NCGP - Neue US-Organisation verbindet Lobbyarbeit & Verbraucherschutz

Angeblich hochrangige Branchenvertreter gründen in den USA die NCGP, die sowohl Industrie als auch die Verbraucher vertreten soll. Kann das klappen?

von Sebastian Zelada,
28.11.2017 15:08 Uhr

In den USA hat sich eine neue Organisation für die Rechte von Verbrauchern sowie Publishern und Entwicklern gegründet. Das National Committee for Games Policy wirft jedoch noch viele Fragezeichen auf. Es will für die Videospielbranche Lobbyarbeit gegenüber der Politik leisten und gleichzeitig auch die Stimme der Verbraucher gegenüber Publishern und Entwicklern stärken. Dabei will das Komitee überparteilich agieren und sich keiner politischen Strömung anschließen.

Lobbyarbeit & Verbraucherschutz

NCGP soll sich in zwei Sparten aufteilen: ITK, einen Think-Tank, der aus privaten Geldern finanziert wird und die SRO, ein Arm, der als Selbstregulierungsorgan der Branche dienen will. Während die ITK sich mit der Politik in Verbindung setzen möchte, um die Interessen der Branche zu vertreten, soll die SRO für Verbraucher einstehen.

Die SRO soll dazu als Auffangbecken für Whistleblower dienen, um Missstände in der Industrie aufzudecken. Ein Mal pro Quartal soll eine Liste erscheinen, welche Fehlentwicklungen anprangert, nachdem die NCGP mögliche Anschuldigungen untersucht hat. Doch es kommen bereits jetzt Zweifel an der Handlungsfähigkeit auf.

Free2Play-Manager für Verbraucher

Vordergründig scheint es sich bei dem NCGP nämlich vor allem um einen Lobbyverein zu handeln. Man wolle den "Politikern die Information geben, die sie brauchen, um informierte Entscheidungen fällen zu können." Die Organisation besteht aber laut eigenen Angaben nicht aus Entwicklern, was sie beispielsweise von der International Game Developers Association (IGDA) abgrenzt. Vielmehr handele es sich dabei um eine Koalition von "Industrie-Experten und Influencern".

Deutsche Entwickler über Lootboxen - »Die Spieler sind selbst dran Schuld.« PLUS 23:05 Deutsche Entwickler über Lootboxen - »Die Spieler sind selbst dran Schuld.«

Was das heißt, zeigt ein Blick auf die Zusammensetzung des Lenkungsausschusses. Dieser besteht aus acht Mitgliedern, allein drei davon sind Mitarbeiter von Incuvation Games, dem Publisher des Free2Play-Browser-Strategiespiels Nemexia. Bedenkt man, wie sehr manche in Free2Play-Spielen angewandten Mechaniken, wie Lootboxen, bei Spielern in der Kritik stehen, fällt es schwer zu glauben, dass eine derartige Konstellation auch die Verbraucherbedürfnisse stärken kann.

Zudem ist ein derartiges Publisher-Übergewicht im Lenkungsausschuss eines gerade etablierten Organs zumindest verdächtig. Erst recht, wenn man bedenkt, dass Mitgliedschaften in der NCGP nur über Einladungen möglich sind.

Fragwürdiger Lenkungsausschuss

Weiter steht die Frage im Raum, wie kompetent die Mitglieder des Lenkungsausschusses sind. Michael Luxion beispielsweise wird als Gründer von Paralux Interactive vorgestellt, ein Unternehmen, welches lediglich ein Spiel angekündigt hatte, das nie erschienen ist: Sportball Manager.

Der Sportball Manager erschien gar nicht erst.Der Sportball Manager erschien gar nicht erst.

Abgesehen davon, dass Sportball Manager vor zwei Jahren auf Steam Greenlight durchgewunken wurde, ist es seit der Ankündigung still um das Projekt. Die Kickstarter-Kampagne scheiterte krachend und der YouTube-Kanal des Entwicklers zählt zwei Abonnenten.

Daniel Doan, unter anderem Gründer von Black Shell Games, entwickelte zwar mit SanctuaryRPG und Overture zwei solide Indie-Titel, fällt aber auch als Mitgründer von Blackshell Media mit Spam-Advertisting auf Twitter auf, was unter anderem zu einem wenig ruhmreichen Reddit-Thread führte.

Es darf also zumindest bezweifelt werden, ob das NCGP Spieler und Entwickler gleichermaßen vertreten kann und wird. Nach der ambitionierten Ankündigung und den (auf dem Papier) hehren Zielen, werden jetzt Taten folgen müssen, wenn sich das Gremium als echtes Vertretungsorgan etablieren will.

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