Von Mainz nach Augsburg auf dem Ochsenkarren: Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat eine interaktive Karte entwickelt, die das gesamte Straßennetz des Römischen Reiches abbildet.
Die ist nicht nur die bis jetzt genaueste ihrer Art: Ihr könnt die Karte auch selbst im Internet ausprobieren.
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Das antike Straßennetz ist dreimal so lang wie gedacht
Wer häufiger auf GameStar unterwegs ist, hört hier nicht zum ersten Mal von einer interaktiven Karte des Römischen Straßennetzes: OmnesViae ist ein Hobbyprojekt, das das antike Straßennetz basierend auf einer mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte aus dem Jahr 300 rekonstruiert.
Das Problem: OmnesViae umfasst nur die großen Hauptstraßen und verbindet einzelne Orte geradlinig. Und genau hier kommt Itiner-e ins Spiel.
Das Projekt Itiner-e basiert auf einer wissenschaftlichen Studie, die von einem internationalen Forschungsteam gemacht und im Magazin Scientific Data veröffentlicht wurde. Dafür haben die Wissenschaftler mehrere Daten in die Erstellung aufgenommen:
- Geografische Realität: Die Routen sind an die realen topografischen Gegebenheiten angepasst. Um beispielsweise Berge zu überqueren, folgen die Straßen kurvenreichen Pässen.
- Zeitliche Abdeckung: Das rekonstruierte Straßennetz bildet die geografische Ausdehnung des Römischen Reiches um das Jahr 150 n. Chr. ab und umfasst Straßen, die von der frühesten römischen Via Appia 312 v. Chr. bis etwa 400 n. Chr. genutzt wurden.
- Nicht nur die Hauptstraßen: Die Karte umfasst nicht nur Hauptstraßen (
viae publicae
), sondern auch Nebenstraßen. - Die tatsächliche Länge: Allein die Nebenstraßen machen mit 195.693,3 Kilometern etwa zwei Drittel des gesamten erfassten Netzes aus.
Das Ergebnis: Die bisher akkurateste Karte des Römischen Reiches misst das antike Straßennetz auf eine Gesamtlänge von fast 300.000 Kilometern – gut dreimal so lang wie bisher angenommen. Die Forscher betonen dabei die wissenschaftliche Transparenz: Die exakte Lage der Straßen ist nur zu rund drei Prozent gesichert, der Rest basiert auf wissenschaftlich fundierten Annahmen.
Von Mogontiacum nach Augusta Vindelicum – wahlweise auf dem Esel oder mit dem Ochsenkarren
Auf itiner-e.org findet ihr das Ergebnis des Projekts als interaktive Karte, die ihr wie einen Routenplaner verwenden könnt. Und auf so einem Google Maps der Antike seid ihr natürlich nicht mit dem Auto und den Öffis, sondern mit zeitgemäßen Gefährten unterwegs.
Der Routenplaner zeigt euch die Dauer der Reise für verschiedene antike Transportmittel an:
- zu Fuß
- auf dem Ochsenkarren
- auf dem Esel oder
- auf dem Pferd
So erfahrt ihr zum Beispiel, dass ihr auf der rund 340 Kilometer langen antiken Route zwischen Mainz (Mogontiacum) und Augsburg (Augusta Vindelicum) zu Fuß gerade einmal sportliche 84 Stunden braucht – mit dem Ochsenkarren schon ganze 169.
Wer sich von Augsburg an eine Alpenüberquerung machen möchte, braucht für eine etwa genauso lange Strecke nach Trient (Tridentum) schon ganze 202 Stunden auf dem Ochsenkarren.
Hätte Hannibal damals itinier-e gehabt, er hätte sich vielleicht den ein oder anderen Elefanten gespart.
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