Sucht man bei Google nach den Bewertungen eines Spiels, spuckt die Suchmaschine an den oberen Positionen meist eine ganz bestimmte Seite aus: Metacritic. Hier tummeln sich unzählige Meinungen zu Videospielen, Filmen, Serien und Musik. Auch wir greifen oft auf dieses Sammelsurium zurück, wenn wir die Pressestimmen in Bezug auf neu veröffentlichte Werke für euch zusammenfassen.
Aber was steckt eigentlich hinter Metacritic? Wie werden die Scores berechnet? Wer ist Kritiker und wer nur normaler User? Gründer Marc Doyle hat jetzt ein paar Antworten parat.
»Das ist unsere Geheimsauce«
Im Interview mit Gamesindustry.biz plaudert der ehemalige Anwalt über die von ihm, seiner Schwester Julie Doyle Roberts und seinem Kollegen Jason Dietz ins Leben gerufene Seite. Gegründet im Jahr 2001, werden auf Metacritic die Reviews verschiedener Presse-Institutionen zusammengesammelt und in eine durchschnittliche Wertung - den Metascore - umgerechnet.
Aber was genau ist der Metascore eigentlich? Grundlage ist eine Skala von 0 bis 100, wobei die 100 das obere Ende der Qualität darstellt und die 0 das untere. Nutzen Presse-Vertreter eine andere Skala, beispielsweise eine Wertung von 1 bis 5, dann muss die vergebene Note erst in die Metascore-Skala übersetzt werden. Das hat in der Vergangenheit durchaus schon für Kritik gesorgt.
Dabei sind zudem nicht alle Stimmen gleich viel wert, gibt Doyle im Interview zu.
Wir haben leichte Gewichtungen für unsere Veröffentlichungen. Eine Rezension aus einer Publikation, die von erfahrenen Autoren besetzt ist, kann im Gesamtdurchschnitt etwas mehr wert sein.
Dabei soll die Differenz in diesem Gewicht im Ergebnis nicht mehr als ein oder zwei Punkte betragen. Welche Kritikerstimmen bevorzugt werden, verrät Doyle allerdings nicht. Das sei Metacritics »Geheimsauce«.
Kritiker und Normalsterbliche
Auf Metacritic gibt es zwei unterschiedliche Durchschnittswertungen: die der Kritiker (der Metascore) und die der User (der User Score). Um ein Review als Kritiker-Review auf Metascore ausstellen zu lassen, ist einiges notwendig. Jedes Jahr im Januar wird darüber entschieden, welche Seiten Wertungen in dieser Kategorie einreichen können. Wenn sich eine Seite dafür bewirbt, muss ein Katalog aus zahlreichen Fragen beantwortet werden.
Wenn mir jemand schreibt, gebe ich ihm einen Fragebogen. 37 Fragen zur Website, ihrer Geschichte und der Bewertungsquote. Sie sollen mir etwas über Ihren Chefredakteur erzählen, dessen Hintergrund, die Autoren und ihre Bewertungsphilosophie. Einfach eine ganze Reihe von Fragen.
PLUS
22:23
Funktioniert Review-Bombing auf Steam und Metacritic?
Eine der Fragen ist »Wann war das letzte Mal, dass Sie einem Spiel eine äquivalente Wertung von 30 aus 100 Punkten gegeben haben.« Wenn der Vertreter der Seite antwortet, dass das noch nie passiert ist, ist das für Doyles Bewertung eher ein Minuspunkt.
Denn das deute darauf hin, dass die Seite entweder noch nicht viele Spiele bewertet habe oder aber sich nur auf die guten Veröffentlichungen konzentriere. »Wenn man nicht weiß, was ein Spiel mit niedriger Punktzahl ist, wie kann man dann definieren, was Spiele mit hoher Punktzahl sind?«, sagt er dazu.
Wenn es um Einzelpersonen geht, dann kommt es oft auf den Stand dieser Personen in der Branche an. Bekannte und etablierte Stimmen werden viel eher aufgenommen, als unbekanntere Stimmen, die noch nicht viel Vertrauen aufbauen konnten. Dabei verlasse sich Doyle aber auch auf Berater, die selbst Kritiken schreiben.
Die Meta-Kritik
Metacritic hat sich über die Jahre verändert und wird auch in Zukunft sicherlich noch einige Wandlungen erfahren. Was sich aber vermutlich nie abschütteln lassen wird, ist die Kritik an der Seite und vor allem ihrem Einfluss.
Dabei geht es nicht nur um Review Bombing und eine mögliche verfälschte Umrechnungen der Bewertungsskalen, sondern auch um den Umgang der Spielehersteller mit dem Einfluss von Metacritic. Erreicht ein Spiel beispielsweise den angepeilten Score, bekommen deren Entwickler in einigen Unternehmen Bonuszahlungen. Wird das Ziel hingegen nicht erreicht, bleiben diese Zahlungen aus, was natürlich für einen gewissen Druck sorgt.
Doyle sieht die Verantwortung dafür aber nicht bei Metacritic. Ihm ginge es darum, einfach nur für ein besseres Spielerlebnis zu sorgen. »Solange wir ehrlich und glaubwürdig sind in dem, was wir tun, kann ich gut schlafen.«
Wenn ihr mehr zu der Kritik an Metacritic erfahren wollt, lest unbedingt unseren oben verlinkten Report. Dort geht es unter anderem um die Art und Weise, wie der Metascore berechnet und wie die Gewichtung der Pressestimmen zum Problem wird. Auch vor Review Bombing ist die Seite nicht sicher.
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