Die Ames-Fenster-Illusion: Warum euer Hirn bei dieser optischen Täuschung komplett versagt

Das passiert, wenn Kugelschreiber auf ein erweitertes Microsoft Windows-Logo trifft: Das Gehirn kommt nicht mehr mit.

Das Windows-Logo von Microsoft hat mit der Illusion nichts am Hut. Es sieht nur zufällig so aus. (Bild: TMvectorart, BillionPhotos.com, Hosaen - adobe.stock.com) Das Windows-Logo von Microsoft hat mit der Illusion nichts am Hut. Es sieht nur zufällig so aus. (Bild: TMvectorart, BillionPhotos.com, Hosaen - adobe.stock.com)

Optische Täuschungen gibt es viele, etwa die sich drehende Ballerina. Für die einen dreht sie sich mit dem Uhrzeigersinn, für die anderen gegen den Uhrzeigersinn. Es gibt allerdings eine optische Täuschung, die unserem Gehirn etwas vorgaukelt, das physikalisch gar nicht möglich ist.

Die sogenannte Ames-Fenster-Illusion zeigt ein sich drehenden Trapez (das an das Windows-Logo von Microsoft erinnert), in das ein Stift geheftet wird. Was dann passiert, solltet ihr besser mit eigenen Augen sehen.

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Unser Gehirn zeigt uns, dass der Stift durch das Fensterkreuz »glitcht«, obwohl das physikalisch unmöglich ist.

Darum versagt unser Hirn bei dieser Täuschung komplett 

Wir wissen, dass ein fester Gegenstand nicht durch einen anderen »hindurchgleiten« kann. Wieso unser Gehirn das trotzdem glaubt, erklärt sich so:

  • Unser Gehirn interpretiert das Trapez als Rechteck, wie eine Reihe an Fenstern, die aufgrund der Perspektive nach hinten kleiner werden.
  • Unser Gehirn ist daran gewöhnt, dass Objekte, die sich weiter weg befinden, kleiner erscheinen. Das Ames-Fenster ist allerdings verzerrt. Das führt in unserem Gehirn zu einer Falscheinschätzung, weil wir glauben, dass die kleineren Fenster weiter weg sind.

Komplettiert wird die Illusion durch die Rotation des Fensters – und hierdurch gehen wir der Fehlannahme auf den Leim, der Stift gleite durch das Fensterkreuz hindurch.

  • Dreht sich das Fenster, erwartet unser Gehirn, dass es sich einmal um 360 Grad um sich selbst dreht. Doch weil das trapezförmige Design beide Enden ähnlich erscheinen lässt, wirkt es, als würde sich das Fenster hin- und herdrehen, statt eine volle Drehung zu machen.
  • Steckt man einen Stift durch das Fenster, kommt unser Gehirn nicht mehr mit. Der Stift scheint sich unmöglich zu bewegen, denn er dreht sich um sich selbst, während das Trapez sich von links nach rechts zu drehen scheint. 

Warum fällt unser Gehirn darauf herein?

Im Grunde lässt sich die Erklärung auf einen einfachen Nenner herunterbrechen: Unser Gehirn ist auf bestimmte Interpretationen trainiert und erwartet, dass sie auf eine feste Art und Weise funktionieren.

Die Ames-Fenster-Illusion bricht mit diesen Erwartungen.

  • Unser Gehirn interpretiert die Form des Ames-Fensters als rechteckig, weil wir gewohnt sind, dass Fenster rechteckig (oder quadratisch) sind.
  • Infolgedessen ignoriert das Gehirn die Verzerrung durch das Trapez und versucht stattdessen, eine sinnvolle 3D-Struktur daraus zu machen, indem es uns suggeriert: »Die kleinen Fenster sind weiter weg als die größeren«.
  • Hinzu kommt eine automatische Bewegungserwartung: Wir erwarten, dass sich Objekte konsistent drehen. Wenn das nicht geschieht, korrigiert unser Gehirn die Wahrnehmung »falsch«. Das Ergebnis: Der Stift gleitet durch das Fenster.

Eine ähnliche optische Täuschung ist die eingangs erwähnte, sich um sich selbst drehende Ballerina.

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Woher stammt diese optische Täuschung?

Entwickelt wurde die Ames-Fenster-Illusion vom US-amerikanischen Wissenschaftler Adelbert Ames Jr. Er war spezialisiert auf Optik, Wahrnehmung und Psychologie. Mehr zu seiner Person könnt ihr im Lexikon der Psychologie nachlesen.

Ames bekannteste optische Täuschung ist der Ames-Raum. Durch einen verzerrten Raum erscheinen Menschen unterschiedlich groß. Das kennen viele von euch vermutlich vor allem durch »Der Herr der Ringe«.

Um Hobbits und Zwerge kleiner erscheinen zu lassen, wurde während den Dreharbeiten mit der sogenannten »Forced Perspektive« (deutsch: erzwungene Perspektive) gearbeitet – und die beruht auf dem Ames-Raum.

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Die Ames-Fenster-Illusion zeigt uns, wie stark unser Gehirn auf bekannte Muster und Erwartungen angewiesen ist – und wie leicht es dadurch in die Irre geführt werden kann. Selbst wenn man sich konzentriert, kann sich das Gehirn keinen Reim auf die optische Täuschung machen.

Ach ja: Das Windows-Logo von Microsoft hat wohl keine Verbindung zur Illusion. Das scheint reiner Zufall zu sein.

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