OLED, ade? Sonys neue Bildschirmtechnologie könnte für mich den Thron bei TVs erobern

Letztes Jahr hat Sony mich mit seinen Fernsehern bereits überrascht und dieses Jahr setzen sie noch einen drauf.

Normalerweise leuchtet nur eine Diode pro Pixel in der Hintergrundbeleuchtung. Bei RGB-LEDs sind es gleich drei. (Bild: Sony) Normalerweise leuchtet nur eine Diode pro Pixel in der Hintergrundbeleuchtung. Bei RGB-LEDs sind es gleich drei. (Bild: Sony)

In der Heimkino-Welt ist Sony seit gestern in aller Munde bei uns Techies. Der Grund: Die Japaner haben eine neue Bildschirmtechnologie namens RGB-LED vorgestellt. Na gut, komplett neu ist sie nicht, doch sie könnte Mini-LED-TVs einen gehörigen Boost verschaffen.

Mir stellt sich unweigerlich die Frage: Wackelt der Thron von OLED?

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit 2016 Tech-Redakteur, und Fernseher waren schon immer sein Fachgebiet. LED, OLED, Mini-LED, Micro-LED: Völlig egal, er interessiert sich für alle Displays. Mit TVs kennt er sich also bestens aus und weiß, worauf man beim Kauf achten sollte.

Sonys neue Ausrichtung

Letztes Jahr, als die neuen TVs gezeigt wurden, titelten wir: »Sony-TVs 2024: OLED ist nicht mehr die Nummer 1«. Der Grund war, dass Sony bei seinem Flaggschiff Bravia 9 nicht mehr auf OLED setzte, sondern auf Mini-LED. 

Ich habe die Pille erst einmal so geschluckt. Ganz neu ist mir nicht, dass ein Hersteller auch mal ausschert und etwas Neues versucht (Grüße gehen raus an Samsung und QLED). Jetzt ist mir klar, warum der Hersteller das gemacht hat.

Video starten 2:50 BRAVIA 9: Das ist der neue High-End-TV von Sony

RGB-LED: Was ist das?

Seit wenigen Jahren gibt es Mini-LED-TVs. Die kann man als den logischen nächsten Schritt nach LED-TVs bezeichnen. Wie der Name schon verrät, sind die einzelnen Dioden einfach sehr viel kleiner. Es steckt noch ein bisschen mehr hinter der Technologie, um RGB-LED zu verstehen, reicht die Info aber aus.

Für die Hintergrundbeleuchtung von LED-TVs kommen üblicherweise einzelne weiße oder blaue LED zum Einsatz. Bei RGB-LED ist es so, dass stattdessen drei LEDs leuchten, und zwar in Rot, Grün und Blau (wie der Name vermuten lässt).

Auf einem Schaubild von Sony sieht das dann so aus:

Herkömmliches Backlight RGB-LED-Backlight Herkömmliches Backlight RGB-LED-Backlight

Auf der linken Seite seht ihr, dass die Hintergrundbeleuchtung bunt ist. Das ist neu bei RGB-LED. (Bild: Sony)

Drei bunte Dioden haben einen signifikanten Vorteil: Die Grundfarben können das Bild auf dem Display gezielt unterstützen.

Das soll viele Vorteile bringen, so Sony:

  • Breiteres Farbspektrum: Wenn die Farbe der Hintergrundbeleuchtung mit der Farbe auf dem Schirm passt, entstehen weniger Misstöne in den Zwischenräumen. Der DCI-P3-Farbraum soll zu 99 Prozent abgedeckt werden, der breitere BT.2020 bis zu 90 Prozent, ein Unikum bisher.
  • Höhere Spitzenhelligkeit: Sony spricht von bis zu 4.000 Nits. Das wäre Spitzenklasse; der Bravia 9 kommt »nur« rund auf die Hälfte.
  • Bessere Blickwinkelstabilität: Helle Hintergrundbeleuchtung lässt das Bild bei LED-TVs verblassen, weil sie durchstrahlen. Bei RGB LED passiert das nicht, weil die Hintergrundbeleuchtung bereits die »richtige« Farbe zeigt. 
  • Weniger Clouding: Helle Lichtwolken entstehen bei LEDs immer dann, wenn helle Objekte vor schwarzem Hintergrund stehen. Ist die Hintergrundbeleuchtung nicht einfach nur hell, sondern farbig, wird das verringert.
  • Leicht geringerer Stromverbrauch: Die Hintergrundbeleuchtung leuchtet nur in den benötigten Farben und nicht als Ganzes. Das dreht an der Strompreisschraube, wenn auch nur ein kleines Bisschen.
Mini-LED-Farbraum Mini-LED-Farbraum mit RGB-LED Mini-LED-Farbraum Mini-LED-Farbraum mit RGB-LED

Was aussieht wie ein Hügel in Minecraft, zeigt die Farbabdeckung im dreidimensionalen Raum. (Bild: Sony)

Ist OLED in Gefahr?

Ich will hier gar nicht um den heißen Brei reden: Nein, OLED ist nicht in Gefahr. Zumindest noch nicht. Die LED-Technik schleicht sich aber weiter an die organischen Pixel heran, weswegen ich schon sehe, dass LED-TVs irgendwann am Stuhl von OLED sägen – und zusammen mit Micro-LED auch erobern.

Sony setzt aber nicht als einziger Hersteller auf RGB-LED. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht.

  • Die gute Nachricht ist, dass gleich drei weitere namhafte Tech-Riesen auf die Technik setzen: Samsung, Hisense und TCL. Das heißt nicht nur, dass RGB-LED mehr werden könnte, als eine Eintagsfliege, sondern dass gleich mehrere Firmen daran arbeiten. Gut für uns Konsumenten.
  • Die schlechte Nachricht ist, dass die Hersteller weitestgehend wieder ihr eigenes Süppchen kochen. TCL nennt sie wie Sony RGB-Mini-LED, Hisense Trichroma-LED und Samsung RGB-Micro-LED. Ich rieche den nächsten OLED-QLED-PR-Stunt.

Video starten 3:12 Habe ich die Zukunft gesehen? So sehr wie dieser TV hat mich noch nie ein neuer Fernseher begeistert

Computer Bild spricht in der oben verlinkten Pressemitteilung davon, dass man wohl noch dieses Jahr mit der Serienfertigung von RGB-LED-Displays beginnen wird. Wie sich das auf die diesjährigen Sony-TV-Modelle niederschlägt, bleibt abzuwarten.

So oder so: Die Zukunft bei TVs und Bildschirmen generell bleibt rosig, schließlich warten noch weitere tatsächliche neue Display-Techniken wie NanoGen auf uns. In den letzten Jahren sah die TV-Sparte meiner Meinung nach ein wenig festgefahren aus. Es gab nur kleinere Teilverbesserungen.

Mit RGB-LED kommt Schwung in die Bude. Wie gut die Fernseher schließlich aussehen, müssen Tests beweisen. Ich freue mich jedenfalls darüber, dass wir zukünftig aufgebohrte Mini-LED-TVs sehen werden. Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft, das OLED seit Jahren dominiert.

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