Nvidia RTX 3080: Was hinter den Abstürzen steckt & was ihr tun könnt

Einige Custom-Modelle der Nvidia Geforce RTX 3080 sind von Abstürzen betroffen. Wir verraten euch woran das liegt und was ihr dagegen unternehmen könnt.

von Alexander Köpf,
28.09.2020 10:50 Uhr

Einige Custom-Designs der RTX 3080 sind mit schwachen Kondensatoren bestückt, andere, wie die Asus Rog Strix Geforce RTX 3080 Gaming OC, kommen ausschließlich mit hochwertigen Keramik-Kondensatoren. Einige Custom-Designs der RTX 3080 sind mit schwachen Kondensatoren bestückt, andere, wie die Asus Rog Strix Geforce RTX 3080 Gaming OC, kommen ausschließlich mit hochwertigen Keramik-Kondensatoren.

Erst letzte Woche hatten wir von rätselhaften Abstürzen in Zusammenhang mit den neuen Nvidia Geforce RTX 3080 berichtet. Konkret sollen diverse Custom-Modelle zu sogenannten Crashes to Desktop (CTD) in Spielen führen. In Verdacht stand dabei eine zu hohe Taktrate.

Mittlerweile gibt es erste Erkenntnisse, die vom deutschen Hardware-Experten Igor Wallossek (igor'sLAB) stammen. Demnach ist die Qualität einiger Custom-Modelle schlicht nicht ausreichend für besonders hohe Frequenzen. Ein Hersteller hat dazu mittlerweile Stellung bezogen.

Knackpunkt Kondensatoren

Wer eine RTX 3080 eines Boardpartners von Nvidia besitzt, sollte wenn möglich einen Blick auf die GPU werfen. Bei vielen Modellen ist das sehr leicht, weil die Backplate entsprechend ausgeschnitten ist und man direkt auf die Rückseite der Platine schauen kann.

Im Idealfall sollte das wie auf unserer Asus Rog Strix Geforce RTX 3080 Gaming OC aussehen:

Idealfall Auf der Platine zu sehen sechsmal zehn MLCC-Kondensatoren.

Zoom Die Anordnung der Kondensatoren in der Vergrößerung.

Schematische Zeichnung Rot entspricht einem POSCAP-, grün den MLCC-Kondensatoren. (Bildquelle: igor'sLAB)

Hochwertige MLCC-Kondensatoren: Was ihr auf den Bildern oben (links und in der Mitte) seht, sind sechs Anordnungen von Kondensatoren. Um genau zu sein, handelt es sich dabei um sogenannte MLCC-Kondensatoren, ausgesprochen »Multilayer Ceramic Chip Capacitor«.

Deren Aufgabe ist es, die GPU mit einer möglichst stabilen, glatten Spannung zu versorgen - vereinfacht gesagt. Genau speichern sie Kapazitäten zwischen und gleichen bei Bedarf Unregelmäßigkeiten in der Spannungsversorgung aus. Darum nennt man sie auch Stütz-Kondensatoren.

Günstigere POSCAPs: Auf einigen GPUs sind jedoch keine hochwertigen MLCC-Kondensatoren verbaut, sondern die günstigeren POSCAPs (ebenfalls Kondensatoren). Die glätten die anliegende Spannung zwar ebenfalls, können dies aber nicht so schnell wie ihre MLCC-Pendants, was zu Spannungsspitzen oder Tälern führen kann - Instabilitäten.

GameStar-Test: Die RTX 3080 Founders Edition ist übrigens mit vier POSCAPs und zweimal zehn MLCC-Kondensatoren bestückt. In unserem Test verraten wir euch, wie gut sie im Vergleich zu RTX 2080, Radeon RX 5700 XT und Co. abschneidet:

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Knackpunkt Chip

Nicht nur die Kondensatoren können zu Instabilitäten führen, auch die GPU selbst. So können besonders gute Chips - Stichwort Silicon Lottery (Binning) - mit Schwankungen leichter umgehen, bei anderen hingegen führen beispielsweise zu niedrige Spannungen zu Fehlkalkulationen, die der Nutzer dann als Absturz auf den Desktop erlebt (via igor'sLAB).

Computerteile-Hersteller EVGA hat sich gegenüber Toms Hardware diesbezüglich geäußert:

"Während unserer QC-Tests für die Massenproduktion stellten wir fest, dass eine vollständige Lösung mit 6 POSCAPs die Tests für die realen Anwendungen nicht bestehen kann. Es dauerte fast eine Woche R&D-Anstrengungen, um die Ursache zu finden und die POSCAPs auf 4 zu reduzieren und 20 MLCC-Kondensatoren hinzuzufügen, bevor die Produktionsplatinen ausgeliefert wurden."

Wurden die Chips nicht ausreichend getestet?

Zu wenig Vorlauf? Dazu gibt es im Augenblick noch keine belastbaren Aussagen. Es scheint jedoch einiges darauf hinzudeuten, dass die Boardpartner zu wenig Zeit hatten, um die GPUs eingehend zu testen.

Umtausch? Unklar ist auch, ob entsprechend anfällige Grafikkarten umgetauscht werden oder ob es schlicht eine Anpassung via Videobios-Flash geben wird. Wobei Letzteres plausibler erscheint, gerade weil Hersteller in der Regel nur eine bestimmte Boost-Frequenz garantieren. Und die liegt meist deutlich unter dem, was die Karten letztlich wirklich können.

Was ihr gegen Abstürze tun könnt?

Wenn ihr von dem Problem betroffen seid und nicht auf ein Bios-Update warten wollt, könnte ihr euch auch selbst behelfen. Mit Tools wie beispielsweise dem MSI Afterburner könnt ihr die Taktraten eurer Nvidia-Grafikkarte anpassen.

Wie ihr vorgehen müsst: Klickt dazu auf das Symbol für die Kurvenanpassung im MSI Afterburner (rot eingekreist im Bild unten, hier gehts zum Download).

Wenn ihr wisst, bei welcher Taktrate Abstürze erfolgen, wählt eine niedrigere Taktrate im Kurveneditor. Setzt nun alle darauf folgenden Werte (X-Achse = Spannung, Y-Achse = Taktrate) auf dasselbe Taktniveau. Hierzu könnte ihr mit gedrückter Shift-Taste den Bereich markieren, dann am ersten Punkt »L« drücken und zweimal mit Enter bestätigen. In unserem Beispiel (drittes Bild oben) haben wir 1.980 MHz gewählt.

Nun noch im Hauptmenü auf das Übernehmen-Häkchen drücken und das Profil speichern. Zusätzlich könnt ihr das Windows-Symbol aktivieren, damit die Kurve gleich beim Start des Betriebssystems lädt.

Wollt ihr wissen, ob euer PC überhaupt den Ansprüchen einer RTX 3080 genügt? Lest hierzu unseren Plus-Guide:

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Wieviel Leistung kostet das Heruntertakten?

Nur geringe Einbußen: Das Prozedere wird etwas Performance kosten, allerdings fallen die Einbußen in der Regel sehr gering aus. Im Bereich von einem oder allerhöchstens zwei Prozent, wenn überhaupt. In Spielen dürftet ihr die Unterschiede meist nicht einmal messen können - das hängt aber vom einzelnen Chip ab.

Es ist auch möglich, den Takt zu reduzieren und dabei gar keine Performance zu verlieren. Die Rede ist von »Undervolting«. Hier könnt ihr unter Umständen sogar noch Performance herausholen und gleichzeitig Energie sparen respektive die GPU kühler halten. Einen ausführlichen GameStar-Plus-Guide hierzu reichen wir in diesen Tagen nach.

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