Gleich zu Anfang: Eigentlich ist MP3-Player der falsche Begriff für moderne, separate Audioabspielgeräte. Heutzutage sind sie zumeist nämlich unter dem englischen Begriff »DAP« (Digital Audio Player) bekannt.
Die Geräte laufen meist mit Android und sehen aus wie Smartphones – nur ohne Mobilfunknetz, Telefonie oder SMS. Bluetooth und WLAN sind jedoch überwiegend an Bord.
Wer sich nicht in der audiophilen Blase des Internets herumtreibt, wird sich wahrscheinlich wundern, dass es solche Geräte überhaupt noch gibt. Tatsächlich sind sehr viele Modelle von diversen Herstellern erhältlich und selbst Sony vermarktet DAPs auch 2024 noch unter dem Namen »Walkman«.
Während DAPs im Vergleich zu Smartphones eher Nischenprodukte sind, haben sie dennoch eine treue Fangemeinde. Besonders Audiophile schwören auf ihre hochwertigen Bauteile und ihren Klang.
Warum ich auf einen DAP umgestiegen bin
Ich bin Anfang 2023 eher zufällig in den Bereich gestolpert, als Sony zwei neue Walkman-Modelle vorgestellt hat. Ich bin mit dedizierten Audiogeräten aufgewachsen, besitze mehrere Kassetten-Walkmans, Discmans und Minidisc-Player, die ich auch heute noch immer mal wieder benutze. Und natürlich hatte ich irgendwann auch mal einen MP3-Player, damals im USB-Stick-Format.
Ich habe tatsächlich noch immer viel Musik lokal gespeichert und einiges davon gibt es bis heute nicht auf Streaming-Plattformen zu hören. Ich fand die Idee eines dedizierten MP3-Players spannend und habe mir schließlich einen Sony Walkman gekauft.
Den Player habe ich häufig genutzt, schweren Herzens aus einem Grund aber doch gegen ein anderes Modell getauscht: Sony hält sich sehr streng an die EU-Regelung zur Begrenzung der Lautstärke auf 85 Dezibel.
Das ist löblich, aber niemand weiß, mit welchem Referenz-Kopfhörer das Limit eingestellt worden ist – und genau da liegt das Problem. Leicht zu betreibende Kopfhörer erreichen am Walkman eine hohe Lautstärke, leistungshungrige Modelle bringen es gerade einmal auf Zimmerlautstärke. Das genügt dann maximal, wenn es um einen herum sehr ruhig ist.
In Japan und wenigen anderen Ländern gibt es die Sony-Player ohne diese Einschränkung. Meiner hatte sie jedoch und das hat mich ziemlich genervt. Ich habe das Gerät also schweren Herzens verkauft und mich für einen Player von Hiby entschieden. Das Gerät hat keine Einschränkungen bei der Lautstärke und erledigt seinen Job seither ausgezeichnet.
Warum nutzt er nicht einfach sein Smartphone?
Diese Frage stellt fast jeder, mit dem ich über einen solchen Audioplayer spreche. Und ja, natürlich kann ich über das Smartphone wunderbar Musik hören. Ein separates Gerät hat aber durchaus auch Vorteile.
Vorteile eines DAPs: Audioqualität und Fokus
Nehmen wir als Beispiel den Sony-Walkman. Das Gerät kommt ab Werk mit allen möglichen Audioformaten klar, neben FLAC auch mit DSD-, MQA-Dateien und noch deutlich exotischeren. Natürlich lassen sich auch MP3s abspielen, aber Audiofans bevorzugen natürlich unkomprimierte Audioqualität auf solchen Geräten.
Viele DAP-Nutzer möchten zudem in Ruhe Musik hören und dabei nicht von eingehenden Nachrichten oder Benachrichtigungen gestört werden. Es verhält sich vielleicht entfernt so wie mit einem Kindle – denn E-Books könnte man ja auch auf dem Tablet oder Smartphone lesen.
Unser Hörverhalten hat sich dahingehend in den vergangenen Jahren auch deutlich geändert. Musik wird auf dem Handy häufig nebenbei gehört und wird so quasi zum Radio, welches für viele auch ein reines Nebenbeimedium ist.
Hinzukommt, dass viele moderne Smartphones zweckdienlich ausgestattet sind, aber mitunter keinen Anspruch an höchste Audioqualität haben. Bei den DAPs ist genau das der Fall, bei den höherpreisigen nochmals mehr.
Ein DAP ist in erster Linie dafür ausgelegt, Musik in bestmöglicher Qualität abzuspielen. Das bedeutet, dass er mit spezialisierten Bauteilen ausgestattet ist. Viele DAPs nutzen hochwertige Chipsätze, Kopfhörerverstärker und leistungsstarke DACs (Digital-Analog-Wandler). Diese ermöglichen eine präzise Signalverarbeitung und können so den Klang gegenüber einem Handy verbessern.
Die Hersteller integrieren in ihre Audioplayer auch mitunter noch Software-Funktionen zur Klangverbesserung. So können unter anderem Aufnahmen in komprimierter Qualität mithilfe von Algorithmen hochgerechnet werden, sodass sie besser klingen.
Daneben wird Musik lokal und auch von Streaming-Diensten in der Regel bitgenau abgespielt. Das bedeutet, dass die Audiodaten 1:1 von der Quelle auf die Kopfhörer kommen. Das ist auf Smartphones nicht immer der Fall und so können sich Auflösung oder Samplerate unter Umständen systembedingt ändern. Ob man den Unterschied hört, sei dahingestellt, aber die Daten werden eben mitunter verfälscht.
Vergleichbar ist ein DAP mit einer hochwertigen HiFi-Anlage. Natürlich spielt auch eine günstige Kompaktanlage oder ein moderner Bluetooth-Lautsprecher Musik ab. Bei höherwertigen Geräten kann der Klang allerdings nochmals besser sein – ja, vielleicht ist es irgendwann auch ein Placebo-Effekt, aber das ist eine andere Diskussion.
Ein weiterer Vorteil betrifft die Anschlussmöglichkeiten von Kopfhörern. Es lassen sich natürlich Bluetooth-Kopfhörer verbinden, genauso aber auch kabelgebundene Kopfhörer, häufig sogar solche mit einem sogenannten Pentaconn-Anschluss – einem symmetrischen Audiostecker, der für eine bessere Klangqualität sorgen soll.
Vor allem hochwertige HiFi-Kopfhörer kommen immer öfter mit dem 4,4-Millimeter-Stecker. Viele DAPs haben daher neben der 3,5-Millimeter-Buchse auch einen solchen Anschluss. Damit lassen sich die Kopfhörer ohne Adapter oder Kabeltausch direkt am Audioplayer verwenden.
Ebenfalls praktisch: Es gibt oft physische Knöpfe zur Musiksteuerung, einige Geräte besitzen zudem zwei Speicherkarten-Steckplätze für große, lokale Musikbibliotheken.
Es gibt natürlich auch Nachteile
Viele Hersteller setzen als Betriebssystem ein veraltetes Android 12 ein, OS-Updates werden so gut wie nie angeboten. Sony hat das bei seinen letzten beiden, vergleichsweise günstigen, Walkmans getan, bei den vorherigen, deutlich teureren, aus 2022 jedoch nicht - und diese Geräte liegen preislich zwischen 1.400 und 3.600 Euro.
Hinzukommt, dass CPU und RAM meist Mittelklasse-Smartphones von vor mehreren Jahren gleichen. Das Ergebnis: Die Geräte sind bei Weitem nicht so reaktionsschnell wie ein Handy und beim Scrollen oder App-Wechsel kann es mitunter schon einmal ruckeln. Auch die Displays von Smartphones sind häufig deutlich besser und vor allem heller.
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Hochwertige DAPs können schnell über 1.000 Euro kosten – und es gibt auch Modelle, die preislich bei weit über 3.000 Euro liegen. Aber: Es gibt genauso viele günstige Modelle, die bereits für unter 100 Euro zu haben sind.
Ein weiterer Nachteil, den ich bei meinem Sony-Player selbst erlebt habe: Der Wertverlust beim Wiederverkauf kann enorm sein, da die Zielgruppe relativ klein und spezifisch ist.
Das bedeutet, dass der Wiederverkaufswert oftmals deutlich unter dem ursprünglichen Preis liegt – in meinem Fall war es die Hälfte des Neupreises, auch wegen der EU-Lautstärkebegrenzung.
Lohnt sich ein DAP?
Bei all den vermeintlichen Nachteilen, für mich auf jeden Fall! Ich habe meinen DAP liebgewonnen und nutze ihn immer, wenn ich unterwegs bin. Mir gefällt dabei vor allem, dass ich meine Kabel-Kopfhörer ohne externen Dongle verwenden kann, ebenso die lange Akkulaufzeit und die Unabhängigkeit vom Smartphone.
Und tatsächlich höre ich persönlich damit wieder bewusster Musik und auch mal ganze Alben durch, was ich auf dem Smartphone zuvor viele Jahre nicht mehr gemacht habe. Vielleicht ist es auch das nostalgische Gefühl, das mir diese Geräte bieten – die Erinnerung an eine Zeit, in der Musik nicht nur Hintergrundgeräusch war, sondern ein echtes Erlebnis.
Natürlich muss jeder selbst wissen, ob sich für ihn ein DAP lohnt oder aber das Handy völlig ausreicht. Das ist einerseits eine reine Geschmackssache, andererseits kosten die Geräte teilweise viel Geld, das nicht jeder ausgeben möchte oder kann.
Bevor ihr einen DAP wegen der vermeintlich besseren Audioqualität kauft, denkt an einen wichtigen Punkt: Wenn ihr besseren Klang sucht, dann solltet ihr zuerst in hochwertige Kopfhörer investieren. Der Unterschied in der Klangqualität durch bessere Kopfhörer ist deutlich spürbarer als der zwischen einem guten DAP und einem Smartphone.
Habt ihr schon einmal von DAPs gehört oder nutzt ihr vielleicht selbst so einen Audioplayer anstatt eures Smartphones? Teilt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.
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