Leser-Check von Gabriel Rauter: Löst die 9100 PRO meine WD SN850X ab? – Ein Leistungs-Duell unter Linux und Windows
Diesen Sommer habe ich mein System runderneuert, weil mein alter Ryzen 7 2700X langsam ins Schnaufen kam – gerade was die Minimum-FPS anbelangte. Da meine bessere Hälfte sowieso ein Upgrade brauchte, wechselte ich direkt auf AM5: AMD Ryzen 7 9800X3D zusammen mit einem MSI MAG B850 TOMAHAWK MAX WIFI.
Mein Setup: Der Alltags- und Gaming-Rechner
Meine alte Samsung SSD 970 EVO Plus 2 TB hatte ständig Platzmangel. Ich liebäugelte zwar mit der 9100 PRO und ihrer verlockenden PCIe 5.0-Geschwindigkeit, aber die WD SN850X war gerade im Angebot und wurde bestellt.
Der Unterschied zu meiner 970 EVO war deutlich spürbar. Trotzdem quälte mich der Gedanke: Hätte ich mit der 9100 PRO nicht doch eine bessere, zukunftssichere Wahl getroffen? Schließlich unterstützt mein neues Mainboard den neuen Standard.
Hier gibt's die neue Samsung 9100 PRONun brauche ich mich dank des Leserchecks nicht mehr zu quälen. Ich kann es kurzerhand selbst ausprobieren und die zentrale Frage klären: Lohnt sich der Sprung auf PCIe 5.0 in der Praxis?
Dabei möchte ich die Leistung nicht nur auf meinem Hauptsystem mit Arch Linux sehen, sondern auch, wie sich die SSDs unter Windows schlagen. Dieser plattformübergreifende Vergleich soll die entscheidenden Erkenntnisse liefern.
Wie bereits beschrieben, dient mein neuer Gaming-PC als Prüfungsplattform, die sicherstellt, dass die SSDs ihre volle Leistung entfalten können.
Als Herzstück dient der AMD Ryzen 7 9800X3D, der auf einem MSI MAG B850 TOMAHAWK MAX WIFI Mainboard sitzt. Dazu kommen 32 GB Corsair DDR5-RAM mit einer Taktung von 6000 MHz.
Als Grafikkarte verwende ich eine SAPPHIRE NITRO+ AMD Radeon™ RX 6750 XT GAMING OC 12 GB. Sie ist das einzige Teil aus meinem alten System, leistet aber aktuell noch gute Arbeit für meine Gaming-Auflösung (3440x1440). Das System ist so konfiguriert, dass die SSDs der klare Flaschenhals sind und nicht die CPU oder der RAM.
Die beiden NVMe-SSDs wurden in den von MSI vorgesehenen Slots installiert, damit sie die jeweils verfügbare PCIe-Geschwindigkeit nutzen können. Das ist entscheidend, da die 9100 PRO den PCIe 5.0 x4 Slot nutzt, während die SN850X noch auf PCIe Gen4 x4 begrenzt ist.
Hier gibt's die neue Samsung 9100 PROArch Linux läuft mit den aktuellsten Paketen: Linux 6.17.1 und Mesa 25.2.4. Windows 11 hat die aktuellen Treiber und Updates installiert.
Die 9100 PRO im Detail: Ein PCIe 5.0-Kraftpaket
Die 9100 PRO ist eine M.2-SSD im gängigen 2280-Format, die für die neue PCIe 5.0 Schnittstelle ausgelegt ist.
Die 9100 PRO nutzt Controller- und Flash-Technologie, die sequentielle Raten von bis zu 14.800 MB/s bzw. 13.400 MB/s ermöglichen soll. Das sind theoretische Werte, die die WD SN850X (PCIe 4.0) deutlich hinter sich lassen. Der versprochene Leistungssprung der PCIe 5.0-Generation ist der Hauptgrund für diesen Check.
Bootzeiten – Wo die Performance an Grenzen stößt
Einer der ersten Alltagsprüfungen ist für mich immer das Hochfahren des Systems. Unter Linux kann man diese Zeiten sehr genau messen und so feststellen, welchen Einfluss die SSD beim Laden des Kernels und des Userspace hat. Ich habe beide SSDs zehnmal gebootet und die Mittelwerte verglichen.
Linux-Boot im direkten Vergleich: Die SSD ist selten der limitierende Faktor
Das Ergebnis ist wenig aufregend: Im Gesamtergebnis sind beide SSDs praktisch gleich schnell. Die 9100 PRO ist mit 23,727 Sekunden zwar minimal schneller als die SN850X (23,746 Sekunden), der Unterschied ist jedoch vernachlässigbar und liegt im Bereich der Messtoleranz.
| Komponente | 9100 PRO (Mittelwert) | WD SN850X (Mittelwert) |
| Gesamt | 23,727 s | 23,746 s |
| Firmware | 15,435 s | 15,411 s |
| Kernel | 2,714 s | 2,668 s |
| Userspace | 2,560 s | 2,615 s |
Warum das Ergebnis so knapp ist
Das knappe Resultat liegt vor allem am Startprozess selbst. Die Messung zeigt, dass das Laden der Firmware (UEFI) mit rund 15,5 Sekunden den größten Teil der Zeit beansprucht. Diese Zeit wird nicht durch die Schnittstellengeschwindigkeit (PCIe 4.0 oder 5.0) beeinflusst. Die Firmware ist hier der primäre Engpass.
Die SSD kommt erst zum Tragen, wenn das Betriebssystem von der Platte geladen wird (Kernel, Initrd, Userspace).
Hier gibt's die neue Samsung 9100 PROHier sehen wir, dass die 9100 PRO den Userspace geringfügig schneller lädt. Dies lässt vermuten, dass die SSD ihre Stärken im Bereich kleinerer, zufälliger Zugriffe (Random Read), die beim Laden des Betriebssystems anfallen, leicht besser ausspielt.
Ein Upgrade auf die 9100 PRO ist allein aufgrund der gemessenen Bootzeiten nicht sinnvoll. Die Performance wird hier durch die Hardware-Initialisierung begrenzt.
FIO-Benchmark – Gaming-Workload im Detail (Dauerlast)
Nach den Alltagsmessungen betrachten wir nun den simulierten Gaming-Workload. Ich habe hierfür den Flexible I/O Tester (FIO) mit einem Profil verwendet, das das zufällige Lesen von Daten in verschiedenen Blockgrößen (4k bis 64k) simuliert, wie es beim Nachladen von Leveln oder Texturen in Spielen typisch ist.
Die Dauerlast-Ergebnisse zeigen, wie gut jede SSD mit der Königsdisziplin, dem Random Read, umgeht.
Gesamtergebnisse: Random Read im Betriebssystem-Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen des Gaming-Workloads zusammen, aufgeschlüsselt nach Betriebssystem und Dateisystem:
| SSD vs. Dateisystem | Bandwidth (MiB/s) | IOPS (k) | Worst-Case Latenz (99,99. Perz. s) | CPU-Last (Mittelwert) |
| 9100 PRO (Ext4) | 2.935 | 751 | 155 | 11 % |
| 9100 PRO (Btrfs No CoW) | 2.755 | 705 | 163 | 10 % |
| 9100 PRO (Btrfs CoW, compress-force:3) | 2.703 | 692 | 155 | 10 % |
| 9100 PRO (NTFS) | 2.180 | 558 | 135 | 9 % |
| SN850X (Ext4) | 2.027 | 519 | 334 | 10 % |
| SN850X (Btrfs No CoW) | 1.924 | 493 | 318 | 9 % |
| SN850X (Btrfs CoW, compress-force:3) | 1.892 | 484 | 318 | 9 % |
| SN850X (NTFS) | 1.713 | 438 | 188 | 8 % |
Die niedrige CPU-Last (8–11 %) bestätigt, dass die CPU nicht der limitierende Faktor war. Auffällig ist, dass die 9100 PRO eine marginal höhere CPU-Last erzeugt (ca. 1-2 Prozentpunkte). Das ist ein Indiz für effizientere Hardware: Die SSD liefert die Daten so schnell, dass die CPU mehr Arbeit hat, diesen höheren I/O-Durchsatz zu verarbeiten. Die Messungen zeigen also reine SSD-Performance.
Thermik unter Dauerlast: Ein überraschender Vorteil der 9100 PRO
Auffällig während der Dauerlast-Benchmarks (FIO) war das Temperaturverhalten der beiden SSDs. Trotz der höheren Leistung und der Nutzung der schnelleren PCIe 5.0-Schnittstelle blieb die 9100 PRO merklich kühler als die SN850X.
Da die hitzebedingte Leistungsdrosselung (Thermal Throttling) die Worst-Case-Latenz negativ beeinflussen kann, liefert die bessere Temperaturkontrolle der 9100 PRO (wahrscheinlich durch einen effizienteren Controller oder eine bessere Firmware-Abstimmung) einen zusätzlichen Beitrag zur beobachteten Konsistenz in der Performance und den niedrigeren Latenzspitzen. Das ist ein Pluspunkt für alle, die ihre SSDs über längere Zeit stark beanspruchen.
Hier gibt's die neue Samsung 9100 PROFIO-Analyse unter Linux: Die Vorteile von PCIe 5.0 werden sichtbar
Unter Linux mit Ext4 zeigt die 9100 PRO ihre Stärke am deutlichsten.
- Ext4-Durchsatz: Auf Ext4 erreicht die 9100 PRO mit 2.935 MiB/s den höchsten Durchsatz im Check. Das ist ein Leistungszuwachs von beachtlichen 45 % gegenüber der SN850X (2.027 MiB/s) auf demselben Dateisystem.
- Btrfs vs. Ext4: Der Btrfs-Overhead ist messbar, aber die 9100 PRO bleibt stets schneller als die SN850X.
- Latenz-Vorteil: Die Worst-Case-Latenz ist der wichtigste Wert für ein stabiles Gaming-Erlebnis. Hier zeigt sich ein massiver Unterschied: Die 9100 PRO hält die Latenzspitzen bei etwa 155-163 μs, während die SN850X auf über 318 μs steigt. Die PCIe 5.0-SSD liefert somit eine deutlich konsistentere Performance unter hoher Last.
Das Gaming-Szenario unter Windows: NTFS im direkten Duell
Auf Windows 11 mit NTFS zeigen sich ähnliche Tendenzen, wenn auch auf niedrigerem Bandbreiten-Niveau.
- Latenz-Sieg: Die 9100 PRO liegt mit 135 μs im Worst-Case-Bereich vorn. Im Vergleich zur SN850X (188 μs) ist sie rund 28 % reaktionsschneller unter Last.
- Bandbreiten-Vorteil: Auch im Durchsatz liefert die 9100 PRO mit 2.180 MiB/s eine höhere Performance ab. Das ist ein Sprung von 27 % gegenüber der SN850X (1.713 MiB/s).
- OS-Vergleich: Die Bandbreite der 9100 PRO ist unter Windows NTFS (2.180 MiB/s) merklich niedriger als unter Linux Ext4 (2.935 MiB/s). Das deutet darauf hin, dass das Linux-I/O-Subsystem den PCIe 5.0-Controller effizienter auslastet.
Fazit Random Read (Dauerlast): Die 9100 PRO überzeugt in allen Konfigurationen und bietet einen entscheidenden Vorteil in der Konsistenz der Performance durch niedrige Latenzspitzen.
Ladezeiten – Von synthetisch zu real
Um zu messen, wie schnell Spiele tatsächlich geladen werden, habe ich zwei Szenarien geprüft: Eine synthetische 16 GiB Lastsimulation mit FIO und einen realen Benchmark von Final Fantasy XIV: Dawntrail.
FIO-Ladecheck – Die synthetische Startzeit
Der FIO-Check simuliert einen einzigen, großen Ladevorgang von 16 GiB an zufälligen, kleinen 4K-Blöcken. Gemessen wird die Zeit (in Sekunden), die zur Komplettierung benötigt wird.
| Dateisystem | 9100 PRO (Ladezeit) | SN850X (Ladezeit) | 9100 PRO schneller |
| Ext4 | 5,59 s | 8,09 s | 44,8 % |
| Btrfs (No CoW) | 5,87 s | 9,38 s | 59,7 % |
| Btrfs (CoW, compress-force:3) | 5,97 s | 11,76 s | 97,0 % |
| NTFS (Windows) | 8,33 s | 10,22 s | 22,7 % |
Hier zeigt die 9100 PRO ihren stärksten Vorsprung. Insbesondere unter Btrfs (CoW, compress-force:3) halbiert sie die Ladezeit der SN850X fast, was darauf hindeutet, dass die PCIe 5.0-Architektur den durch das Dateisystem verursachten Overhead extrem effizient ausgleicht.
Hier gibt's die neue Samsung 9100 PRORealer Benchmark: Final Fantasy XIV: Dawntrail
Der FFXIV-Benchmark ist eine realitätsnahe Messung, die die Gesamtzeit der Ladebildschirme zwischen den einzelnen Spielsequenzen summiert. Der Benchmark unter Linux wurde über Lutris und GE-Proton 10-10 ausgeführt.
| Betriebssystem & FS | 9100 PRO (Gesamtzeit) | SN850X (Gesamtzeit) | 9100 PRO schneller |
| Windows NTFS | 6,29 s | 6,431 s | 2,2 % |
| Linux Btrfs (CoW, compress-force:3) | 2,985 s | 3,166 s | 5,7 % |
Erkenntnis:
- Vorsprung ist vorhanden: Der Vorteil ist auch im realen Spiel messbar. Die 9100 PRO lädt die Sequenz unter Windows 2,2 % schneller und unter Linux 5,7 % schneller.
- Der OS-Einfluss: Der größte Faktor bleibt das Betriebssystem und das Dateisystem. Der gesamte Ladevorgang dauert unter Linux Btrfs (CoW, compress-force:3) (2,985 s) weniger als die Hälfte der Zeit, die unter Windows NTFS (6,29 s) benötigt wird. Für Ladezeiten ist die Wahl des Betriebssystems relevanter als der Sprung von PCIe 4.0 auf 5.0.
Fazit und Kaufempfehlung
Am Ende komme ich zu dieser Schlussfolgerung.
Der PCIe 5.0-Vorteil: Konsistenz statt Revolution
Nach dem Vergleich der Samsung 9100 PRO mit der WD SN850X in allen Disziplinen bleibt die zentrale Frage: Lohnt sich der Sprung auf PCIe 5.0?
Hier gibt's die neue Samsung 9100 PRODie 9100 PRO hat im Performance-Check ganz klar überzeugt. Der Mehrwert liegt aber nicht in einem massiv verkürzten Bootvorgang oder einer Verdopplung der Ladezeiten, sondern in der Konsistenz und Stabilität der Performance unter extremer Last.
- Latenz (Random Read): Die 9100 PRO reduziert die kritischen Latenzspitzen der SN850X um bis zu 50 %. Dies ist der wichtigste technische Vorteil für ein stabiles Spiel-Streaming.
- Thermik: Die niedrigere Betriebstemperatur der 9100 PRO trägt zur Stabilität unter Dauerlast bei.
- Ladezeiten (Realität): Während der synthetische FIO-Check extreme Vorteile (bis zu 97 % unter Btrfs CoW, compress-force:3) zeigt, liegt der reale Vorteil in Spielen bei 2 bis 5 %. Die 9100 PRO ist die schnellere SSD, der gefühlte Unterschied ist jedoch gering.
Kaufempfehlung
- Klarer Fall für den Linux Power-User: Für Anwender, die anspruchsvolle Dateisysteme wie Btrfs nutzen und die absolute Bestleistung bei der Verarbeitung von I/O-Overhead suchen, ist die 9100 PRO eine deutliche Verbesserung und somit eine Kaufempfehlung.
- Enthusiasten mit Budget: Wer ohnehin ein High-End- und zukunftssicheres Setup baut, bekommt mit der 9100 PRO eine extrem performante PCIe 5.0-SSD – die schnellste in diesem Check.
Abschließendes Urteil: Die 9100 PRO ist die schnellere SSD und bietet besonders unter Linux sowie bei der Latenzkonsistenz einen klaren Mehrwert.
