Problematisch sehe ich jedoch die Vergrößerung des Starterfeldes von 12 auf 24 Figuren. Klar, Mario Kart war schon immer pures Chaos und der Unterschied zwischen Sieg und Platz 10 wurde seit dem SNES-Debüt zu einem großen Teil vom Zufall und dem Item-Glück entschieden. Dagegen sage ich nichts.
Bei 24 Akteuren auf der Strecke wird es für meinen Geschmack aber einfach zu wild. Stellt euch vor, ihr schaltet in Mario Kart 8 die Item-Auswahl auf Furios
und multipliziert das noch mal drei. Dann wisst ihr, wie die Rennen in Mario Kart World ablaufen. Oft trifft mich nicht nur ein roter Panzer, sondern gleich darauf noch einer, dann ein Feuerball, dann eine Piranha-Pflanze und zum Abschluss schmeißt noch jemand eine Bombe - nein, so macht das einfach keinen Spaß mehr!
Ich hoffe sehr, dass Nintendo bis zum Release am 5. Juni 2025 nochmal an der Balance schraubt und die KI-Fahrer in Sachen Schubsen, Drängeln und Item-Einsatz entschärft. Letztlich trifft das Spektakel vielleicht aber auch euren Geschmack. Auf unserem Event bei Nintendo in Frankfurt waren wir Pressevertreter bereits geteilter Meinung. Manche mochten das nochmals aufgedrehte Chaos, vielleicht ja auch ihr.
Mein Highlight: die Knockout Tour
Nicht geteilter, sondern einstimmiger Meinung waren wir beim Knockout-Tour-Modus. Der Neuzugang ist das Highlight von Mario Kart World!
Stellt euch ein Rennen nach dem aus Shootern bekannten Battle-Royale-Prinzip vor. Zum Start des K.O.-Rennens rasen noch 24 Marios, Peaches, Kühe und Gumbas los. Beim ersten Checkpoint des gut und gerne zehn Minuten langen Events werden die langsamsten vier Kontrahenten eliminiert. Beim zweiten Checkpoint müssen die nächsten vier Teilnehmer dran glauben, und so weiter.
Um es wie in Highlander zu sagen: Es kann nur einen geben. Das Gefühl, am Ende als Erster die Ziellinie zu überqueren, ist durch den vorherigen massiven Ausstoß an Adrenalin unbeschreiblich.
Besonders gelungen am Knockout-Tour-Modus ist, dass hier das massive Chaos rund um Item-Glück und puren Zufall viel besser zum Tragen kommt als im Solo-Modus gegen die KI. Wer kurz vor einem Checkpoint auf einem der letzten Plätze herumgurkt und plötzlich die rettende Rakete erhält, jubelt doppelt so laut wie sonst.
Viele technische Detailverbesserungen
Jubeln lassen mich auch Grafik und Sound von Mario Kart World. Auf den ersten Blick hat sich zwar überraschend wenig gegenüber Mario Kart 8 getan, das immerhin bereits 2014 für die Wii U erschien. Beleuchtung, Texturen und allgemeiner Detailgrad erinnern stark an den elf Jahre alten Vorgänger.
Der Fortschritt ist da, er versteckt sich aber im Detail. Statt die gestiegene Hardwareleistung der Switch 2 in grafischen Prunk und Protz zu investieren, hat sich das Entwicklerteam für einen anderen Weg entschieden.
Die Animationen der Nintendo-Figuren sind nun deutlich detaillierter. Vor allem in den Gesichtern lässt sich in den Replays eine überraschend vielfältige Mimik bestaunen. Jeder Charakter bewegt sich zudem unterschiedlich. Der kleine Bowser Jr. legt sich in seinem Gefährt zum Beispiel anders in die Kurve als der korpulente (er ist nicht dick!) Donkey Kong oder ein zierlicher Shy Guy.
Zudem hält das Spiel die Bildrate von geschmeidigen 60 FPS selbst in den hitzigsten Momenten mit 24 Fahrzeugen aufrecht - das war den Entwicklern wichtiger als kostspielige Effekte. Die Auflösung soll im Docked-Modus bei 1440p liegen, im Handheld-Modus dann bei nativen 1080p. Das können wir aber erst im Test validieren.
Der Soundtrack bläst im Ohr wieder genau auf die richtigen Flimmerhärchen, wodurch die Melodien tagelang nicht aus dem Gehörgang gespült werden können. Neben altbekannten, neu arrangierten Klassikern (die ich aus Spoiler-Gründen für Fans nicht verrate) gibt es auch viele neue Tracks, die das Zeug zum neuen Evergreen haben.
Das einzige nennenswerte Manko: Bei vier Spielern im Multiplayer-Splitscreen sinkt die Bildrate auf 30 FPS. Da die Konsole dann aber auch alle vier gleichzeitig rendern muss, ist das verständlich und verzeihlich. Die Switch 2 ist nun mal kein High-End-PC.
Der Test wird eine hochspannende Angelegenheit
Zeit für ein Fazit und ich bin dem eingangs erwähnten Schwitzkasten immer noch nicht entkommen. Wenn ich an die tollen Strecken, den Knockout-Tour-Modus und die farbenfrohe Optik denke, muss ich sofort wieder auf den Kalender schauen, um zu prüfen, wie lange ich mich noch gedulden muss.
Beim Gedanken an die Open World und einige Gameplay-Entscheidungen wie das vergrößerte Fahrerfeld zieren hingegen tiefe Sorgenfalten meine Stirn. Manchmal ist weniger mehr und ja, ich schmeiße zwei Euro ins Phrasenschwein.
Transparenzhinweis: Unsere Preview setzt sich aus drei Events rund um Mario Kart World zusammen. Im April 2025 hat uns Nintendo zu einem Hands-On-Event der Switch 2 in Berlin eingeladen. Mitte Mai fand schließlich eine mehrstündige Anspiel-Session in der Frankfurter Zentrale statt. In beiden Fällen übernahm Nintendo die Kosten für Anreise und Verpflegung.
Wenige Tage später erfolge noch ein rund 45 minütiges Interview mit Kosuke Yabuki, dem Producer von Mario Kart World, das via Online-Tool aufgezeichnet wurde.
Mario Kart World hat nach wie vor das Potenzial, ein neuer Höhepunkt für die Reihe zu werden. Aber dafür müssen im baldigen Test noch wichtige Fragen beantwortet werden:
- Bietet die Open World abseits der P-Switch-Missionen doch noch andere, spaßige Aktivitäten?
- Pendelt sich das KI-Chaos bei 24 Fahrern nach einiger Zeit auf einem erträglichen Niveau ein?
- Stellt sich das Grinding und an der Wand fahren doch noch als nützlicher heraus, als es bislang den Anschein erweckt?
Keine Sorge: Ich finde das für euch heraus! Habt ihr sonst noch Fragen zu Mario Kart World? Dann schreibt sie unten in die Kommentare und ich gebe mein Bestes, sie zu beantworten.
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