2025 bringt historischen Rekord bei Investitionen in erneuerbare Energien und bestätigt damit drei Trends für das 21. Jahrhundert

Die Entscheidung ist gefallen. Grüne Energieträger standen 2025 vor einer Bewährung. Zwei Trends haben sich bestätigt – und ein neuer kündet von einem Umbruch globalen Ausmaßes.

China kann auf eine Facette ihres Landes stolz sein: Es ist beim Wettlauf um die Krone bei den erneuerbaren Energien führend. Ein anderes Land hingegen nimmt von der Politik aus quasi nicht mehr teil.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI) China kann auf eine Facette ihres Landes stolz sein: Es ist beim Wettlauf um die Krone bei den erneuerbaren Energien führend. Ein anderes Land hingegen nimmt von der Politik aus quasi nicht mehr teil. (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI)

Die Energieversorgung bleibt ein hochpolitisches Feld. Doch jenseits aller Querelen zeigt sich ein darüberliegender globaler Impuls, der sich zunehmend verfestigt hat – und weiter an Schwung gewinnt.

Nie zuvor floss derart viel Kapital in Projekte für erneuerbare Energien wie in der ersten Jahreshälfte von 2025, rund 386 Milliarden US-Dollar (ca. 334 Milliarden Euro).

Das steht für eine Steigerung von 10 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Das Wachstum fußt vor allem auf globalen Investitionen in kleinere Solaranlagen sowie Windkraft zur See. Größere Projekte leiden an Unsicherheiten und veränderter politischer Lage – wobei ein Markt drastisch negativ heraussticht.

Wir arbeiten für euch drei Trends heraus, die sich dieses Jahr abermals oder erstmals zeigen.

Was zählt exemplarisch eigentlich alles als grüne Energie?
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Generell lässt sich hierunter alles an Verfahren bündeln, die eine bestimmte Form Energieträger nutzen: nachhaltig (regenerativ) und klimaneutral.
Definition für …

  • nachhaltig: Ein Wert, der die Annahme von Verantwortung fordert. Das Ziel dabei lautet, mit Ressourcen so umzugehen, dass zwar die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt werden können, aber ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Das heißt: Die Nutzung des Energieträgers darf nicht die Klimakrise befeuern.
  • klimaneutral: Klimaneutralität beschreibt im Zuge von Energieerzeugung einen Prozess, bei dem unterm Strich keine Treibhausgase zusätzlich in die Atmosphäre abgegeben werden. Dies erreichen wir, indem Emissionen entweder vermieden, reduziert oder durch Kompensationsmaßnahmen (Aufforstung, CO₂-Speicherung) ausgeglichen werden. Letztere Methode öffnet zum einen aber Tür und Tor für Rechentricks und zum anderen erfordert es enormen technischen Aufwand.

Die wichtigsten Arten regenerativer, grüner Energie sind:

  • Sonnenenergie: Fotovoltaik in Form von (inzwischen sogar bewässerten) Solarzellen, aber auch Solarthermie, wobei Licht zur Erhitzung von Salzen konzentriert wird. Hiermit wird zum einen geheizt, aber eben auch Strom erzeugt.
  • Windkraft: Klassische Windräder, entweder On- oder Offshore. In Dänemark dreht sich derzeit das leistungsstärkste und in Brandenburg entsteht momentan die global betrachtet höchste Anlage dieser Art

Sonderfall Gaskraftwerke, die grün erzeugten Wasserstoff verbrennen: In Zukunft sollen auch Meiler, die derzeit (verflüssigtes) Erdgas verfeuern, grün arbeiten.
Der Weg: Wasserstoff, gewonnen aus Wasser durch Solar- oder Windstrom. So wird aus schwer speicherbarer elektrischer Energie ein Träger von chemischer Energie.

Allerdings fordert die Physik ihren Tribut, weshalb solche synthetisch erzeugten Kraftstoffe (E-Fuels aller Art) per Naturgesetz ein Verlustgeschäft sind. Denn bei jeder Energieumwandlung von einer Form in eine andere entsteht Wärme/Licht. Hierdurch entweicht Energie in die Umwelt und ist nicht länger nutzbar.

Deshalb schreiben uns die Naturgesetze eine unüberwindbare Hausaufgabe ins Heft: Wann immer ihr Energie als elektrischen Strom für beispielsweise Motoren, Heizung oder Kühlung nutzen wollt, wandelt ihn vorher so selten wie irgendwie möglich um – am besten nie nach Erzeugung (via ADAC).

Sonderfall Kernfusion: Wasserstoff bzw. Deuterium als eines seiner Isotope oder auch andere leichte Atome müssen hier als Rohstoff herhalten. Doch da die notwendigen Mengen quasi in unerschöpflicher Menge vorliegen und die Stromproduktion klimaneutral abläuft, ließe sich das Verfahren – sobald einmal praktisch umgesetzt – hier einordnen. Es bleibt aber ein Grenzfall.

Video starten 1:03:53 Die neue Stromkrise: Energiewende & KI in Deutschland – Mit Robert Habeck und Dr. Stelzer (IFA 2025)

1. Das dominante Wachstum schreitet fort

In den ersten sechs Monaten des Jahres wuchs die Menge an Elektrizität durch Solar global betrachtet um 31 Prozent, Wind zog um 7,7 Prozent an. Die Grundlage der Analyse stellen monatlich eingegangene Daten von 88 Ländern der Welt dar.

Damit decken sie nach eigenen Angaben einen Großteil des globalen Strommarktes ab. Dabei summierten sich allein die Mengen an Strom erzeugt in China, Indien, der Europäischen Union und den USA zu fast zwei Drittel der weltweiten Gesamtmenge auf – Lebensraum von rund 45 Prozent der Erdbevölkerung, 3,8 Milliarden Menschen.

In Europa schossen die Investitionen sogar um fast zwei Drittel nach oben, also auf rund 166 Prozent des Wertes für die zusammengenommenen ersten zwei Quartale 2024. Vor allem die Offshore-Windkraft hat enorm profitiert.

Ein weiteres Indiz für die angehende realwirtschaftliche Dominanz der erneuerbaren Energien stellt ihr Überflügeln von Kohle dar. Einer Analyse der Energie-Denkfabrik Ember zufolge haben die neuen Erzeuger 2025 erstmals kombiniert weltweit mehr Strom erzeugt als Kohlekraftwerke.

Ember sieht zusammenfassend in der aktuellen Entwicklung unser Abbiegen an einer wichtigen wirtschaftshistorischen Kreuzung: Der Höhepunkt unserer Nutzung fossiler Energien ist nahe, wie nah bleibt offen, aber er ist absehbar. Denn ein globales Umdenken hat eindeutig eingesetzt.

Auch in Europa stellen sich tiefgreifende Veränderungen ein, zum Beispiel in Spanien. Ihre Abschaltung aller Kohlekraftwerke demonstriert ihre Entschlossenheit, aber solche langfristig wirkenden Aktionen zeichnen nur eine Hälfte des Bildes.

Für die andere Hälfte braucht es die Vereinigten Staaten von Amerika – oder vielmehr ihr Unvermögen.

2. Die USA würgen ihren Aufstieg als grüne Macht ab

Die Zahlen belegen eindeutig Thesen der Experten, die einen großangelegten Abzug von Kapital aus den USA in Richtung Europa sehen – hier vor allem zur Offshore-Windindustrie. Das Klima, für das die Trump-Administration sorgt, verscheucht Investoren.

Viele, die entweder aus Überzeugung oder für sie klar erkennbaren Profitpräferenzen auf grüne Technologie setzen wollen, haben verstanden: Die Politik der Vereinigten Staaten setzt auf Kohle, Öl und Gas. Diesen Branchen entgegenstehende finanzielle Förderungen endeten abrupt, nachdem Trump ins Weiße Haus eingezogen war.

Jüngst untergrub Trump in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen gar einmal wieder den Konsens der Forscher zum menschengemachten Klimawandel.

Wen überrascht es da, folgende Zahlen zu lesen? Die erste Jahreshälfte 2025 sah gegenüber der zweiten von 2024 einen Abfall von 36 Prozent bei den entsprechenden Investitionen. Das gespiegelte Bild der USA zeigt sich in China. Sie bleiben dominant und bauen ihre Führung sogar noch aus.

3. China: die Energie-Supermacht

Isoliert betrachtet flossen allein rund 44 Prozent aller Investitionen in erneuerbare Energien zum fernöstlichen Land. Das Ergebnis dieses Kapitalflusses liegt auf der Hand: Innerhalb des ersten Halbjahres 2025 baute China mehr Kapazität bei Solar- und Windanlagen hinzu, wie die restliche Welt zusammen.

Gleichzeitig fiel der Anteil der fossilen Energien aber nur um rund zwei Prozent – seltsam? Nicht wirklich, denn China braucht schlicht von Jahr zu Jahr diesen extremen Aufwuchs an Energie. Immerhin dürfen wir nicht vergessen, dass Chinas Wirtschaft zwar nicht mehr so rasant wächst wie noch in den vergangenen Jahrzehnten, aber allein die Hightechindustrien machen sich hier bemerkbar: Datenzentren, KI und Cloud-Computing.

Aus diesem Grund kann China schlicht nicht einfach etliche Öl-, Kohle- und Gaskraftwerke vom Netz nehmen. Sie brauchen den Großteil der neuen grünen Erzeuger, um dem Mehrbedarf nachzukommen. Gleiches gilt qualitativ auch für Indien: Fossile runter, erneuerbare alternativlos hoch (via Bloomberg und Ember).

Meinung der Redaktion

Gerald Weßel: Stellen wir uns doch bitte der Realität – und damit meine ich nicht der Klimakrise und unserer fleißigen Zuarbeit. Ich beziehe mich einzig und allein auf die ökonomischen Faktoren. Die Welt hat längst entschieden, das zeigen Zahlen wie die obigen.

Mit ungebrochener Deutlichkeit, aber zunehmender Vehemenz demonstrieren die wirtschaftlich am kräftigsten wachsenden Nationen der Erde, wo die Zukunft der Energieversorgung liegt: allen voran bei Sonne und Wind.

Ja, ich höre die Einwände: Kernfusion. Ich bin sicher, eines Tages werden wir Strom aus der Fusion von leichten Atomkernen gewinnen. Aber wie weit dieser hoffentlich glorreiche und friedliche Tag der Menschheitsgeschichte in der Zukunft liegt, steht auch 2025 weiterhin in den Sternen.

Bis dahin führt kein Weg an schon heutzutage bestens nachhaltig erntbaren Energieträgern wie Sonnenlicht, Wind und Wasser vorbei.

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