Kunstwerk mit durch die Jahrzehnte.
Ein teuer Nostalgie-Spaß
Preislich kommt der Ausflug derweil nicht gerade günstig daher: Wer 120 Dollar zahlt, kommt billig weg, die teuersten Karten kosten das vierfache davon. Die Nachfrage ist aber dennoch vorhanden: Es kommt ein Umsatz von rund zwei Millionen US-Dollar pro Tag zusammen.
Momentan strömen zwei- bis dreimal tagtäglich Tausende Zuschauer zur Sphere, um zurück in ihre Kindheit zu reisen, wie Bloomberg vermeldet. Denn vor allem in den Vereinigten Staaten mauserte sich der Film in den Jahrzehnten nach einem verhaltenen Start an den Kinokassen Ende der 1930er zum kulturellen Phänomen.
Heute gilt »Der Zauberer von Oz« als einer der bedeutendsten Fantasyfilme der Filmgeschichte. Auf Metacritic erreicht das seit 1939 etliche Male neu veröffentlichte Werk einen Metascore von mehr als 90.
In der Las Vegas Sphere erkundet Judy Garland noch bis zum 31. März 2026 Oz. Allerdings endet die Geschichte dieser Neuinterpretation, geschweige denn die von für das LED-Rund auflebenden Klassiker, dann keinesfalls – vielmehr dürften wir den Beginn einer Ära bezeugen.
Fortsetzung folgt mit Star Wars und Harry Potter?
Der Erfolg von »Der Zauberer von Oz« scheint nämlich derweil kein Zufall zu sein. Er ist viel mehr die Bestätigung einer Regel. Denn obschon die Event-Halbkugel in der Öffentlichkeit primär für spektakuläre Shows und Konzerte Bekanntheit genießt, übertreffen Filmvorführungen sie bei Profitabilität um Längen, trotz der Millionenkosten, die die umfassende Aufbereitung für die Lokalität verschlingen.
So zeigen nach Bloomberg Zahlen des Analysten Peter Supino von Wolfe Research, dass Filme 2025 doppelt so viel Umsatz in die Kassen des runden Unterhaltungs-Mekkas spülen wie Musikevents – bei zusätzlich dickerer Gewinnmarge.
Der wenig überraschend Grund: Die Filmeinnahmen bleiben vorrangig bei den Betreibern der Sphere, bei Konzerten hingegen reichen sie den Bärenanteil weiter an die Acts.
Die Köpfe hinter dem 4D-Event denken auch deshalb bereits über weitere Neuauflagen von älteren Filmen nach, wenn auch der Griff in die Vergangenheit nicht derart weit ausfällt: Gespräche mit Disney über Star Wars und mit Warner Bros. bezüglich Harry Potter laufen.
The Sphere könnte vielleicht aber alsbald ihren global einzigartigen Status verlieren. Die Betreiber wittern potenzielle Kundschaft auf anderen Kontinenten. Eine Schwester-Sphere jenseits des Atlantiks ist geplant, in Abu Dhabi.
Erfolge wie der »Zauberer von Oz« helfen sicherlich, weitere dieser auf den ersten Blick abstrusen, aber eben doch für sich als Unikate stehende Locations zu bauen. Kinofans weltweit wären sicher interessiert.
Oder was meint ihr? Wärt ihr bereit, aus dem DACH-Raum nach London zu fliegen? Oder müssten sie schon in Berlin, Hamburg, Wien oder München eine Sphere errichten, damit ihr in Auto, Bus, Zug oder Flugzeug steigt? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!
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