Mit ausgerechnet einer App sage ich Doom-Scrolling den Kampf an

Der Niagara Launcher hilft mir mein Handy wieder bewusster zu verwenden.

Ein minimalistischer Launcher ist kein Wundermittel, aber ein überraschend praktisches Werkzeug, um das alltägliche digitale Rauschen im Alltag zu reduzieren. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Ein minimalistischer Launcher ist kein Wundermittel, aber ein überraschend praktisches Werkzeug, um das alltägliche digitale Rauschen im Alltag zu reduzieren. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Die Aufmerksamkeits-Ökonomie hat viele von uns im Griff. Jede App, jeder Dienst, jedes Unternehmen wollen vor allem eines: unsere Zeit.

Dabei spreche ich nicht einmal mehr nur von Social-Media-Plattformen, wie Instagram und TikTok; inzwischen sind selbst Online-Shops so optimiert, um Nutzer und Nutzerinnen möglichst lange zum Stöbern und Scrollen zu motivieren.

Diese konstante Flut an neuen Inhalten und die einfache Verfügbarkeit von diesen hat bei mir dafür gesorgt, dass ich es nicht mehr gewohnt bin, einfach mal nur zu »sein«. 

Jetzt hat ausgerechnet eine Smartphone-App mir geholfen, meine Bildschirmzeit zu reduzieren und bewusster mit dem digitalen Rauschen des Alltags umzugehen.

Ein neues Smartphone brachte mich auf die Idee

Alles fing an mit der Ankündigung eines neuen Smartphones. Der YouTuber MrMobile kündigte den Clicks Communicator an – ein minimalistisches Smartphone mit eingebauter Tastatur.

Video starten 0:30 Der Clicks Communicator ist ein modernes Android-Smartphone, das nicht nur wegen der physischen Tastatur aus der Masse heraussticht

Was mich jedoch weit mehr als die Hardware interessierte, war die gezeigte Benutzeroberfläche. Sie sah minimalistisch, sauber und einfach aus. Die Hersteller haben für ihr erstes Smartphone mit dem Team hinter dem »Niagara Launcher« zusammengearbeitet. 

Vor zehn Jahren habe ich fast immer einen Custom-Launcher auf meinen Handys installiert, aber in den letzten Jahren reichten mir die vom Hersteller angepassten Android-Versionen vollkommen aus.

Das, was ich im Trailer des Clicks Communicators sah, hat mein Interesse mehr als geweckt. Ich wollte 2026 ohnehin meine Bildschirmzeit reduzieren, mein Handy bewusster und produktiver nutzen und nicht nur, um Zeit totzuschlagen.

Also installierte ich den Niagara-Launcher – nur wenig später habe ich mir sogar die Lifetime-Lizenz gekauft.

Warum mich der Niagara Launcher überzeugt hat

Sauberer Homescreen für das Wichtigste: Der Homescreen des Niagara-Launchers ist auf das Wichtigste reduziert, ohne an Praktikabilität einzubüßen. Beim Einrichten habe ich die Apps als Favoriten ausgewählt, die ich häufig benutze. Die werden dann auf dem Homescreen in einer Liste dargestellt. 

Ich liebe das schnöde Design vom Niagara Launcher. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Ich liebe das schnöde Design vom Niagara Launcher. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Weitere Funktionen des Homescreens:

  • Erhalte ich in einer dieser Apps eine Benachrichtigung, wird sie direkt unterhalb davon angezeigt. 
  • Bei Musik-Apps steuere ich die Wiedergabe direkt über den Homescreen.
  • Unten rechts befindet sich der sogenannte »Niagara-Button«. Diesem können zwei Funktionen zugewiesen werden, die mit einem Fingertipp oder der »Nach oben wischen«-Geste ausgelöst werden. Ich rufe damit die DB-App auf, um mein Deutschland-Ticket immer griffbereit zu haben, und meine Authenticator-App für meine 2FA-Codes.

Durch das minimalistische Design und nur die Anzeige der wichtigsten Apps verwende ich mein Handy deutlich bewusster als zuvor. Ich hole es nur aus der Tasche, wenn ich wirklich etwas damit machen möchte und nicht aus reiner Gewohnheit oder Langeweile.

App-Liste à la Desktop-PC: Alle anderen Apps verstecken sich hinter einer alphabetischen Liste auf der rechten Seite. Zum Durchscrollen muss ich nur den Finger über die Liste wischen. Alternativ tippe ich einfach auf einen der Buchstaben und lande direkt bei allen Apps, die mit diesem beginnen. Die Darstellung erinnert mich sehr an das »Alle Programme«-Menü vergangener Windows-Versionen. 

Noch schneller geht es mit der App-Suche. Wische ich auf dem Homescreen ganz nach unten, öffnet sich eine Suchleiste und die Touchscreen-Tastatur. Hierüber finde und öffne ich jede App auf dem Handy. Es ist auch möglich, die Websuche für diese Suchleiste zu aktivieren, was ich jedoch nicht benötigt habe.

Benachrichtungen sind direkt über die App-Liste oder dem Homescreen sichtbar. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Benachrichtungen sind direkt über die App-Liste oder dem Homescreen sichtbar. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Schneller Zugriff auf App-Funktionen: Wische ich mit dem Finger bei einer App auf dem Homescreen oder in der App-Liste nach rechts, kann ich direkt einige der wichtigsten Funktionen nutzen. Ich kann so etwa direkt in einen bestimmten Posteingang in der Mail-App wechseln oder sofort den Videomodus der Kamera starten.

Das reduziert die Bildschirmzeit zwar nur geringfügig, aber jede kleinste Zeitersparnis ist willkommen.

Widget-Stapel: Standardmäßig wird ein Uhren-Widget angezeigt, über das ich auch schnell das heutige Datum und die Außentemperatur einsehen kann. Bei Bedarf lassen sich eigene Widgets als Stapel auf dem Homescreen anzeigen. Wischt man mit dem Finger darüber, wechselt man zwischen ihnen. So bleibt alles schön aufgeräumt und man muss nicht auf Widgets verzichten.

App-Nutzungserinnerung: Für jede App lässt sich eine Nutzungserinnerung einstellen. Dann erinnert mich der Niagara-Launcher alle paar Minuten daran, wie lange ich eine bestimmte App schon nutze. Das hilft mir, die Apps bewusst zu verwenden und nicht die Zeit aus den Augen zu verlieren. Die Nutzungserinnerung erscheint nach 5, 10, 30, 45, 60, 90, 120, 180 und 240 Minuten.

Warum das besser als die in vielen Smartphones integrierte Funktion ist:

Auf den meisten Handys gibt es schon eine ähnliche Funktion, die allerdings etwas radikaler ist. So könnt ihr in den Einstellungen für digitales Wohlbefinden für die Nutzung bestimmter Apps eine tägliche zeitliche Grenze setzen. Wird diese erreicht, schließt sich die App und der Timer wird erst am nächsten Tag zurückgesetzt.

Das Problem dabei ist, dass nicht jede Interaktion auch wirklich sinnlos verschwendete Zeit ist. Es macht einen Unterschied, ob man auf Instagram mit einem Herzensmenschen schreibt oder durch Reels scrollt, weil man gerade nichts Besseres zu tun hat. 

Verschiedene Designs: Ich habe bewusst ein Design ausgewählt, das sehr minimalistisch, aber auch eben etwas langweilig aussieht; es hilft mir, das Handy weniger oft in die Hand zu nehmen. Es gibt allerdings mehr Optionen, falls ihr lieber etwas Farbe bevorzugt – viele davon sind allerdings nur in der Pro-Version der App verfügbar.

Das Aussehen lässt sich über die Einstellungen auf den eigenen Geschmack anpassen. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Das Aussehen lässt sich über die Einstellungen auf den eigenen Geschmack anpassen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Eine Sache nervt mich etwas

Xiaomi-Handys unterstützen die Steuerung über Gesten leider nur mit dem hauseigenen HyperOS-Launcher. Beim Nutzen des Niagara Launchers muss ich die drei Android-Navigationstasten verwenden, von denen ich mich schon seit Jahren verabschiedet hatte. 

Die Navigation über Gesten hat sich über mehrere Jahre bei mir eingebrannt, weshalb die Rückkehr zu dedizierten Navigationstasten etwas ungewohnt für mich war. 

Weniger Doomscrolling und ein bewusster Umgang mit dem digitalen Alltag

Ausgerechnet eine Smartphone-App hat mir geholfen, meine Nutzung im Alltag zu reduzieren. Der Niagara Launcher nimmt mir zwar nicht die Verantwortung ab, aber er erleichtert es mir, das Handy bewusster zu benutzen. 

Wenn ihr eure Bildschirmzeit senken oder einfach ein minimalistisches Design ausprobieren wollt, kann ich euch den Launcher deshalb wärmstens empfehlen. Die Gratisversion reicht für die meisten völlig aus und wer mehr Optionen zur Anpassung möchte, kann für 13 Euro im Jahr abonnieren oder die App für einmalig 40 Euro kaufen.


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Mindestens genauso wichtig war für mich aber ein zweiter Schritt: Die beiden Apps, in denen ich am meisten Zeit verlor, Instagram und Reddit, habe ich komplett vom Handy verbannt. 

Stattdessen nutze ich sie nur noch am Laptop. Das bedeutet: Ich öffne sie nicht mehr aus Gewohnheit oder Langeweile, sondern ganz bewusst, wenn ich wirklich nachsehen will, ob es etwas Neues gibt oder mir jemand geschrieben hat. 

Der Niagara Launcher hat mein Handy dabei nicht magisch in ein Achtsamkeits-Wundergerät verwandelt, aber er hat mir – zusammen mit diesem Auslagern von Instagram und Reddit – gezeigt, wie viel ruhiger sich der digitale Alltag anfühlen kann, wenn man die Reize reduziert. 

Vielleicht ist es bei euch eine andere App oder ein anderer Launcher; wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern der Moment, in dem ihr selbst und bewusst entscheidet und nicht der Algorithmus.

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