Das Wichtigste auf einem Blick
- Spotify erlebt unerwarteten Erfolg mit White-Noise-Podcasts: Beruhigende Hintergrundgeräusche werden millionenfach gestreamt.
- Spotify platziert White-Noise-Podcasts unbeabsichtigt in der gleichen Kategorie wie Talk-Podcasts.
- Die Übernahme von Anchor durch Spotify hat versehentlich zur Verbreitung dieser Podcasts beigetragen - aber was unternimmt Spotify dagegen?
Walgesänge, Meeresrauschen, Vogelgezwitscher. Wer glaubt, der große Reibach über eine Musik-Streaming-Plattform wie Spotify wird ausschließlich mit Ed Sheeran, Post Malone, Imagine Dragons und anderen Hit-Garanten gemacht, der irrt.
Über 3 Millionen Stunden täglich werden über Spotify sogenannte White-Noise-Podcasts gestreamt. Der Begriff »Weißes Rauschen« bezieht sich auf beruhigende Umgebungsgeräusche, die der Konzentration förderlich sein können - oder beispielsweise als Einschlafhilfe nützlich sind.
Der Reibungspunkt: Diese Entspannungs-Podcasts laufen bei Spotify in derselben Kategorie »Talk«, in der sich auch Podcast-Charts-Stürmer wie Joko Winderscheidt, Hazel Brugger oder Tom Kaulitz tummeln.
Und dadurch gehen Spotify Beträge in Millionenhöhe durch die sprichwörtlichen Lappen.
Aber wieso eigentlich genau?
Spotify übernimmt Anchor - und bekommt das Weiße Rauschen
Um das zu verstehen, müssen wir einige Jahre zurückblicken.
Im Jahr 2019 hat Spotify die Podcast-Hosting-Plattform Anchor übernommen. Seither ist Anchor Bestandteil von »Spotify for Podcasters«. Das ist eine Plattform, die Podcastern einen Werkzeugkasten für ihre Arbeit bereitstellt.
Der Gedanke hinter Spotifys Übernahme von Anchor war, möglichst vielen Podcastern eine Plattform fürs Audio-Streaming zu bieten. Genauer: Spotify als Plattform. Für den grünen Riesen ist der Plan aufgegangen, denn bereits im Juli 2022 wurden 44 Prozent aller Podcasts über Anchor gehostet, wie Podnews schreibt.
Großes Geschäft mit White-Noise-Podcasts: In die Reihe der mittlerweile überaus erfolgreichen Podcastern gehören nun auch die White-Noise-Podcaster. Das hat auch monetäre Auswirkungen. Via Audio-Programme mit Wellenrauschen oder Grillenzirpen können solche Podcaster monatlich 18.000 US-Dollar verdienen. Und zwar über von Spotify geschaltete Werbung in ihren Programmen.
Dabei ist die starke Frequentierung solcher White-Noise-Podcasts für Spotify eher unfreiwillig passiert. Zwar sollte der Algorithmus Userinnen und User eher die mit »Talk« gekennzeichneten Inhalte vorschlagen – im Gegensatz zu Musiken. Aber unter Talk fallen eben nicht nur Podcast-Formate, die dem Label »Talk« zugerechnet werden, sondern auch das Hintergrundrauschen eines Weißes-Rauschen-Podcasts.
Die Krux dabei: Diese Entspannungs-Podcasts sind für Spotify deutlich weniger lukrativ als gewöhnliche Talk-Formate. Deshalb hat Spotify erwogen, die White-Noise-Podcasts aus dem Talk-Feed zu entfernen, respektive neue Uploads solcher Podcasts zu verbieten.
Aber wie funktioniert das mit den White-Noise-Podcasts genau? Die Mechanismen bei Spotify selber sind nicht bekannt. Naheliegend ist jedoch, dass die Werbeplatzierung in White-Noise-Podcasts weniger Ertrag bringt als in gewöhnlichen Podcasts. Denn Spotify wirft diese beiden Arten von Podcasts in die Talk-Kategorie. Das Ergebnis? Mehr Nutzer als sonst hören White-Noise-Podcasts.
Zeigte der Algorithmus ausschließlich herkömmliche Podcasts an, hörten Nutzer eher solche Podcasts, in denen Werbung für Spotify besser platzierbar ist. Das wäre für Spotify finanziell gesehen vorteilhaft.
Kurz gesagt: Spotify könnte erwägen, White-Noise-Formate aus seiner Kategorien Talk-Kategorie herauszuhalten. Das darum, um Hörern eher gewöhnliche Podcasts auf die Ohren zu geben - und damit auch besser platzierte Werbung.
Was Spotify vom Canceln der White-Noise-Podcasts hätte? Laut einem Dokument, das Bloomberg vorliegt, könnte Spotify seinen jährlichen Bruttogewinn damit um 35 bis 38 Millionen Euro steigern.
Die Frage, ob Spotify entsprechend dieser Rechnung gehandelt hat, muss aber mit »Nein!« beantwortet werden. In einer Mail eines Spotify-Sprechers heißt es dazu:
»Der fragliche Vorschlag werde nicht umgesetzt. Wir haben weiterhin White-Noise-Podcasts auf unserer Plattform.«
Beschneidet Spotify die Reichweite von White-Noice-Podcasts?
Dass Spotify ungeachtet dieser Stellungnahme dennoch das Ausspielen der White-Noice-Podcats deckelt, dafür stehen Reddit-Threads, die von plötzlich verschwundenen Podcasts berichten. Auch die verantwortlichen Podcaster selbst beschreiben Unannehmlichkeiten. So sollen bereits hochgeladene Folgen verschwunden sein – was für die Podcaster mit weniger Downloads einherging. Einbußen von 20.000 bis 50.000 Downloads sollen es bei einigen Podcastern täglich gewesen sein.
Dass diese Einschnitte bewusst von Spotify unternommen wurden, ist naheliegend, aber nicht offiziell bestätigt. Nicht auszuschließen, es handelt sich um auch außerhalb der White-Noise-Blase auftretende Probleme.
Hättet ihr gedacht, dass White-Noice-Podcasts eine solch gigantische Gefolgschaft haben? Oder nutzt ihr vielleicht selber solche Entspannung-Audios zum Runterkommen? Wo hört ihr am liebsten euer Weißes Rauschen? Schreibt uns dazu gerne in die Kommentare.

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