Die vergangenen Jahre haben mich vom PC-Hardwarenerd zum Energienerd gemacht, danke dafür, hohe Strompreise. Letztere sind zwar schon wieder kräftig gesunken, dabei hilft auch mein dynamischer Stromtarif, gerade letzterer sorgt aber auch immer wieder für unerfreuliche Preisspitzen.
Zur Erklärung: Dynamische Stromtarife, wie sie ab 2025 jeder Versorger zusätzlich anbieten muss, geben den Börsenstrompreis direkt und im Stundentakt an euch weiter. Mir stehen die Preise des Folgetages ab 13 Uhr zur Verfügung um im Idealfall meinen Verbrauch zu planen. Da jüngst ein Elektroauto in den Hardwarefuhrpark aufgenommen wurde, lohnt sich das preislich durchaus.
Zwar sind extreme Preisspitzen wie jüngst die beeindruckenden 1,33 Euro pro Kilowattstunde nur selten und eher kurz, mit einem Akku zur Solaranlage verlieren sie aber zusätzlich an Bedrohlichkeit. Im Rahmen immer günstiger anzubietender Balkonkraftwerke ging der Trend 2024 daher auch in Richtung Balkonkraft-Set mit Akkuunterstützung. Teils zum gleichen Preis wie vor wenigen Jahren ein vergleichbares Balkonkraftwerk ohne Akku.
Akkus mögen keinen Winter
Schon länger unterstützt eine Delta2Max des Herstellers Ecoflow meine Mini-Solaranlage, für die Kombination mit dem Powerstream-Wechselrichter entschied ich mich aufgrund der übersichtlichen Integration. Die Delta2Max ist eine voll ausgestattete Powerstation mit 2 kWh Speicherkapazität, AC-Stromausgängen und USB-Ports für bis zu 100 Watt. Zusätzlich sind zwei Solarports vorhanden, an die sich weitere Panels anschließen lassen.
Nur eines ist die D2M nicht: Outdoortauglich. Und wohnzimmertauglich, das ist sie definitiv auch nicht. Nach draußen auslagern ist aber auch keine Option, da die Powerstation das Wetter nicht vertragen würde. Zudem lädt der Lithium-Eisenphosphat-Akku bei zu niedrigen Temperaturen nicht mehr und auch generell mag die Akku-Zellchemie Winter eher so gar nicht.
Ich wollte es daher einmal mit den von Ecoflow angebotenen wasserdichten Akkus ausprobieren - diese haben (mit etwas Sorgfalt) kaum Probleme auch mit norddeutschem Herbstwetter und sind mit einer integrierten Akkuheizung auch auf den Winter vorbereitet.
Wie bereits erwähnt, verträgt der LFP-Akku keine niedrigen Temperaturen, unter dem Gefrierpunkt geht der Akku zudem in den Winterschlaf und kann nicht mehr per Sonne geladen werden. Gut gemeint wirft der Akku daher temperaturgesteuert eine kleine Heizung an, um die Akkuzellen auf praktischere Temperaturen zu bringen.
Wärme kostet Strom. Zu viel Strom.
Dieses Heizelement lässt sich dummerweise nicht per App oder Schalter steuern. Nun ist die Sonne in den Wintermonaten aber auch nicht für ihre ausdauernde Anwesenheit am Himmel bekannt. Neben eh schon nur wenigen Sonnenstunden sorgen Wolken und Hochnebelfelder für nur sehr geringe Ertragswerte.
Dieser Ertrag wird tagsüber auch brav in den Akku gespeichert, für mehr als wenige Prozent reicht es aber nur selten. Statt diese Energie aber nun wie gewünscht in teuren Strompreisstunden einspeisen zu können, frisst schon kurz nach dem frühen Sonnenuntergang die Akkuheizung die tagsüber erzeugte Energie.
Zur Verdeutlichung: Im November konnte der Akku an einem Tag auf immerhin 10% seiner 5 kWh Kapazität geladen werden. Eingespeist wurde davon nichts, durch die Akkuheizung lag der Akkufüllstand am Morgen aber bereits bei nur noch 2%.
Fazit: Unsinnige Ausstattung beim wasserdichten Akku von Ecoflow
Ok, der Outdoor-Akku eignet sich wegen einer für den Winter gedachten Funktion nicht für den Einsatz im Winter. Toll. Darüber könnte ich noch hinwegsehen, wenn ich den Akku wenigstens in günstigen Stunden mit Netzstrom füllen könnte. Die Delta2Max lässt sich bequem per Steckdose füllen, dem wasserdichten Akku fehlt dieser Anschluss allerdings. Außer einem proprietären Stecker für den Powerstream-Wechselrichter fehlt dem Akku eigentlich sogar jeder weitere denkbare Anschluss.
So habe ich jetzt also seit Monaten einen dauerhaft leeren Akku herumstehen. Entweder klemmt er am Wechselrichter, um die paar Wattstunden des Tages direkt wieder in Heizungswärme umzusetzen oder er steht eingelagert im Schrank, weil er bis zum Frühling maximal unnütz ist. Muss das sein, Ecoflow? Die 5 Kilowattstunden, die in den Akku passen würden, hätte ich in den letzten Wochen sehr gut brauchen können.
Aber da seit Kurzem ein noch viel größerer Akku hier herumsteht - ein nagelneues Elektroauto mit immerhin 50 kWh - hoffe ich auf eine ganz andere Hardware: Auf einen Adapter, mit dem ich per Vehicle-to-Load Strom aus dem Autoakku (gerne auch im kleineren Rahmen mit Balkonsolar-ähnlichen Wattzahlen) ins Haus einspeisen könnte. Aber das ist eine andere Geschichte und vielleicht irgendwann ein weiterer Artikel.
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