Handys mit Systemkamera-Bildqualität: Ich hoffe, dass die Gerüchte wahr sind, aber wie soll das gehen?

Meinung: Werden zukünftige Handys Fotos auf Systemkamera-Niveau schießen können? Ich hoffe schon, aber es gibt Hindernisse.

Symbolbild: Mit größer werdenden Sensoren sind größere Handy-Objektive nötig, aber nicht so übertrieben, wie ich es hier darstelle. Symbolbild: Mit größer werdenden Sensoren sind größere Handy-Objektive nötig, aber nicht so übertrieben, wie ich es hier darstelle.

Wenn es eine Sache gibt, die bei der Entwicklung von neuen Smartphones nicht stagniert, dann sind es die verbauten Kameras. Von Jahr zu Jahr gibt es mehr Auflösung, lichtstärkere Objektive, mehr Zoom oder auch größere Bildsensoren. 

Einige Handys, wie zum Beispiel das Xiaomi 13 Ultra, besitzen inzwischen welche, die 1-Zoll groß sind. Vor einigen Jahren war dies noch eine Sensorgröße, die Premium-Kompaktkameras, wie der Sony RX100-Serie, vorbehalten war. 

Die RX100-Serie von Sony verwendet 1-Zoll-Bildsensoren: Eine Sensorgröße, die man inzwischen auch bei Smartphones findet. (Bild: Sony) Die RX100-Serie von Sony verwendet 1-Zoll-Bildsensoren: Eine Sensorgröße, die man inzwischen auch bei Smartphones findet. (Bild: Sony)

Jetzt gibt es erste Gerüchte über noch größere Bildsensoren, die für Handys der Zukunft entwickelt werden. Einerseits bin ich sehr gespannt darauf, ob oder wann das Realität wird, aber ich frage mich, wie die Hersteller das anstellen wollen?

Duy Linh Dinh
Duy Linh Dinh

Linh fotografiert seit mehr als 15 Jahren und hat schon viele Digital- und Analogkameras besessen, ausprobiert und verwendet. Inzwischen hat sein Handy die Immer-Dabei-Kamera komplett ersetzt. Zu einer »richtigen« Kamera greift er nur noch, wenn er mit Intention fotografieren geht. Natürlich wünscht er sich auch immer besser werdende Handykameras, aber dieses neue Gerücht bringt ihn zum Grübeln. 

Kommen bald Handys mit Systemkamera-Bildqualität?

Auf Weibo, einem der größten chinesischen sozialen Netzwerken, wurden Informationen zu vier neuen Micro-Four-Thirds-Sensoren geteilt, die für den Einsatz in zukünftigen Smartphones gedacht sein sollen. 

Die vier geleakten Bildsensoren, die für Smartphones gedacht sein sollen. (Bild: Weibo) Die vier geleakten Bildsensoren, die für Smartphones gedacht sein sollen. (Bild: Weibo)

Einfach ausgedrückt: Was ist ein Bildsensor und warum ist die Größe wichtig? Ein Bildsensor ist ein wichtiges Bauteil von Digitalkameras, das Licht in elektrische Signale umwandelt, um Bilder zu erfassen. Was früher analoger Film gemacht hat, macht heute ein Bildsensor.

Die Größe des Bildsensors ist wichtig, da ein größerer Sensor mehr Licht einfangen kann, was zu besserer Bildqualität führt, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Größere Sensoren ermöglichen außerdem eine geringere Tiefenschärfe, was hilfreich ist, um den Hintergrund unscharf zu machen und das Hauptmotiv hervorzuheben.

Die neuen Sensoren haben eine besonders hohe Auflösung, was darauf hinweist, dass sie für die Nutzung mit dem Pixel-Binning-Verfahren verwendet werden sollten: ein weiteres Indiz dafür, dass sie für Smartphones gedacht sind, die heute fast alle diese Technologie verwenden. 

Beim Pixel-Binning-Verfahren werden mehrere kleine Pixel zu einem großen zusammengeführt. (Bild: Samsung) Beim Pixel-Binning-Verfahren werden mehrere kleine Pixel zu einem großen zusammengeführt. (Bild: Samsung)

Die Quelle von diesem Gerücht ist nicht gerade aussagekräftig, auch wenn erste technische Daten genannt werden. Trotzdem macht mich die Idee, einen M43-Sensor in ein Handy zu stecken, äußerst neugierig.

Die Hersteller müssen zwei Hindernisse überwinden

M43-Sensoren kommen in einer Reihe von System- und einigen Premium-Kompaktkameras zum Einsatz.

Sie sind zwar deutlich kleiner als die Vollformatsensoren, die gerne von Profifotografen verwendet werden, dafür sind sie ein gutes Stück größer, als die 1-Zoll-Typ-Sensoren, die in High-End-Smartphones verbaut werden:

  • 1-Zoll-Sensor: 128 mm²-Sensorfläche (4:3-Format)
  • M43-Sensor: 227 mm²-Sensorfläche

Übrigens: Warum 1-Zoll-Sensoren nicht wirklich 1 Zoll groß sind

Die Bezeichnung »1-Zoll-Sensor« hat ihren Ursprung in älteren Röhren-Kameras, bei denen der äußere Glaskolben einen Durchmesser von 1 Zoll hatte. Allerdings beträgt die tatsächliche Größe des Sensors im Inneren nur etwa 0,62 Zoll. Sogar Micro-Four-Thirds-Sensoren kommen auf keine Bilddiagonale von einem Zoll (etwa 0,88 Zoll). Diese Bezeichnung basiert also eher auf historischen Konventionen als auf exakten Größenangaben.

Deshalb bezeichnen viele Hersteller die 1-Zoll-Sensoren als »1-Zoll-Typ-Sensoren«. Der Begriff »1-Zoll-Sensor« ist damit nicht akkurat, aber weit verbreitet.

Ich selbst habe schon mit einigen M43-Kameras verwendet und für mich treffen sie eine sehr gute Balance zwischen Bildqualität und Größe. Mit dem richtigen Objektiv kann man mit den kompakten Systemkameras Bilder schießen, die sich nicht vor Profikameras verstecken müssen. 

So gerne ich solche Bildsensoren auch auf einem Handy sehen wollen würde: Bei der Umsetzung sehe ich zwei Herausforderungen, die nur schwer zu überwinden sind.

1. Die Größe

Systemkameras mit Micro-Four-Thirds-Sensor sind im Vergleich zu Kameras mit noch größeren Sensoren kompakter - ja, aber im Vergleich zu Smartphones sind sie trotzdem dicker und größer. 

Die Panasonic Lumix GM1 ist die weltweit kleinste Kamera mit einem Micro-Four-Thirds-Sensor. Sie ist zwar sehr kompakt, aber dennoch deutlich dicker, als heutige Smartphones. (Bild: Panasonic) Die Panasonic Lumix GM1 ist die weltweit kleinste Kamera mit einem Micro-Four-Thirds-Sensor. Sie ist zwar sehr kompakt, aber dennoch deutlich dicker, als heutige Smartphones. (Bild: Panasonic)

Der große Sensor muss erst einmal im Gehäuse von einem Handy Platz finden, ohne es gleich so dick wie eine Powerbank zu machen. 

Und dazu kommen die Objektive: Je größer die zu belichtende Fläche ist, also in diesem Fall ein Micro-Four-Thirds-Sensor, desto größer muss das Objektiv sein - sehr einfach und allgemein ausgedrückt.

Das Xiaomi 13 Ultra hat beispielsweise einen 1-Zoll-Sensor verbaut. Das Weitwinkelobjektiv der Hauptkamera hat eine Blende von F/1.9, was sogar recht lichtstark ist. Damit ist es nicht nur möglich, auch bei schlechten Lichtbedingungen zu fotografieren, sondern man kann so auch besser Motive freistellen und den Hintergrund verschwimmen lassen. 

Das Xiaomi 13 Ultra ist schon fast mehr eine Kompaktkamera als ein Handy. (Bild: Xiaomi) Das Xiaomi 13 Ultra ist schon fast mehr eine Kompaktkamera als ein Handy. (Bild: Xiaomi)

Nehmen wir an, das hypothetische Xiaomi 15 Ultra wird einen Micro-Four-Thirds-Sensor verbaut haben. Nicht nur müsste das Handy insgesamt dicker, auch das Objektiv muss größer werden, um trotzdem eine Blende von F/1.9 erreichen zu können. 

Wenn die Kompaktheit beibehalten werden soll, müsste die Lichtstärke auf F/2.8 oder weniger reduziert werden. Allerdings würde dies die Vorteile eines größeren Sensors wiederum beeinträchtigen - dann hätte man gleich beim kleineren 1-Zoll-Sensor bleiben können. 

Vielleicht finden die cleveren Ingenieure bei den Handyherstellern eine Lösung. Ich habe zum Beispiel Teleobjektive in Handys jahrelang für unpraktikabel gehalten - und dann kamen die Periskop-Objektive und haben das Problem behoben.

Kühlung ist bei solchen Sensoren wichtig

Große Bildsensoren müssen stärker gekühlt werden als kleinere, insbesondere bei Videoaufnahmen. Bei der Produktion von hochauflösendem Video entsteht durch die Nutzung hochauflösender Videos eine erhöhte Hitzeentwicklung, die selbst bei Systemkameras zu Problemen führen kann.

Deswegen haben einige von Ihnen inzwischen ein aktives Kühlungssystem verbaut, um die verbaute Hardware möglichst kühl zu halten. Ein Beispiel dafür ist die Panasonic Lumix GH-6, die auch einen M43-Sensor verwendet. 

Die Panasonic GH-6 ist für die Aufnahme von Videos spezialisiert und bietet daher eine aktive Kühlung. (Bild: Panasonic) Die Panasonic GH-6 ist für die Aufnahme von Videos spezialisiert und bietet daher eine aktive Kühlung. (Bild: Panasonic)

Ich denke, das ist ein Problem, das wohl leichter zu lösen ist, als die Größe, wenn man bedenkt, dass einige Gaming-Smartphones, wie das RedMagic 9 Pro, jetzt auch mit aktiver Kühlung kommen. 

Wie sieht die Zukunft aus? Ich blicke in die Glaskugel

Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir früher oder später ein Handy mit einem M43-Sensor erhalten könnten, jedoch glaube ich nicht, dass die breite Masse auf diese Sensorgröße umsteigen wird. Ein solches Handy wird wohl eher eine kleine Nische bedienen: Fotografie-Enthusiasten, die eine hochwertige Immer-Dabei-Kamera suchen. 

Meine gewagte Vorhersage: Das erste Handy mit einem solchen Sensor wird von Xiaomi kommen, eine Leica-Optik verwenden, über 1.200 Euro kosten, eine Blende von F/2.4 haben und in eure Jacken-, aber nicht in die Hosentasche passen (ohne blöd auszusehen). 

Bei den »Mainstream«-Handys wird meiner Voraussicht nach die sogenannte »Computational Photography« weiterentwickelt. Damit meine ich KI-Features und clevere Funktionen, wie das Pixel-Binning-Verfahren oder der 24-Megapixel-Modus der neuen iPhones. 

Die Schwächen von kleinen Bildsensoren können so zum Teil ausgeglichen werden. 

Mehr zum Thema Smartphones der Zukunft: Google Project Ara: Das vor 7 Jahren eingestampfte Handy-Konzept würde perfekt in die heutige Zeit passen

Ich bin gespannt darauf, ob das Gerücht von Micro-Four-Thirds-Sensoren für Smartphones wahr sein könnte und wie diese neuen Handys aussehen würden. Glaubt ihr, dass die Hersteller so weit gehen werden oder ist mit dem 1-Zoll-Sensor das Ende der Fahnenstange erreicht? Schreibt uns eure Meinung dazu in die Kommentare! 

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