Es überrascht mich nicht. Es ist nicht mal im Ansatz verwunderlich. Zur Hölle, vor einigen Jahren wäre ich wahrscheinlich noch voll dafür gewesen: Sony schafft physische Spiele ab und Microsoft zieht beinahe gleich.
Mittlerweile bin ich nicht nur nicht mehr dafür, sondern sehe es als höchst dystopische Entwicklung an.
Ich stelle mir wirklich die Frage: Kommt der Punkt, an dem uns Medien nie mehr wirklich gehören werden? Aber fangen wir von vorne an.
Das Problem: die Illusion von Besitz
Wenn wir ein digitales Gut kaufen, denken wir oftmals, dass diese digitale Kopie nun uns gehört. Zum Beispiel, wenn ihr auf Steam ein Spiel kauft. Dann ist das ja eure Kopie, richtig?
Leider falsch. Denn was wir uns kaufen, ist nur eine Lizenz, die es uns erlaubt, das jeweilige Spiel zu nutzen. Von Besitz oder Eigentum kann bedauerlicherweise nicht die Rede sein. Im Endeffekt schließt ihr einen Mietvertrag auf unbestimmte Zeit.
Ironischerweise zeigte Sony kurz vor der Meldung zu den physischen Kopien genau, was ich meine: Das japanische Unternehmen hat in einigen europäischen Ländern im PlayStation Store 500 Filme und Serien aus dem Sortiment genommen – und aus den Bibliotheken der Menschen, die diese Produkte bereits gekauft haben.
Glücklicherweise ist die DACH-Region momentan nicht betroffen, doch der Vorfall zeigt, dass das jederzeit passieren kann.
Und das erleben wir mittlerweile alltäglich. Oder habt ihr es noch nicht erlebt, dass eine Serie, die ihr vor Kurzem noch geschaut habt, von Netflix, Crunchyroll oder Prime verschwunden ist?
Ich leider zu häufig und das nervt ganz gewaltig.
Warum wir trotzdem mitmachen
Bequemlichkeit. Klar.
Es ist einfach zu praktisch, mit einem Klick auf die Taskleiste Steam zu öffnen oder mal eben den PlayStation-Store aufzumachen und ein Spiel, für das man vor Jahren noch zu einem echten Laden fahren musste, mit wenigen Schritten zu kaufen und herunterzuladen.
Dasselbe gilt für Musikstreaming durch Spotify, Deezer, YouTube Music und Co.
Hinzu kommen die Preise. Bei Musik ist der Zug schon lange abgefahren: Musik ist im Endeffekt komplett kostenlos verfügbar. Das ist schön für Nutzer und unangenehm für Künstler, aber das ist nochmal ein anderes Thema.
Bei Spielen haben wir als Kunden ebenfalls Vorteile: Sales. Haufenweise Sales. Digital bekommen wir Spiele oftmals deutlich günstiger, als es noch zur Zeit mit physischen Kopien war. Vor allem PC-Spieler sind von Steam-Sales, kostenlosen Epic-Store-Games und anderen Vorteilen geradezu verwöhnt.
Doch leider zahlen die Spiele selbst mitunter den größten Preis.
Die Konsequenzen
Die Konsequenzen für uns: Wenn es bald keine physischen Kopien von Spielen, Musik oder anderen digitalen Medien mehr gibt, stirbt auch der jeweilige Gebrauchtmarkt.
Gerade im Spielbereich stehen wir quasi kurz vor diesem Moment. Denn wenn die großen Konsolenanbieter physische Spiele abschaffen, ist schon nichts mehr übrig, bis auf die ein oder andere Special- oder Collector's Edition.
Auch Nintendo, die bisher letzte Bastion der physischen Spiele, schwächelt schon länger und wird vermutlich bald nachziehen. Schon jetzt sind in vielen Switch- oder Switch-2-Spielen nur noch Download-Codes.
Die Konsequenzen für Spiele: Es ist schon lange bekannt, dass immer mehr Spiele von der Bildfläche verschwinden. Sei es, weil sie zu alt sind und es kaum mehr Kopien gibt, weil sie nie sonderlich beliebt waren oder weil Server abgeschaltet werden, ohne Möglichkeiten für Selfhosting anzubieten, um nur einige Gründe zu nennen.
1:02:20
Spieler vs. Publisher: Stop Killing Games!
Je weniger physische Kopien es gibt, desto eher werden Spiele mit der Zeit verschwinden. Vielleicht sogar für immer.
Organisationen wie »Stop Killing Games« versuchen bereits, diese Entwicklung zu stoppen, indem sie Gesetzgeber dazu bewegen wollen, den Erhalt von Videospielen gesetzlich zu verankern. Bisher klappt das leider nicht so gut.
Mein Fazit: Der Griff ins IRL-Regal ist der richtige Widerstand…
… aber ich befürchte, dass sich dieses Thema bereits erledigt hat.
Jan Stahnke: Nur weil Sony bald keine physischen Kopien mehr anbietet, werden wir nicht alle reihenweise in den Fachhandel unseres Vertrauens stürmen und anfangen, massenweise physische Kopien zu kaufen. Das ist meist ohnehin gar nicht mehr möglich.
Aber nicht alle Bereiche sind schon auf fast verlorenem Posten, wie Spiele es sind oder sich für mich zumindest so anfühlen.
Seit vielen Jahren sind Platten wieder ein Trend in der Musikszene und viele Buch-, Film-, Serien-, Anime- und Manga-Fans kaufen sich tatsächlich noch ihr bevorzugtes Medium – so richtig in echt.
Vielleicht sollte ich einfach mal wieder mehr zu diesen Medien greifen und vielleicht auch ihr.
Wie die Community auf Sonys Ankündigung reagiert, seht ihr hier:
Ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass ich ein Teil des bequemen Problems bin, denn auch ich lese Mangas, schaue Serien und Filme und höre Musik hauptsächlich digital.
Sony rüttelt mich mit den zwei Meldungen zu physischen Spielen und den 500 Filmen und Serien gerade wach. Vielleicht ja auch euch.
Wie seht ihr das Thema? Ist das überhaupt ein Problem für euch oder seht ihr das nicht so eng wie ich? Mich würde eure Meinung interessieren. Schreibt sie gerne unten in die Kommentare!

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