Top-Smartphones versuchen Handy und Kamera in einem zu sein und genau das ist ihre größte Schwäche

Für so viel Geld gibt es Alternativen, die nicht nur bessere Kamera-Hardware bieten, sondern oft sogar weniger kosten.

Kamera oder Handy? Warum nicht beides? (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech, Panasonic) Kamera oder Handy? Warum nicht beides? (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech, Panasonic)

2.000 Euro für ein Handy: es ist noch immer befremdlich für mich, dass diese Aussage gleichzeitig auf mehrere Geräte zutreffen kann. In diesem Fall spreche ich vom bald erscheinenden Vivo X300 Ultra – ein Handy, das selbst mich als leidenschaftlichen Fotografen beeindruckt.

Nicht selten ist einer der Hauptgründe für ein so teures Handy das Kamerasystem. Wenn ihr euch auch dazu zählt und bereit seid, so viel Geld auszugeben, dann solltet ihr unbedingt eine Alternative kennen.

Diese bietet nämlich oft mehr für weniger Geld: ein Handy der Mittelklasse plus eine dedizierte Systemkamera.

Duy Linh Dinh
Duy Linh Dinh

Linh fotografiert schon seit er denken kann, aber seine erste »richtige« Kamera war die Sony Alpha 65. Er erinnert sich noch sehr daran, wie er einen Sommer lang viel zu viel gearbeitet hat, nur um sich dann die Kamera endlich leisten zu können – allerdings ohne Objektiv. Dafür hat das Geld nicht mehr gereicht. »Das Objektiv kaufe ich mir dann nächsten Monat!«, antwortete er damals dem netten Mann hinter der Ladentheke.

Der nette Mann vom Fotoladen schenkte ihm aus Mitgefühl ein günstiges Kit-Objektiv. Und so startete eine Leidenschaft, die ihn für immer begleiten wird. Für dieses kleine Plastikobjektiv wird er für immer dankbar sein.

Bis heute hat er unzählige Kameras und Objektive ausprobiert. Von DSLRs, spiegellosen Systemkameras, Edelkompakten bis hin zur analogen Fotografie mit eigener Dunkelkammer (das Badezimmer).

In all dieser Zeit hat er nicht nur viel über die Fotografie und deren Technik gelernt, sondern vor allem, was ihm bei einer Kamera am wichtigsten ist.


Selbst Top-Smartphones bleiben immer ein Kompromiss

Wenn es eine Sache gibt, die bei Smartphones von Jahr zu Jahr wirklich besser wird, dann ist es das Kamerasystem.

Inzwischen gibt es apochromatische Objektive, echte Zooms und große Bildsensoren. Eines wird sich jedoch nie ändern: sie sind immer ein Kompromiss.

Mit Kamera-Hardware verhält es sich ähnlich wie bei Laptops und ausgewachsenen Gaming-PCs: Laptops werden immer besser, doch in puncto Leistung müssen Kompromisse gemacht werden, um eine anständige Kühlung, einen angemessenen Stromverbrauch und die Lüftergeräusche niedrig zu halten. So ähnlich verhält sich das auch bei Kameras in Handys.

Selbst ein 2.000-Euro-Handy, wie das neue Vivo X300 Ultra, steckt voller kleiner Kompromisse:

  • Es sind zwar drei relativ große Bildsensoren verbaut, aber keiner von ihnen ist auch nur ansatzweise so groß wie der einer Systemkamera; dafür reicht der Platz einfach nicht (grob erklärt: je größer ein Bildsensor, desto besser die Bildqualität).
  • Die Blendenöffnungen lassen sich nicht einstellen, wodurch ihr weniger Spielraum für das Kontrollieren der Schärfentiefe habt.
  • Physische Auslöser und Bedienelemente sind äußert selten und eher die Ausnahme (wie etwa Sony Xperia 1 VI oder iPhone 17)
  • und mehr.

Für viele, die so viel Geld für ein Handy ausgeben wollen, lohnt sich daher der Blick zu einem Gerät, das diese Kompromisse nicht machen muss: eine echte Kamera.


Mittelklasse-Smartphone und Systemkamera: Da kommt kein Smartphone heran

Für den Preis eines Vivo X300 Ultra bekommt ihr auch schon ein sehr ordentliches Mittelklasse-Smartphone und eine Kamera, an die kein Handy von heute heranreicht.

Wenn euer Ziel also das Schießen von schönen Fotos ist, dann ist das die deutlich bessere Option als der Kauf eines Top-Smartphones.

Hier sind einige Beispiele:

Die Lifestyle-Kombo

Panasonic Lumix S9 mit 18-40-mm-Kit für 1.200 Euro: Die Panasonic Lumix S9 ist eine kompakte Vollformatkamera. Der Bildsensor ist mit 36 × 24 mm gigantisch im Vergleich zu den Bildsensoren in Smartphones. Ohne Objektiv findet ihr die Kamera schon für unter 1.000 Euro, aber das 18-40-mm-Kit-Objektiv ist den Aufpreis wert.

Es bietet einen ordentlichen Ultraweitwinkel bis hin zu einer Normalperspektive und ist wie die Kamera schön kompakt. Mit dieser Kombination nehmt ihr Fotos und Videos auf, denen Handys noch für viele Jahre nicht das Wasser reichen werden.

Das Vollformat war vor einigen Jahren noch sündhaft teuren und sperrigen Profi-Kameras vorbehalten. Inzwischen findet ihr so große Bildsensoren auch in kleinen Lifestyle-Kameras, wie der Panasonic S9. (Bildquelle: Panasonic) Das Vollformat war vor einigen Jahren noch sündhaft teuren und sperrigen Profi-Kameras vorbehalten. Inzwischen findet ihr so große Bildsensoren auch in kleinen Lifestyle-Kameras, wie der Panasonic S9. (Bildquelle: Panasonic)

Nothing Phone 4a für 350 Euro: Das Nothing Phone 4a ist erst frisch auf dem Markt und bietet eine grundsolide Ausstattung, gekoppelt mit dem einzigartigen Look, für den die Produkte von Nothing bekannt sind. 

Obwohl das Handy vergleichsweise günstig ist, verfügt es dennoch über ein vielseitiges Kamerasystem inklusive Periskop-Tele. Solltet ihr die Panasonic Lumix S9 mal nicht dabei haben, ist dieses Handy dennoch bereit für jeglichen Schnappschuss. 

Dieses Handy sticht vor allem durch sein außergewöhnliches Design hervor. (Bildquelle: Marinus MartinGameStar Tech) Dieses Handy sticht vor allem durch sein außergewöhnliches Design hervor. (Bildquelle: Marinus Martin/GameStar Tech)

Gesamtpreis: etwa 1.550 Euro. Das ist günstiger als ein iPhone 17 Pro Max mit 512 GB (UVP von 1.700 Euro). Natürlich kommt zur Kamera noch der Preis einer Speicherkarte hinzu, aber selbst dann kommt ihr günstiger weg. 

Panasonic Lumix S9
Kompaktes Vollformat
Panasonic Lumix S9
1200 €
Nothing Phone 4a
Mit einzigartigem Design
Nothing Phone 4a
350 €

»It’s not a trick, it’s a Sony«

Sony Alpha 6400 mit 16-50-mm-Kit für 800 Euro: Diese Kamera hat zwar inzwischen sieben Jahre auf dem Buckel, aber überzeugt noch heute mit hoher Bildqualität und einem modernen Design. Der eingebaute Sucher hebt eure Fotografie-Erfahrung auf ein neues Level und für Sony-Kameras gibt es inzwischen unzählige Objektive, falls ihr später tiefer ins Thema eintauchen wollt.

Die Sony Alpha 6400 ist ein echtes Multifunktionswerkzeug unter den Kameras. (Bildquelle: Sony) Die Sony Alpha 6400 ist ein echtes Multifunktionswerkzeug unter den Kameras. (Bildquelle: Sony)

Sony Xperia 10 VII für 450 Euro: Wenn eure Kamera schon für Fotos zuständig ist, dann ist das Sony Xperia 10 VII eine tolle Ergänzung zum Musikhören. Anders als viele andere Geräte, hat dieses noch einen 3,5-mm-Klinkenanschluss und sehr gute Stereolautsprecher. Hinzu kommt eine exzellente Akkulaufzeit. 

Video starten 7:52 Sony Xperia 10 VII im Schnellcheck

Gesamtpreis: 1.250 Euro. Für gerade einmal den Preis einer Pansonic Lumix S9 bekommt ihr gleich zwei solide Geräte von Sony: die Kamera für Fotos und Videos und das Handy für alles andere (und Musik). 


Zoom! Ganz ohne iPhone Pro Max

Canon PowerShot SX740 HS für 586 Euro: Diese Kamera hat zwar einen sehr kleinen Bildsensor und deswegen wird sie beim Thema Bildqualität nicht an die vorigen zwei heranreichen, aber dafür hat sie ein Feature, das weder von Handys noch von großen Systemkameras geboten wird: ein Objektiv mit 40-fachem optischen Zoom. 

Viele greifen heutzutage zu einem teuren Handy, wie dem iPhone 17 Pro Max, weil sie eben auch an entfernte Motive heranzoomen möchten. Sie erreichen so hohe Zoomstufen, wie etwa 40x, allerdings nur über digitale Vergrößerungen, was mit Qualitätseinbußen verbunden ist. 

Mit dieser Kamera ist ein High-End-Handy nicht notwendig; selbst der Mond scheint gar nicht so weit weg zu sein.

In dieser kleinen Kompaktkamera steckt ein beeindruckender 40x-Zoom. (Bildquelle: Canon) In dieser kleinen Kompaktkamera steckt ein beeindruckender 40x-Zoom. (Bildquelle: Canon)

iPhone Air für 880 Euro: Einer der größten Nachteile des dünnen iPhones ist die Tatsache, dass nur eine einzige Kamera verbaut ist; das kann euch egal sein, wenn ihr in der anderen Hosentasche die SX740 HS habt. So erfreut ihr euch an einem Handy mit schneller Leistung, tollem Display und einem Design, das aus der Zukunft stammen könnte. 

Das iPhone Air hat zwar nur eine Kamera, aber das sollte euch in Verbindung mit der Canon nicht stören. (Bildquelle: Patrick SchneiderGameStar Tech) Das iPhone Air hat zwar nur eine Kamera, aber das sollte euch in Verbindung mit der Canon nicht stören. (Bildquelle: Patrick Schneider/GameStar Tech)

Gesamtpreis: 1.443 Euro. Diese Kombination passt gut zu euch, wenn euer Haupt-Kaufgrund für ein teures Handy der bessere Zoom ist. Hier erhaltet ihr eine Kompaktkamera, die weiter zoomt als jedes Handy (und fast jede Systemkamera) und ein Handy, das technisch nicht weit von anderen High-End-Handys entfernt ist. 


Passend zum Thema:


Für wen sich High-End-Handys trotzdem lohnen

Diese drei Beispiele sind meine persönlichen Empfehlungen, sollte die Fotografie im Vordergrund stehen. 

Doch egal wie gut Smartphones werden, sie sind eben nicht nur Kameras, sondern auch Multifunktionsgeräte.

Nicht jeder und jede will immer mit zwei Geräten gleichzeitig unterwegs sein. Das kann lästig und umständlich sein. Außerdem kann es vorkommen, dass ihr den ein oder anderen Moment verpasst, weil ihr vorher noch extra eure Kamera aus der Tasche holen müsst – ach ja, Tasche! 

Bis auf die Canon Powershot SX740 HS Lite passen die hier genannten Kameras in keine Hose und das heißt automatisch, dass ihr auch immer eine Tasche bei euch tragen müsst. 

Solltet ihr also gerne fotografieren, euch aber eine dedizierte Kamera zu umständlich sein, dann kann sich der Kauf eines teuren High-End-Smartphones durchaus lohnen. 

Es ist ein Kompromiss – aber kein schlechter. 

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