Forscher finden bisher unbekannte Farbe, bei der wir direkt an einen der berühmtesten Fantasy-Autoren denken müssen

Nur eine Farbe und doch etwas ganz Besonderes. Denn jenseits unserer Wahrnehmung verbirgt sich weit mehr als wir sehen können. Moderne Technik kann uns aber ganz neue Welten eröffnen – wortwörtlich.

Das menschliche Auge kann einiges, aber unser Sehvermögen beschränkt sich dennoch auf einen relativ kleinen Teil des Lichtspektrums. Mit Magie oder Technik lässt sich das ändern.
(Bildquelle: Matthew Ball und Ivonne Lecou über Unsplash) Das menschliche Auge kann einiges, aber unser Sehvermögen beschränkt sich dennoch auf einen relativ kleinen Teil des Lichtspektrums. Mit Magie oder Technik lässt sich das ändern. (Bildquelle: Matthew Ball und Ivonne Lecou über Unsplash)

Farben dominieren unser Sehen, aus einem hochkomplexen Zusammenspiel von Augen und Gehirn wird für uns die sichtbare Welt. Forscher haben dieser beeindruckenden, aber dennoch eingeschränkten Wahrnehmung nun eine neue Farbe hinzugefügt, ihr habt sie garantiert noch nicht gesehen – höchstens von einem Fantasy-Autor beschrieben bekommen.

Wir stellen euch die wissenschaftliche Entdeckung vor, die sich absichtlich ins Reich der Fantastik wagt.

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Farbe der Magie durch Technik

Ein Forscherteam der University of California, Berkeley und der University of Washington stellen in einem Paper ein neues System vor, dass das menschliche Sehvermögen erweitert. Sie haben einen neuen Farbton sichtbar gemacht, den sie als blau-grün mit beispielloser Sättigung beschreiben. In seiner Intensität soll die Farbe alles übertreffen, was die Probanden bis dahin buchstäblich gesehen haben.

Um dies zu ermöglichen, überlistet das Team unser Auge. Wir nehmen alle uns bekannten Farben nämlich mittels dreier Arten von Zapfen wahr: S (kurze, also blaue Wellenlängen), M (mittlere Wellenlängen, grün) und L (lange Wellen, rötliche). Im Normalfall überlappen sich ihre Abtastspektren aber, soll heißen: Nie reagieren nur S, M oder L, sondern immer mindestens zwei Varianten auf einmal.

Mit Lasern schafft das Team der zwei Unis aber, die M-Zapfen isoliert zu stimulieren. Das Resultat ist die neue Farbe, OlO genannt. Das steht für 010 - oder keine Reaktion bei L- und S-Rezeptoren, aber volle Aktivität bei M-Zapfen.

Die Forschenden selbst haben das System hinter OlO Oz genannt – eine Anspielung auf die Smaragdstadt aus Der Zauberer von Oz. Sie erscheint in dem Spielfilm in einem prächtigen Grünton, der die Forscher augenscheinlich an die von ihnen beschriebene Farbe erinnert.

Uns erinnert die Farbe aber eher an die für normale Lebewesen (außer Katzen) unsichtbare Farbe Oktarin aus Terry Pratchett Scheibenwelt. Nur Magisch-Begabte nehmen sie dort wahr. Sie ist die achte Farbe des Spektrums in der von ihm erdachten Welt und gilt als Farbe der Magie oder auch als Pigment der Vorstellungskraft. Sie entsteht durch Interaktion vom Sonnenlicht mit dem magischen Feld – also in gewisser Weise ein ähnlicher Effekt wie unsere Polarlichter (Sonnenauswurf und Erdmagnetfeld).

Pratchett gehört zu den meistgelesenen Fantasy-Autoren überhaupt. Seine Scheibenwelt-Romane verkauften sich rund 80 Millionen mal und wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Sie erschienen zwischen 1983 und 2015 - insgesamt 41 Stück.

Bisher nur Forschung – und dann noch ganz Anfang

Aktuell zeigt sich das Oz-System aber nur beschränkt nutzbar. So können die Probanden nicht direkt hineinschauen, sondern können die bisher unsichtbare Farbe nur im Peripheren sehen, also ganz am Rande des Blickfeldes. Zudem muss zuvor die Netzhaut jedes einzelnen Nutzers detailliert kartiert und in Echtzeit beobachtet werden, nur so können die M-Zapfen korrekt mit den Spezialfasern angestrahlt werden.

Ferner arbeitet die Technik mit Lasern, die sich keinesfalls einfach in Alltagsgeräte einbauen ließen. Also vorerst müssen wir Hightech-Brillen für erweitertes Farbsehen leider eine Absage erteilen.

Praktische Anwendungsmöglichkeiten existieren aber auch jenseits der obigen Einschränkung kaum. Dennoch erhoffen sich Forscher, das in Zukunft zu ändern. Die Technik könne in der medizinischen Forschung in den kommenden Jahrzehnten Einzug halten.

Hier mag sie helfen, Augenerkrankungen besser zu verstehen oder mehr über Abweichungen von der Norm menschlichen Sehvermögens zu simulieren.

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