Ich habe über 20 Bluetooth-Kopfhörer getestet und schon lange hat mich keiner mehr so begeistert wie der Nothing Headphone (1)

Mit dem Headphone (1) bringt Nothing seinen ersten Over-Ear-Bluetooth-Kopfhörer auf den Markt. Mich begeistert das Gesamtpaket, auch wenn es Abzüge in der B-Note gibt.

Nothings neue Over-Ear-Kopfhörer begeistern mich, auch wenn es auch ein paar Abzüge in der Gesamtnote gibt. (Bildquelle: GameStar Tech) Nothings neue Over-Ear-Kopfhörer begeistern mich, auch wenn es auch ein paar Abzüge in der Gesamtnote gibt. (Bildquelle: GameStar Tech)

In den vergangenen Jahren hat der Londoner Hersteller Nothing bereits einige In-Ear-Kopfhörer auf den Markt gebracht, die mich seinerzeit klanglich durchaus begeistern konnten. Mit dem Headphone (1) möchte man sich nun auch im Bereich der Over-Ear-Kopfhörer positionieren – und setzt direkt ein Statement.

Gegenüber den meisten Konkurrenzmodellen, die in der Regel schlicht und unauffällig aussehen, gibt es bei Nothing nämlich ein sehr ausgefallenes Design. 

Ich hatte den Headphone (1) nun einige Wochen im Einsatz und bin (bis auf Ausnahmen) begeistert vom Bluetooth-Kopfhörer. So sehr, dass ich es ein bisschen bereue, mir erst kürzlich neue Over-Ears von Bowers & Wilkens zugelegt zu haben.

Design und Verarbeitung

Die Kopfhörer fallen, typisch Nothing, extravagant aus und wirken schon fast wie ein Requisit aus einem 80er-Jahre-Sci-Fi-Film. Mir gefällt das, denn die meisten Bluetooth-Kopfhörer sehen aus meiner Sicht eher langweilig und austauschbar aus. 

Nothing setzt auf sein vom Smartphone bekanntes, transparentes Design und einen Material-Mix aus Kunststoff und Metall – vor allem bei meinem hellen Exemplar sorgt das für einen hohen Wiedererkennungswert.

Die Akustikkammer in transparenten Kunststoff eingefasst. (Bildquelle: GameStar Tech) Die Akustikkammer in transparenten Kunststoff eingefasst. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die Verarbeitungsqualität ist durchweg gut, kommt aber mit Kompromissen: Das Aluminium an den Ohrmuscheln und der transparente Kunststoff um die Akustikkammer bekommen mit der Zeit unweigerlich Kratzer. Bereits nach einigen Tagen zeigten sich erste Spuren auf dem transparenten Kunststoff – kein Beinbruch, aber man sollte sehr pfleglich mit den Kopfhörern umgehen.

Für mich das größere Manko: Die Ohrpolster und der Kopfbügel aus Kunstleder sind sehr anfällig für Hautöle und Schweiß. Die Rückstände sehen schnell unschön aus und ich muss sie oft abwischen, gerade jetzt im Sommer. Dieses Problem haben mitunter aber auch Konkurrenten – meine Bowers & Wilkens PX8 mit Echtleder jedoch weniger.

Beim Tragekomfort habe ich nichts zu beanstanden. Die 330 Gramm sind gut verteilt, nichts drückt, und ich kann den Kopfhörer problemlos mehrere Stunden tragen. Allerdings ist das natürlich sehr subjektiv und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Zusammenfalten lässt sich der Headphone (1) übrigens nicht, immerhin können aber die Ohrmuscheln eingedreht werden, sodass der Kopfhörer weniger Platz einnimmt. Eine Hardware für den Transport liegt im Lieferumfang bei.

Bedienkonzept

Die Bedienung erfolgt beim Headphone (1) über physische Knöpfe. (Bildquelle: GameStar Tech) Die Bedienung erfolgt beim Headphone (1) über physische Knöpfe. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die Bedienung ist für mich ein echtes Highlight des Kopfhörers. Der Hersteller verzichtet auf Touch-Gesten und setzt stattdessen auf physische Bedienelemente. Als jemand, der Touch-Steuerung bei Kopfhörern generell nicht wirklich mag, kommt mir diese Entscheidung sehr entgegen.

  • Da ist der Roller – ein größerer Knopf, der sich drehen lässt, um die Lautstärke zu ändern. Zusätzlich kann er gedrückt werden, um zwischen ANC-Modi zu wechseln oder die Wiedergabe zu stoppen beziehungsweise fortzusetzen.
  • Das Paddle ist ein Wippschalter zum Skippen von Songs sowie zum Vor- und Zurückspulen.
  • Der separate Pairing-Button macht Tastenkombinationen überflüssig – einfach drücken und verbinden.

Was mir aber fehlt: Eine Schnellaktivierung des Transparenzmodus wie bei Sony, wo man einfach die Hand auf die Ohrmuschel legt.


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Soundqualität

Nothing hat sich für die Soundabstimmung mit KEF zusammengetan – einem etablierten britischen Hersteller, der vor allem für seine Lautsprecher bekannt ist. Verbaut ist ein 40-Millimeter-Treiber mit nickel-plattierter PU-Membran.

Klingt er gut? Ja, aber mit einer Einschränkung: Der Headphone (1) ist nicht extrem detailliert und wird audiophile Hi-Fi-Puristen nicht vom Hocker hauen. Stattdessen besitzt er einen gut abgestimmten Sound mit kraftvollem Bass und präsenten Mitten – ideal für Pop, Rock, Rap und elektronische Musik.

Betreiben lässt sich der Kopfhörer auch via USB-C und 3,5-Millimeter-Audiokabel. (Bildquelle: GameStar Tech) Betreiben lässt sich der Kopfhörer auch via USB-C und 3,5-Millimeter-Audiokabel. (Bildquelle: GameStar Tech)

Für mich hat der Kopfhörer diesen typischen Gefällt-mir-Klang, wie ihn viele Bluetooth-Kopfhörer bieten und der den meisten Nutzern zusagen dürfte. Der Bass ist druckvoll ohne zu übertreiben, die Mitten sind klar und die Höhen beißen selbst auf hoher Lautstärke nicht. Das KEF-Tuning sorgt insgesamt für eine warme Klangcharakteristik.

Konnektivität und Akkulaufzeit

Der Kopfhörer funkt über Bluetooth 5.3. iPhone-Nutzer betreiben ihn über den Apple-typischen AAC-Codec mit guter Klangqualität. Android-Nutzer profitieren von LDAC-Unterstützung – Sonys hochauflösender Codec liefert theoretisch bessere Klangqualität.

Inwiefern die Unterschiede im Alltag zu hören sind, hängt aber von mehreren Faktoren ab:

  • Wie gut ist euer Gehör?
  • Wie gut ist die Audioqualität der wiedergegeben Songs?
  • Befindet ihr euch in Bluetooth-Reichweite anderer Geräte? Hier stuft LDAC die Qualität nämlich zugunsten der Verbindungsqualität herunter.

Betreiben lässt sich der Bluetooth-Kopfhörer allerdings nicht nur drahtlos, sondern auch über ein 3,5-Millimeter-Audiokabel sowie über USB-C. Was es bei ersterer Option jedoch nicht gibt, ist ein passiver Betrieb. Das finde ich schade, denn wenn der Akku mal leer ist, kann ich keine Musik mehr hören. Mittlerweile ist dies jedoch auch bei einigen Konkurrenzmodellen der Fall.

Die Akkulaufzeit ist ordentlich: bis zu 80 Stunden ohne ANC, bis zu 35 Stunden mit aktiviertem Noise Cancelling. In meinem Test musste ich die Kopfhörer nur einmal aufladen.

ANC und Transparenz

Das Active Noise Cancelling arbeitet auf hohen Niveau, ohne an die absoluten Spitzenreiter wie den Sony WH-1000XM6 oder Bose QuietComfort Ultra heranzureichen. Für Alltag, Büro, Bahn oder Café reicht es vollkommen aus, um störende Umgebungsgeräusche effektiv zu unterdrücken.

Der Transparenzmodus funktioniert ordentlich, wirkt aber nicht ganz so natürlich wie bei der Premium-Konkurrenz. Für Durchsagen oder kurze Gespräche ist er dennoch brauchbar.

Nothing X-App

Die Nothing-App bietet viele Einstellungsoptionen für die Kopfhörer. (Bildquelle: GameStar Tech) Die Nothing-App bietet viele Einstellungsoptionen für die Kopfhörer. (Bildquelle: GameStar Tech)

In der Nothing X-App lassen sich diverse Dinge einstellen:

  • Wechsel zwischen ANC ein / aus und Transparenzmodus
  • Bass Enhance-Modus für noch mehr Bass
  • Anpassen der physischen Bedienelemente
  • Equalizer (einfach und erweiterter 8-Band-Equalizer)
  • Modus mit niedriger Latenz – etwa für Gaming
  • Wechsel zwischen LDAC und Standard-Codec
  • Tragerkennung ein- oder ausschalten
  • Räumliches Audio – virtueller Surround-Modus und Headtracking

Ich bin kein großer Fan von virtuellem Surround-Sound, denn für mich klingt er nicht so gut wie ein echter Dolby Atmos-Mix oder eben Stereo-Sound. Ich nutze dieses Feature daher nicht, auch wenn Nothing es ebenso gut umsetzt wie andere Hersteller.

Die Headtracking-Option verwende ich bei meinen AirPods Pro gerne, wenn ich Filme oder Serien gucke. Hier hat man das Gefühl, man trägt gar keine Kopfhörer. Auch bei Nothing klappt das gut, für Musik schalte ich es jedoch immer aus.

Fazit: Starkes Gesamtpaket mit kleinen Schwächen

Wie eingangs erwähnt, bereue ich etwas, mir vor kurzem den Bowers & Wilkens PX8 zugelegt zu haben. Klar, der ist nochmals etwas besser im Hinblick auf den Klang und die eingesetzten Materialien – er sieht aber nicht so cool aus wie der Headphone (1). Zudem finde ich die physischen Bedienelemente bei Nothing gelungener.

Stünde ich aktuell vor dem Kauf eines neuen Bluetooth-Kopfhörers mit einem Budget um 300 Euro – ich würde mir den Nothing Headphone (1) wohl zulegen. Design und Bedienkonzept sind für mich wirklich gelungen und auch beim Sound und ANC habe ich wenig zu beanstanden.

Natürlich muss man Kompromisse eingehen: Wer das beste ANC will, greift zu Sony, Bose oder Apple. Auch der Klang ist dort mitunter eine Spur besser. Aber die Nothing-Kopfhörer haben dafür einfach Charakter.

Die aufgerufenen 300 Euro sind für das Gebotene meiner Meinung nach fair – vor allem im Vergleich zu anderen Top-Modellen. Zudem wird der Preis sicher schon bald etwas sinken.

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