PC oder Konsole? Schreibtisch oder Sofa? Monitor oder Fernseher?
Egal. Mit dem zukünftigen Release der Steam Machine erhalten viele Spieler und Spielerinnen eine Antwort auf diese drei Fragen.
Der kleine PC wird sich wie das Steam Deck vollständig mit dem Controller steuern und bedienen lassen wie eine Konsole. Noch dazu ist er für einen Gaming-PC bemerkenswert kompakt.
Wer sich nicht wirklich für die Valve-Hardware interessiert, könnte trotzdem von der Steam Machine profitieren: Gaming auf Linux-Systemen wird erwachsen.
Ihr müsst zum Beispiel nicht auf den Release der Steam Machine warten und könnt euch entweder selbst eine bauen oder, wenn euch der kompakte Formfaktor wichtig ist, einen Mini-PC in eine solche Pseudo-PC-Konsole verwandeln.
Ich habe das mit einem Modell mit vielversprechender Radeon-890M-GPU ausprobiert und verrate euch, ob sich das schon lohnt.
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- CPU: AMD Ryzen AI 9 HX 470 (in diesem Artikel) / AMD Ryzen AI HX 370
- GPU: AMD Radeon 890M
- RAM: 32 GB DDR5-5600 SO-DIMM (Zwei Slots, aber ab Werk im Single-Channel-Betrieb)
- SSD: 2 TB 2280 NVMe (PCIe 4.0), 1x 2230-Slot PCIe 4.0 frei
- OS: Windows 11 Pro
- Anschlüsse: 2 x HDMI 2.1, 2 x USB 4.0 Typ-C, 4 x USB 3.2 Gen2 Typ-A, 2 x RJ45 2,5 Gbit/s, 1 x 3,5mm Klinke, 1 x Kensington-Schloss, 1 x SD-Kartenleser 4.0, 1 x DC-in
- Konnektivität: Wi-Fi 7, Bluetooth 5.4
- Maße: 135 mm × 132 mm × 46,9 mm
- Preis: ab 1.400 Euro (Stand Mai 2026 für Version mit HX 370)
Das Setup: So wird aus dem Mini-PC eine Konsole
Auf dem Geekom A9 Max ist standardmäßig die Pro-Version von Windows 11 vorinstalliert. Da ich aus dem Ding eine Pseudo-Steam-Machine machen will, sollte noch BazziteOS installiert werden. Das ist eine Linux-Distribution, die SteamOS sehr stark ähnelt und für Gaming ausgelegt ist.
Das echte SteamOS ist leider noch nicht bereit für den generellen Desktop-Einsatz und offiziell nur mit einigen Handhelds kompatibel.
Obwohl ich ein großer Fan von BazziteOS bin – ich habe es aktuell auf meinem großen Gaming-PC und auf einigen Handhelds installiert – kann ich nicht abstreiten, dass es nützlich sein kann, einen PC mit Windows-Betriebssystem zu haben. Einige Spiele laufen eben nur auf Windows.
Ferner steht der Xbox-Vollbildmodus für alle Desktop-PCs vor der Tür, der aktuell im Windows-Insider-Programm ausgerollt wird – Microsofts Antwort auf den Gaming-Modus von SteamOS. Es kann sich also lohnen, beide Betriebssysteme zu haben.
Meine Lösung: Dual-Boot
Mit Dual-Boot betreibt ihr einen PC mit zwei Betriebssystemen, die gleichzeitig installiert sind; ihr benötigt nicht einmal zwingend zwei SSDs. Beim Start wählt ihr einfach aus, welches der beiden hochgefahren werden soll. In meinem Fall Windows 11 Pro oder BazziteOS.
Die Einrichtung ist unkompliziert und deutlich einfacher, als man vermuten mag. Da ich die intern verbaute 2-TB-SSD für beide Betriebssysteme nutzen wollte, musste sie zuerst in zwei Partitionen aufgeteilt werden. Ihr könnt dafür Apps wie etwa den kostenlosen IM-Magic Partition Resizer verwenden oder, wie ich, einfach das Windows-Tool »Festplattenpartitionen erstellen und formatieren« verwenden.
- Gebt ins Suchfeld von Windows »Festplattenpartitionen erstellen und formatieren« ein und öffnet die App.
- Macht einen Rechtsklick auf die große Windows-Partition (C:) und wählt »Volume verkleinern«.
- Wählt aus, wie viel Speicher für die Linux-Partition reserviert werden soll.
Natürlich benötigt eure C-Partition genügend freien, unbeschriebenen Speicherplatz, damit überhaupt Platz für eine andere Partition reserviert werden kann.
Anschließend musste ich nur noch BazziteOS mit einem USB-Stick auf dem freien Speicher installieren. Dafür sind nur wenige Schritte nötig:
- Passendes Bazzite-Image von der Webseite herunterladen.
- Das Image auf einen USB-Stick flashen: ich habe dafür Balena Etcher verwendet.
- Vom USB-Stick booten: Davor muss »Secure-Boot« im UEFI-Menü des PCs deaktiviert werden. Es kann später wieder aktiviert werden.
- Installationsanweisungen folgen und als Speicherort den freien Speicher auswählen.
Nach wenigen Minuten war ich fertig und wurde vom Steam-Login-Bildschirm begrüßt; fertig ist die Mini-Steam-Machine, die bei Bedarf auch Windows 11 Pro starten kann.
Wie ist der kleine PC in der Praxis?
Wer sich für einen Mini-PC wie diesen entscheidet, etwa um ihn unauffällig unter dem Fernseher zu platzieren, entscheidet sich auch immer dafür, Kompromisse einzugehen – vor allem bei der Leistung.
Gaming-Leistung
Im Geekom A9 Max ist dieselbe GPU verbaut, die auch in aktuellen Gaming-Handhelds wie dem Asus ROG Xbox Ally X oder dem Lenovo Legion Go 2 zum Einsatz kommt. Allerdings darf sich der Mini-PC mit einer TDP von 54 Watt etwas mehr Leistung gönnen; das klingt erstmal vielversprechend.
Bevor wir zu den Zahlen kommen, gibt es eine wichtige Einschränkung, die das gesamte Testergebnis beeinflusst: Geekom liefert den A9 Max mit einem einzelnen 32-GB-RAM-Riegel aus. Das bedeutet, das System läuft ab Werk im Single-Channel-Modus.
Für eine integrierte Grafikeinheit wie die Radeon 890M ist das alles andere als optimal. APUs haben keinen eigenen Grafikspeicher, sondern teilen sich die Bandbreite des normalen Arbeitsspeichers. Steht hier durch den Single-Channel-Betrieb nur die halbe Bandbreite zur Verfügung, wird die GPU spürbar ausgebremst.
Meine Erfahrung spiegelt also die Performance wider, die ihr direkt nach dem Auspacken bekommt. Wer einen zweiten Riegel für Dual-Channel nachrüstet, dürfte noch ein gutes Stück mehr Leistung herausholen.
Für die Benchmarks habe ich die Einstellungen gewählt, die man realistisch gesehen mit diesem Mini-PC wählen würde, um auf mindestens 30 FPS zu kommen.
Gaming-Benchmarks in 1080p
- Durchschnittliche FPS
- 0
- 16
- 32
- 48
- 64
- 80
Machen wir uns nichts vor: Wenn man die nackten Zahlen sieht, ist das für einen Anschaffungspreis von mindestens 1.400 Euro (für die Version mit AMD Ryzen AI 9 HX 370) eine herbe Enttäuschung. Während ein klassischer Gaming-PC für dieses Geld aktuelle AAA-Titel in 1440p mit maximalen Details auf den Bildschirm zaubert, müsst ihr hier bei modernen Grafikkrachern teilweise um stabile 40 FPS auf der niedrigsten Detailstufe kämpfen – und das oft nur mit hochgedrehtem Upscaling (FSR).
Konsolen-Feeling abseits der Leistung
Das Beste an dem PC ist, wie sehr er sich in der Bedienung wie eine echte Steam Machine anfühlt (auch wenn ich mir mehr von der Leistung versprochen habe).
- Der PC ist winzig: Unter meinem Fernseher verschwindet er fast vollständig und so passt er in jede Wohnzimmer-Landschaft oder auf jeden Schreibtisch. Man kann ihn so auch einfach zu jeder LAN-Party mitnehmen.
- Controller-Steuerung: BazziteOS startet direkt in den Gaming-Modus von Steam und lässt sich vollständig mit dem Controller bedienen. Die Erfahrung gleicht einem Steam Deck, das man per Docking-Station am Fernseher betreibt. Mein Controller, der Victrix Pro BFG, weckt den PC sogar auf.
- Schneller Standby: Genau wie beim Steam Deck oder der Nintendo Switch lässt sich der PC jederzeit in den Standby-Modus schalten, um später exakt an dieser Stelle weiterzuspielen. Das Starten dauert auch nur wenige Sekunden.
Inzwischen sind die meisten Steam-Spiele auf Linux lauffähig, und es wird immer besser. Ein kleines Detail, das ich zudem ganz praktisch finde, sind die vier USB-Anschlüsse an der Vorderseite. So zeigen die USB-Dongles der verbundenen Peripherie-Geräte nach vorn und haben einen besseren Empfang.
Lüfter und Lautstärke
Damit der kleine PC beim Spielen kühl bleibt, muss Luft mit hohen Drehzahlen bewegt werden und das hört man. Ich sitze etwa vier Meter vom TV entfernt und der Geekom A9 Max ist unter Volllast deutlich hörbar, wenn man mit niedriger Lautstärke spielt.
Dafür bleibt der PC schön kühl und beim Spielen pendelt sich die Temperatur zwischen 60 und 70 Grad Celsius ein; es kommt zu keiner Drosselung der Leistung.
Dual-Boot in der Praxis
Auf Windows spiele ich gerne mal eine Runde DJ Max Respect V, ein Rhythmusspiel, das nicht mit Linux kompatibel ist.
Zum Wechseln fahre ich den PC herunter und starte ihn neu. Beim Hochfahren tippe ich wiederholt auf die F7-Taste der verbundenen Funktastatur, um den Boot-Manager zu starten (ohne das Drücken von F7 startet der PC immer BazziteOS. Im UEFI-Menü lässt sich das bei Bedarf ändern).
Dort wähle ich die Windows-Partition aus und nach wenigen Sekunden begrüßt mich der Login-Bildschirm von Windows 11 .
Um die Bedienung mit Windows zu vereinfachen, habe ich immer eine Tastatur mit eingebautem Trackpad im Wohnzimmer, die gelegentlich auch unter BazziteOS praktisch sein kann.
Ein großer Vorteil dieser Dual-Boot-Konfiguration ist natürlich die hohe Flexibilität gegenüber einem System mit nur einem einzigen Betriebssystem.
- Ihr könnt alle Spiele starten, die mit Windows kompatibel sind oder etwa den Xbox Game Pass nutzen.
- Windows könnte zum Arbeiten herhalten (mit Apps, die nur auf Windows verfügbar sind) und die BazziteOS-Partition für Gaming.
- Dank des AMD Ryzen AI 9 HX 470 (86 TOPS KI-Leistung) und der hohen Menge an RAM eignet sich der Geekom A9 Max auch für das Ausführen von lokalen KI-Modellen; das habe ich aber noch nicht selbst getestet.
Zukunftssicherheit und mögliche Upgrades
Wer sich für einen Mini-PC entscheidet, muss auch auf bestimmte Upgrades verzichten. Ihr könnt zum Beispiel nicht die CPU oder die GPU aufrüsten.
Beim Speicher und RAM habt ihr Optionen:
- Es existiert ein freier Slot für eine 2230-SSD.
- Per USB-4 lassen sich schnelle externe SSDs anschließen.
- Es sind zwei RAM-Slots für DDR5-SO-DIMM verbaut.
Und hier solltet ihr im Idealfall direkt nach dem Kauf ansetzen: Wie oben erwähnt, nutzt Geekom die laut Webseite vorhandene »Dual-Channel-Fähigkeit« ab Werk gar nicht aus.
Um die Bandbreiten-Bremse der Radeon 890M zu lösen, müsst ihr entweder einen zweiten 32-GB-Riegel dazu kaufen oder das vorhandene Modul komplett gegen ein Kit aus zwei 16-GB-Riegeln austauschen. Das kostet extra Geld, das man bei diesem Anschaffungspreis eigentlich nicht mehr investieren sollte.
Mini-PC als Steam-Machine-Alternative: In der Theorie möglich
Mein Experiment zeigt vor allem eins: Der Traum von einer eigenen, winzigen Steam Machine im Wohnzimmer funktioniert schon heute und man muss nicht einmal auf offizielle Hardware warten oder Kenntnisse mit Selbstbau-PCs haben.
Wer ein konsolenähnliches Erlebnis im Miniformat sucht, für den sind aktuelle Mini-PCs eine unkomplizierte Basis. Zusammen mit einem Linux-System wie BazziteOS verwandelt ihr den kleinen Kasten ruckzuck in eine eigene PC-Konsole. Die Vorteile:
- Der Formfaktor: Der PC ist winzig, verschwindet unauffällig unter dem Fernseher und lässt sich problemlos mitnehmen.
- Die Flexibilität: Durch das Dual-Boot-System habt ihr beim Starten jederzeit die freie Wahl.
- Der Komfort: Ihr kauft ein sofort einsatzbereites System und habt im Fall der Fälle drei Jahre normalen Herstellersupport, ohne selbst Komponenten abstimmen zu müssen.
Ihr zahlt für den Formfaktor, nicht für die FPS
Wer sich ein solches System ins Wohnzimmer stellt, muss sich im Klaren darüber sein: Ihr zahlt hier fast ausschließlich für den winzigen Formfaktor, absolut nicht für die FPS. Wenn ihr auf die winzigen Maße verzichten könnt, bekommt ihr im Eigenbau ein System, das diesen Mini-PC in Sachen Gaming-Performance regelrecht deklassiert.
Dass die ohnehin limitierte Hardware ab Werk durch den Single-Channel-RAM weiter eingeschränkt wird, macht die bittere Pille nicht leichter schluckbar. Für anspruchsvolle Spieler und Spielerinnen ist das Gerät zu diesem Preis schlicht die falsche Wahl.
Ein Winzling-PC, wie der Geekom A9 Max, ist eher »auch zum Spielen geeignet« und kein vollwertiger Ersatz für einen richtigen Gaming-PC oder Konsole.
Mehr zur neuen Steam Machine von Valve: Steam Machine Preis, Release, Hardware, Vergleich mit PS5 und Xbox: Alles, was zu Valves Mini-PC bekannt ist – und was nicht
Das große Ganze: Was heute möglich ist
Was mich an diesem Experiment trotzdem begeistert hat, ist das große Ganze. Es ist beeindruckend, was heute mit extrem wenig Aufwand machbar ist. Die Linux-Kompatibilität beim Gaming ist so gut wie nie zuvor – Valves Vorarbeit für das Steam Deck sei Dank. Ihr müsst kein IT-Experte – oder Expertin sein, um so ein Betriebssystem-Experiment erfolgreich aufzusetzen.
Am Ende zeigt die Dual-Boot-Konfiguration, dass man sich gar nicht mehr zwischen PC und Konsole entscheiden muss. Ihr bekommt das bequeme, controller-optimierte Konsolen-Feeling für den Feierabend auf der Couch, verliert aber nicht die Vorteile von Windows für den Xbox Game Pass oder Spiele, die unter Linux einfach nicht laufen.
Ein PC mit zwei Betriebssystemen ist heute eine pragmatische Hybrid-Lösung – und so winzig wie dieser, muss er ja nicht unbedingt sein.


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