Steigende Meeresspiegel sind eine der größten Gefahren durch den Klimawandel. Auf einer interaktiven Online-Karte könnt ihr sehen, wie norddeutsche Städte wie Bremen und Kiel langsam im Meer versinken.
Doch mit steigenden Meeresspiegeln sind es nicht Städte, die wir im Meer versinken sehen, die echte Gefahr sieht anders aus.
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NASA-Video aus dem Jahr 2009: Wie der Klimawandel die Ozeane beeinflusst
Sea Level Rise 3D Map: Mit einer interaktiven Karte könnt ihr sogar Berlin versinken lassen
Die Sea Level Rise 3D Map ist ein Projekt des Programmierers Akihiko Kusanagi aus Tokio. Er nutzt Google Maps Photorealistic 3D Tiles
, ein Tool, das Google bereitstellt, um fotorealistische 3D-Darstellungen auf Webseiten oder in Apps zu integrieren.
So könnt ihr auf der interaktiven Karte den Anstieg des Meeresspiegels visualisieren. Je weiter ihr den Meeresspiegelregler nach oben schiebt, desto mehr deutsche Städte könnt ihr im Meer versinken sehen:
Bei zehn Metern Anstieg liegt schon der Großteil von Kiel unter Wasser, ab etwa 37 Metern könnt ihr auch das Brandenburger Tor versinken sehen.
Das Problem: Der Titel der Seite klingt sehr nach dem Sea Rise Level Viewer, einer interaktiven Karte der US-amerikanischen Behörde NOAA Coastal Services Center. Die Karte basiert auf wissenschaftlichen Daten und zeigt realistische Szenarien des Meeresspiegelanstiegs für Küstenregionen in den USA.
Das hat vermutlich auch die spanischsprachige Seite Xataka dazu verleitet, Sea Level Rise 3D Map als ein Tool zu interpretieren, mit dem man die Folgen steigender Meeresspiegel erfahrbar machen könnte.
Allerdings: Keine Prognose geht von einem Meeresspiegelanstieg von zehn oder gar 38 Metern aus. Klimawissenschaftler prognostizieren eher einen Anstieg von 30 bis 120 cm bis zum Jahr 2100. Bei diesen Werten passiert im Sea Rise Level Viewer 3D praktisch nichts – in Wahrheit beginnen hier aber bereits die großen Katastrophen.
Schon ein Anstieg von 30 cm bringt verheerende Folgen
Das Szenario, dass Städte einfach so im Meer versinken ist nicht das, worauf wir uns in Deutschland einstellen müssen. Das Helmholtz-Zentrum Hereon gibt dagegen folgende Prognose:
- Bereits niedrige Treibhausgasemissionen könnten den Meeresspiegel um 30 bis 75 cm ansteigen lassen.
In diesem Szenario könnten schwere Sturmfluten statistisch bereits alle zehn bis 20 Jahre auftreten - Bei ungebremsten Emissionen ist sogar ein Anstieg des Meeresspeigels von bis zu 1,2 m zu erwarten. Hier könnten schwere Sturmfluten bereits alle fünf bis zehn Jahre auftreten.
Die historische Referenz für eine schwere Sturmflut ist die von 1962. Laut der Webseite der Helmut-Schmidt-Stiftung zog in der Nacht von 16. auf den 17. Februar das Orkantief Vincinette mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h über die Nordsee und verursachte einen Wasserstand von 5,70 Metern über Normalnull in Hamburg.
Das Hamburg Geschichtsbuch dokumentiert die verheerenden Folgen:
- Dabei kam es zu mehr als 60 Deichbrüchen, besonders betroffen waren die Stadtteile Wilhelmsburg, Waltershof und Moorfleet.
- Insgesamt wurden 315 Menschen getötet, darunter fünf Helfer.
- Etwa 20.000 Menschen wurden obdachlos, und rund 6.000 Gebäude wurden zerstört.
- Der Sachschaden belief sich auf etwa 820 Millionen Mark, was heute einer Kaufkraft von rund 4,35 Milliarden Euro entspräche.
Warum begünstigt der Klimawandel die Frequenz von Sturmfluten?
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erklärt: Eine Sturmflut entsteht, wenn starker Wind das Wasser gegen die Küste drückt. Durch einen höheren Meeresspiegel steigt das Ausgangsniveau einer solchen Flut, die dadurch potenziell verheerender wird.
Neben dem gestiegenen Meeresspiegel kann der Klimawandel außerdem zu Wetterbedingungen führen, die die Entstehung von Sturmfluten weiter begünstigen.
Fazit: Es werden keine deutschen Städte versinken, aber verheerende Ereignisse häufen sich
Ein steigender Meeresspiegel in Deutschland sorgt nicht für dauerhaft versunkene Städte. Vielmehr steigt mit jedem Zentimeter die Wahrscheinlichkeit für verheerende Extremwetterereignisse.
Dagegen helfen zuerst einmal bessere Schutzmaßnahmen, der Deutschlandfunk zeigt etwa folgende Maßnahmen auf:
- Deiche erhöhen und verstärken: Bestehende Deiche werden an die steigenden Wasserstände angepasst.
- Natürliche Pufferzonen schaffen: Deiche können ins Landesinnere verlegt werden, um Platz für Feuchtgebiete und andere natürliche Barrieren zu schaffen.
- Mobile Hochwasserschutzwände und Mauern: In besonders gefährdeten Bereichen schützen zusätzliche Barrieren vor Überflutungen.
- Küstenschutz mit Naturschutz verbinden: Maßnahmen berücksichtigen natürliche Küstenschutzfunktionen, etwa an Steilküsten und im Wattenmeer.
Allerdings zeigen die Prognosen auch auf: Eine Verringerung der Treibhausgasemissionen kann den Anstieg des Meeresspiegels verlangsamen und damit die Häufigkeit und Intensität von Sturmfluten reduzieren.
Auch ohne Panik vor versinkenden Städten haben wir Einfluss darauf, wie stark Küstenregionen künftig von Überschwemmungen betroffen sein werden
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