Seit Jahren wächst in Europa der politische Druck, Abhängigkeiten von US-amerikanischen Cloud-Plattformen zu reduzieren.
Mit »Office EU« hat sich im März 2026 ein neuer Kandidat positioniert – und verspricht einen Gegenentwurf zu Microsoft 365 oder Google Workspace. Gemeint ist eine vollständige Produktivitätssuite, deren Daten ausschließlich in der EU verbleiben.
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Hinter dem Dienst steckt EUfforic Europe B.V., ein niederländisches Unternehmen mit Sitz in Den Haag, das erst im November 2025 gegründet wurde.
Office EU richtet sich eigenen Angaben zufolge an drei Zielgruppen. Diese teilen sich in kleine und mittelständische Unternehmen, NGOs sowie Privatpersonen und Familien auf – oder anders gesagt alle, die eine Alternative zu den US-Diensten suchen, ohne eigene Serverinfrastruktur betreiben zu müssen.
Warum Europa eigene Lösungen baut
Das Kernproblem ist der US-amerikanische »CLOUD Act« – dabei handelt es sich um ein Gesetz aus dem Jahr 2018, das US-Behörden erlaubt, auf Daten zuzugreifen, die von US-Konzernen verwaltet werden.
Das gilt auch dann, wenn die Daten auf Servern in Frankfurt oder Dublin liegen. Microsoft und Google unterliegen diesem Gesetz – und standardisierte Datenschutzvereinbarungen lösen diesen Konflikt nach Ansicht mehrerer europäischer Datenschutzbehörden nicht vollständig auf.
Office EU antwortet darauf mit einem technisch einfachen Ansatz: Alle Daten werden ausschließlich in Hetzner-Rechenzentren im finnischen Tuusula gespeichert.
- Die Kerntechnologie – »Nextcloud Hub« der deutschen Nextcloud GmbH – ist quelloffen und seit Jahren im Unternehmensumfeld erprobt.
- Für die Dokumentbearbeitung im Browser setzt der Dienst auf »Collabora Online«, einen LibreOffice-basierten Editor, der .docx-, .xlsx- und .pptx-Dateien verarbeitet.
Office EU: Sieben Apps unter einem Dach
Der Office-EU-Dienst bündelt insgesamt sieben Anwendungen, die ihr so oder so ähnlich von den gängigen US-Lösungen kennt.
- »EU Drive« übernimmt den Cloud-Speicher, »EU Docs« die Textverarbeitung mit Echtzeit-Kollaboration und .docx-Kompatibilität, »EU Spreadsheet« die Tabellenkalkulation (.xlsx), »EU Presentation« die Foliengestaltung mit Vorlagen (.pptx).
- Dazu kommen »EU Email« (verschlüsselter, werbefreier Posteingang), »EU Calendar« (Terminverwaltung mit Einladungsfunktion) sowie »EU Talk« – Videotelefonie inklusive Bildschirmfreigabe und Aufzeichnungsoption.
Beim Thema Kompatibilität ist allerdings noch nicht alles ganz reibungslos: Bei komplexen Excel-Modellen mit Makros oder aufwändig formatierten PowerPoint-Decks können laut EUfforic Europe Einschränkungen auftreten – wer auf solche Dateien angewiesen ist, sollte Office EU vorher testen.
Als Workaround nennt das Unternehmen die parallele Nutzung der lokalen Excel-Desktopanwendung mit EU Drive als zentralem Dateispeicher.
- Ein Migrationspfad von Microsoft 365 und Google Workspace ist ebenfalls vorgesehen: E-Mails, Kalender und Dateien sollen importierbar sein.
- Im Hintergrund läuft die Migration über den Dienst »Audriga«; beide Plattformen lassen sich parallel betreiben, bis der Wechsel abgeschlossen ist.
Desktop- und Mobile-Apps für Office EU sind bereits angekündigt, ein konkreter Zeitplan fehlt allerdings noch. KI-Funktionen sind laut dem ausführlichen FAQ-Bereich ebenfalls geplant; auch hier sind noch keine Details bekannt.
Preis und Verfügbarkeit: Vieles noch offen
Den konkreten Preis für Office EU hat EUfforic Europe bislang nicht kommuniziert. Zumindest erklärt das Unternehmen, dass die Preise kompetitiv ausfallen sollen – was eine grobe Einordnung erlaubt: Microsoft 365 Personal kostet rund zehn Euro im Monat, Google Workspace Starter rund sechs Euro pro Nutzer und Monat.
Aktuell befindet sich Office EU in einer geschlossenen Einladungsphase. Beim offiziellen Start im März 2026 standen bereits über 1.000 Nutzer auf der Warteliste; die breite Verfügbarkeit ist für das zweite Quartal 2026 angekündigt. Wer frühen Zugang möchte, kann sich auf der Webseite »office.eu« in die Warteliste eintragen.
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