Mit einem „stillen“ Album protestieren jetzt 1.000 Musiker gegen eine Entwicklung, die uns alle betrifft

Die Konzertsäle bleiben leer: Britische Musiker protestieren mit einem ungewöhnlichen Album gegen eine geplante Gesetzesänderung zum Thema Urheberrecht und KI.

Bei Spotify protestieren Musiker gegen eine geplante Gesetzesänderung. Ihre Befürchtung: Die Hallen bleiben leer – auch auf der Bühne. (Bildquelle: OLGA, Adobe Stock) Bei Spotify protestieren Musiker gegen eine geplante Gesetzesänderung. Ihre Befürchtung: Die Hallen bleiben leer – auch auf der Bühne. (Bildquelle: OLGA, Adobe Stock)

Auf Spotify gibt es ein neues Album von ganzen 1.000 britischen Musikern. An Is This What We Want sind unter anderen Größen wie Elton John und Kate Bush beteiligt.

Das klingt allerdings ganz anders, als ihr euch das vielleicht vorstellt und es hat einen ernsten Hintergrund.

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Ein Album ohne Musik

Auf Is This What We Want sind 12 Songs zu finden. Der Clou: Was wie ein normales Album aussieht, sind tatsächlich 12 Audioaufnahmen von leeren Tonstudios und Konzertsälen.

Was mit diesem außergewöhnlichen Album bezweckt werden soll, darauf lässt die Track-Liste schließen:

  1. The
  2. British
  3. Government
  4. Must
  5. Not
  6. Legalise
  7. Music
  8. Theft
  9. To
  10. Benefit
  11. AI
  12. Companies

Hintereinander gelesen, bedeuten die zwölf Titel der Stücke übersetzt:

Die britische Regierung darf keinen Musikdiebstahl legalisieren, um KI-Firmen zu begünstigen.

Eine Lockerung des Urheberrechts ist geplant

Hintergrund ist ein geplantes Gesetz zur Lockerung des Urheberrechts in Großbritannien. Um die Interessen zwischen Künstlern und KI-Firmen auszugleichen, wird etwa ein Opt-Out-Verfahren diskutiert.

Das bedeutet: Solange ein Künstler nicht aktiv widersprochen hat, darf seine Musik zum Training von KI-Modellen verwendet werden, wenn sie frei verfügbar im Internet kursiert.

Die Problematik besteht darin, dass die neuronalen Netze, auf denen KI-Modelle beruhen, Unmengen an Daten zum Training des Modells brauchen. So lernen sie etwa, Artefakte zu generieren, die so ähnlich sind wie Songs, die wir gut finden.

Darin sehen die Musiker einen gesetzlich abgesegneten Diebstahl ihres geistigen Eigentums. Die langfristige Folge, die sie befürchten: Es wird keine Musiker mehr geben. Die Studios und Hallen bleiben leer.

Es tobt derzeit ein Krieg zwischen KI und Urheberrecht

Derartige Konflikte betreffen nicht nur Großbritannien und nicht nur die Musikbranche: Meta und OpenAI wurden schon 2023 von Autoren verklagt, sich über Schattenbibliotheken illegal an deren Büchern bedient zu haben.

Eine Recherche Ende 2024 hat ergeben, dass OpenAI sich beim Training von der Video-KI-Sora offensichtlich an urheberrechtlich geschütztem Material von Twitch bedient hat. Und derzeit läuft noch eine Klage der GEMA den KI-Musikgenerator Suno.

Dabei zeigen sich Datenschützer der KI gegenüber durchaus auch als aufgeschlossen. Die GEMA hat etwa von sich aus ein Lizenzmodell für Musik zum Training von generativer KI vorgeschlagen.

Außerdem setzt sich etwa die Organisation Fairly Trained für ein Training von KI-Modellen ein, das gleichzeitig den Schutz des Urheberrechts wahrt.

Gesetze und auch die Proteste dagegen werden prägend sein und Präzedenzfälle schaffen für den Umgang mit geistigem Eigentum beim Training von generativer KI.

Was denkt ihr darüber? Haben die Musiker mit ihrem Protest eine Chance? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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