Was ihr arbeitet, ist wichtig. Aber wahrscheinlich solltet ihr in Zukunft irgendwas davon unterlassen. Ein Konzept aus den höchsten Etagen des Managements von Billionen-Unternehmen wie Apple und Amazon lehrt uns, wie wir mehr schaffen – insbesondere in Führungsfunktionen.
Das »Nur-Du-Prinzip«
Um mehr zu schaffen, müsst ihr weniger arbeiten. Das mag kontraintuitiv anmuten, entspricht aber dem Kredo von Top-CEOs wie Tim Cook von Apple oder Jeff Bezos von Amazon.
Produktivität entsteht nicht durch Mehr-Arbeit, sondern durch radikales Weglassen oder Delegieren. Eine Führungskraft soll nach dem »Nur-Du-Prinzip« nur das machen, was wirklich nur sie erledigen kann. Alles andere entfällt oder landet auf dem Schreibtisch von jemand anderem (via inc.com).
Als Erfinder des Nur-Du-Prinzips gilt der Informatiker Edsger W. Dijkstra. Er hatte es in den frühen 2000ern als Ratschlag für einen Nachwuchswissenschaftler ausformuliert.
Das bringt das »Nur-Du-Prinzip«
Bei konsequenter Umsetzung des Kredos arbeiten alle effizienter und setzen eigene Energie, Zeit und Ressourcen möglichst optimal ein.
Bei Unternehmen wie Amazon und Apple mit abertausenden Angestellten gibt es für so ein Vorgehen kaum eine Alternative. Starke Strukturen unterhalb der Führungsspitze sind ein Muss.
So trifft Tim Cook als CEO bei Apple keine Designentscheidungen, das obliegt Experten unter ihm. Er benennt seine Kernaufgaben sinngemäß so: Umgebe dich mit brillanten Köpfen, ersinne kluge Strategien und sorge dafür, dass alle voll dabei mitziehen, sie umzusetzen. Bezos delegiert auf ähnliche Weise und konzentriert sich auf wenige zentrale Entscheidungen pro Tag.
Begleitend hierzu ersann der Amazonchef folgende Regel: Jedes Team sollte mit zwei großen Pizzen satt zubekommen sein. Hierdurch hält er die einzelnen Einheiten in seinen Unternehmen wie Amazon oder Blue Origin möglichst agil.
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So setzt ihr das »Nur-Du-Prinzip« ein
Ihr macht als Führungskraft möglichst nur das, was nur ihr könnt – und das Team glänzt beim Rest. Folgende Leitfragen solltet ihr demnach für alles beantworten, was anfällt:
- Kann nur ich das machen?
- Ja: Die Aufgabe bleibt bei euch. Ihr konzentriert euch darauf.
- Nein: Die Aufgabe sollte delegiert oder rundweg hinterfragt werden.
- Delegieren: Sucht die bestmögliche Person und gebt ihr alle nötigen Ressourcen und Unterstützung. Aber legt auch fest: Bis wann muss ein Ergebnis vorliegen und wer muss davon wissen?
- Weglassen: Streicht die Aufgabe nach gründlicher Prüfung komplett.
Natürlich schwankt der Grad der Umsetzbarkeit des Kredos je nach Umgebung und Struktur stark. Dennoch lässt es sich gedanklich übertragen – selbst ins Familienleben:
- Als Eltern läge es beispielsweise nahe zu fragen: Was sollten Kinder wann selbst können? Wie kann ich sie früh an einfache Tätigkeiten heranführen?
- Als Einzel-Selbstständiger bleibt die Frage, nach Sinnhaftigkeit eines Steuerberaters oder nach Chancen, Dinge an eine KI auszulagern.
- Als Handwerksmeister und Chef bietet es sich vielleicht an, frühzeitig erfahrene Gesellen im Büro einzubinden.
- Als Mitglied eines Teams mit flacher Hierarchie könnt ihr euch mitunter stärker spezialisieren.
Die exakte Ausgestaltung liegt bei euch, aber letztendlich gilt: Jeder Handschlag, den ihr weniger macht, während jemand anders ihn mindestens genauso gut hinbekommt, stellt einen Erfolg dar.
Was kann schiefgehen? Egal, ob bei Amazon, Apple oder bei euch im Unternehmen besteht natürlich die Gefahr von Chaos.
Wenn Entscheidungen verteilt in unterschiedlichsten Händen liegen, muss allzeit klar sein: Wer erledigt, bis wann was. Deshalb betont Fachliteratur die Bedeutung von klar verteilter Verantwortung und regelmäßigen, prägnanten Berichten von unten nach oben.

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