Oura, Ringconn, Amazfit: Ich trage seit bald 6 Monaten einen Smart Ring – das sind meine 7 größten Erkenntnisse

Autor Patrick hat sich in einigen Punkten geirrt. Smart Ringe werden seine Smartwatch in absehbarer Zeit nicht obsolet machen.

Autor Patrick testet für GameStar Tech Smart Ringe. Nach sechs Monaten zieht er sein Fazit zu den Gadgets. Autor Patrick testet für GameStar Tech Smart Ringe. Nach sechs Monaten zieht er sein Fazit zu den Gadgets.

Ich lag falsch, zumindest größtenteils. Vor etwas weniger als einem halben Jahr habe ich geschrieben, dass ein Smart Ring meine Smartwatch potenziell aus drei Gründen verdrängen wird.

Heute sehe ich die Sache jedoch ganz anders. Meine Erfahrungen basieren dabei auf drei Modellen, die ich in den letzten Wochen und Monaten am Finger getragen habe:

Ein dedizierter Test zu den beiden letzteren Ringen folgt in den nächsten Wochen. Ich beginne mit den positiven Aspekten eines solchen Wearables.

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Patrick Schneider
Patrick Schneider

Autor Patrick schaut sich für GameStar Tech Wearables aller Art an. Neben traditionellen Smartwatches, Armbanduhren und anderen Fitness-Trackern zählen seit 2025 auch Smart Ringe dazu. Wenn er nicht gerade die Daten seiner Lauftrainings auswertet, fotografiert er gerne oder spielt Souls-Like- und ARPG-Spiele.

Smart Ringe sind zum Schlaftracken geeignet

Smart Ringe spielen ihre größte Stärke beim Schlafen aus. Schließlich werden die meisten Modelle dafür vermarktet. Den Vorteil gegenüber Smartwatches mache ich anhand der folgenden Punkte fest:

  • Genauigkeit: Im Testfeld mit mehreren Modellen und der Apple Watch liegen die Ergebnisse in Bezug auf Schlaflänge und -qualität ziemlich nah beieinander. Was die App ausspuckt, deckt sich zudem meistens mit dem subjektiven Gefühl. Wie aus meinem Interview mit einem Schlafforscher hervorgeht, sind die Messungen eines Rings zudem potenziell zuverlässiger als die einer Smartwatch.
  • Tragekomfort: Mit einem Ring am Finger schläft es sich deutlich angenehmer als mit einer großen Smartwatch am Handgelenk. Das ist allerdings subjektiv und hängt sicherlich vom Typ ab.
  • App-Aufbau: Der Aufbau der Begleit-Apps ist sehr intuitiv und verständlich gestaltet, ohne zu überfordern. Der Fokus liegt hier auf dem Schlaf. Die wichtigsten Informationen werden dazu übersichtlich aufgelistet und wahlweise verständlich erklärt.
  • Journaling: Viele Apps erlauben mir, eine Art »Schlaftagebuch« zu führen. Ich kann schlechten oder guten Schlaf mit Tags versehen und/oder eine Bewertung hinzufügen und mit der Zeit reflektieren, was meinen Schlaf fördert oder eben schadet.

Die Apps sind in der Regel sehr übersichtlich gestaltet. Im Grunde sind die wichtigsten Infos schon auf der ersten Seite ersichtlich. Die Apps sind in der Regel sehr übersichtlich gestaltet. Im Grunde sind die wichtigsten Infos schon auf der ersten Seite ersichtlich.

Kein Wearable kann so verlässliche Schlafwerte liefern wie ein Schlaflabor. Die Daten sind daher immer mit Vorsicht zu genießen und dienen lediglich als Anhaltspunkte. Der Vergleich mit der Apple Watch Ultra 2 und den jeweils anderen Ringen soll vor allem zeigen, dass die Werte nicht vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Schlaftracking-Vergleich
Meessung 1

ModellGesamtschlafWachREMKernTief
Apple Watch Ultra 207:2300:2001:5804:1701:08
Oura Ring 407:1500:2702:0103:4801:27
RingConn Gen 206:5900:1701:5403:4401:04

Messung 2

ModellGesamtschlafWachREMKernTief
Apple Watch Ultra 208:1300:2502:0205:2800:43
Oura Ring 407:5500:4302:0104:1601:38
RingConn Gen 208:0000:1102:0504:2501:30

Die Akkulaufzeit wird immer besser

Ein weiteres Lob haben sich die kleinen Gadgets bei der Akkulaufzeit verdient, die zudem mit jeder weiteren Generation verbessert wird – mit Ausnahme des Helio Rings (knapp vier Tage). Während der Oura Ring am Finger rund sieben Tage durchhält, kommt der RingCon Gen 2 auf stolze 12 Tage.

Der Oura Ring und der RingConn Gen 2 sind mit modernen Sensoren ausgestattet, um Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität sowie die Atemfrequenz zu messen. Sie verfügen zudem über einen Temperatursensor sowie einen Beschleunigungsmesser. Der Oura Ring und der RingConn Gen 2 sind mit modernen Sensoren ausgestattet, um Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität sowie die Atemfrequenz zu messen. Sie verfügen zudem über einen Temperatursensor sowie einen Beschleunigungsmesser.

Aktuell trage ich beide Modelle täglich. Abgesehen von diversen Sportuhren von Garmin, Withings, Suunto, Polar und Co. übertreffen sie die Akkulaufzeit einiger Smartwatches um Längen. Natürlich fehlen den Ringen dafür ein Display sowie einige andere hilfreiche Funktionen.

Schritte zählen offenbar nicht (ganz)

Kommen wir nun zu einer bitteren Erkenntnis. Die Ringe schwanken beim Zählen der Schritte zwischen geringer und großer Abweichung. Während der RingConn Gen 2 bei 10.000 Schritten rund 800 Schritte zu viel zählte, sind es beim Oura Ring 4 rund 600 Schritte zu wenig gewesen.

Zusätzlich zu dieser Messung habe ich noch zwei weitere durchgeführt (siehe Tabelle unten). An anderen Tagen liegen die Wearables näher am tatsächlichen Wert, wie die folgenden Daten zeigen:

Tatsächliche SchritteApple Watch Ultra 2Oura Ring 4RingConn Gen 2
Messung 110.60010.59810.50110.449
Messung 214.54014.52814.83015.729
Wie messe ich die Schritte?
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Um die Genauigkeit der Smart Ringe zu untersuchen, verwende ich neben einer Apple Watch Ultra 2 zwei weitere Schrittzähler (Pedometer). Die Schrittzähler der Marken Omron und Realalt zählen Schritte äußerst genau. Es werden mindestens drei Tests (meistens mehr) durchgeführt, um ausreichende Informationen zu erhalten.

Das ist besonders schade, denn Schritte werden zur Aktivität gezählt, was wiederum Einfluss auf die App-Auswertung meines Wohlbefindens hat.

Immerhin werden die Ringe stetig mit Updates versorgt, sodass die Kluft zwischen den geschätzten und den tatsächlichen Schritten kleiner wird. Bis vor wenigen Wochen war der Oura Ring 4 völlig unbrauchbar, was das Zählen von Schritten anging. Vor einem großen Update zählte das Gadget knapp 3.000 Schritte zu viel.

Die Ungenauigkeit ist jedoch nach wie vor vorhanden und angesichts des Preises mindestens bedauerlich.

Wenn ihr aktuell ein Wearable sucht, um Schritte möglichst genau zu zählen, solltet ihr euch besser nach Alternativen umschauen.

Für Aktivitäten geringfügig geeignet

Alle drei Modelle unterstützen eine Reihe von Workouts. Der Oura erkennt die Workouts sogar automatisch, allerdings nicht immer korrekt. So wurde aus Spazierengehen in einem Fall ein Tennismatch. Fehlentscheidungen des Geräts lassen sich in der App jedoch schnell korrigieren.

Wenn ihr die Strecke und weitere Daten in der App aufzeichnen möchtet, müsst ihr das Smartphone zwingend bei euch tragen. Ein GPS-Modul ist nicht verbaut.

Im Vergleich mit einem Brustgurt liefern die Teile zum Großteil gute Werte in Bezug auf die Herzfrequenz beim Laufen. Meistens weisen sie bei der durchschnittlichen und maximalen Herzfrequenz ein bis zwei, selten drei Schläge Unterschied auf. Lediglich der RingConn hat sporadisch mit höheren Abweichungen zu kämpfen.

Herzfrequenzmessungen
Amazfit Helio Ring

MinSchnittMax
Helio Ring84153179
Polar H1082150180
Helio Ring Polar H10 Helio Ring Polar H10

So präzise wie der Brustgurt von Polar ist der Helio Ring zwar nicht, aber die Messungen können sich sehr gut sehen lassen.

Oura Ring 4

MinSchnittMax
Oura Ring 4-163186
Polar H10-163187
Oura Ring 4 Polar H10 Oura Ring 4 Polar H10

Der Oura Ring misst sehr genau. Allerdings bietet die App wenige Daten nach einem Training. (Ignoriert bitte die Messung zu Beginn beim Polar-Brustgurt. Vor dem Start musste ich den Gurt neu anlegen).

RingConn Gen 2

MinSchnittMax
RingConn Gen 2-156182
Polar H10-163187
Polar H10 RingConn Gen 2 Polar H10 RingConn Gen 2

Die Abweichungen beim RingConn Gen 2 sind größer. Allerdings verrutschte der Ring während des Lauftrainings. Bei anderen Messungen war der Ring zumindest etwas genauer, allerdings weniger genau als der Oura Ring. (Ignoriert bitte die Messung zu Beginn beim Polar-Brustgurt. Vor dem Start musste ich den Gurt neu anlegen).

Warum ein Brustgurt als Referenz?

Ein Brustgurt zur Messung der Herzfrequenz gilt als Goldstandard und bietet gegenüber anderen Methoden wie der optischen Pulsmessung am Handgelenk entscheidende Vorteile. Brustgurte messen die elektrischen Signale des Herzens direkt, was zu wesentlich genaueren Herzfrequenzmessungen führt. Externe Faktoren wie Hautfarbe, Haarbewuchs oder Passform des Geräts beeinflussen zudem die Messung mit einem Brustgurt weniger.

Allerdings verrutschen die Ringe bei schwitzigen Händen (vor allem im Sommer) schneller, was ich als Ursache für größere Abweichungen bei einigen Lauftrainings sehe. Dabei sitzt der Ring ansonsten bombenfest. Im Winter habe ich mit derartigen Problemen nicht zu kämpfen.

Außerdem sind derartige Gadgets bei bestimmten Workouts wie Hanteltraining von Natur aus ungeeignet.

Die richtige Passgröße ist enorm wichtig

Beim Kauf eines Smart Rings bieten diverse Hersteller sogenannte Sizing-Kits an. Dabei handelt es sich um nachgebildete Kunststoffringe, mit denen sich die optimale Größe ermitteln lässt.

Die Dicke der Finger verändert sich im Laufe des Tages. Morgens sind die Finger tendenziell dünner. Darüber hinaus spielen noch andere Faktoren eine wichtige Rolle, etwa die Außentemperatur, eine erhöhte Durchblutung und so weiter.

Sowohl Oura als auch RingConn bieten viele verschiedene Größen an. Sowohl Oura als auch RingConn bieten viele verschiedene Größen an.

Ein Tipp von Oura hat mir zumindest sehr geholfen: Wenn ihr zwischen zwei Größen am Zeigefinger schwankt, wählt die kleinere.

  • Wenn es darauf ankommt, etwa beim Sport oder Schlafen, trage ich den Ring am Zeigefinger, da dieser im Allgemeinen für eine optimale Genauigkeit und Signalqualität empfohlen wird.
  • Tagsüber wechsle ich auf den Mittelfinger, sollte mich das Gadget am Zeigefinger stören.

Generell sollte das kleine Wearable eng, aber bequem sitzen. Ein zu lockerer Ring verrutscht potenziell schneller und könnte die Daten ungenau messen.

Der Alltag sorgt für wenig Spaß

Im Alltag nehme ich den Ring deutlich öfter vom Finger als gedacht. Egal, ob ich dusche, mir die Hände wasche oder Hausarbeiten erledige: Das Gerät wird vom Finger entfernt, damit es trocknen kann oder um Kratzer zu vermeiden.

Den Oura Ring habe ich nun seit knapp vier Monaten am Finger. Inzwischen ist der Ring ziemlich zerkratzt. Den Oura Ring habe ich nun seit knapp vier Monaten am Finger. Inzwischen ist der Ring ziemlich zerkratzt.

Denn einige Modelle ziehen Kratzer geradezu an – selbst wenn man darauf achtet. Ich arbeite im Homeoffice am Schreibtisch und gehe mit meinen Geräten äußerst sorgsam um. Aber den Oura Ring konnte ich beim besten Willen nicht vor auffälligen Macken schützen.

Smart Ringe sind eine Ergänzung

Ich komme zu meiner letzten und vermutlich wichtigsten Erkenntnis: Smart Ringe sind meiner Erfahrung nach (nur) eine tolle Ergänzung zur Smartwatch – insbesondere, wenn es um das Schlaftracking geht. Andere Wearables können diese Gadgets für den Finger aber nur bedingt beziehungsweise mit bestimmten Einschränkungen oder Abstrichen ersetzen.

Ob man ein solches Gadget braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Einen Markt dafür gibt es bereits und es wird ihn vermutlich auch in Zukunft geben. Aktuell sprießen die Teile jedenfalls wie Podcasts zu ihren Höchstzeiten aus dem Boden.

Wenn ihr an einem Smart Ring interessiert seid, solltet ihr – wie bei vielen anderen Wearables inzwischen – prüfen, ob sämtliche Funktionen ohne Abonnement angeboten werden.

Oura verlangt etwa für alle Features einen Obolus in Höhe von 6,00 Euro pro Monat.

Ich bin gespannt auf eure Meinung zu diesem Thema! Tragt ihr einen smarten Ring oder bleibt ihr anderen Wearables treu? Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, euch ein solches Gadget zuzulegen? Welche Erfahrungen habt ihr mit den Gadgets gemacht? Stimmt ihr in einigen Punkten mit mir überein oder seht ihr das vollkommen anders? Schreibt es sehr gerne unten in die Kommentare!

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