Im Sommer sitze ich abends meist nie vorm Fernseher, sondern auf der Terrasse – um zu lesen, YouTube auf dem Handy zu gucken, oder auch mal ein Connect the Dots
-Bildchen zu beenden.
Irgendwann wollte ich aber auch draußen streamen. Der Markt für tragbare Beamer ist mittlerweile riesig, von Mini-Projektoren in Handflächengröße bis zu koffergroßen Modellen. Der Soundcore Nebula P1 liegt irgendwo dazwischen.
Die Besonderheit: Er ist dank kompakter Größe, Trageschlaufe und abnehmbaren Lautsprechern ultraflexibel einsetzbar. Ich hatte ihn die letzten vier Wochen sowohl auf der Terrasse, als auch auf dem Dachboden und sogar im Kofferraum meines Autos im Einsatz – und halte ihn für den idealen Projektor für unterwegs.
Warum er mich überzeugt und wo Soundcore Potenzial liegen lässt, erfahrt in meinem kompakten Erfahrungsbericht.
Was ist der Nebula P1 für ein Gerät?
Nebula ist die Beamer-Sparte von Ankers Marke Soundcore, mit Modellen von der handflächengroßen Capsule
bis zum potenteren 4K-Monster X1 Pro
. Der P1 sitzt dazwischen: kompakt genug zum Mitnehmen, aber mit größeren Lautsprechern und mehr Bildgröße als die kleinste Capsule-Reihe.
Die Rückseite mit Anschlüssen und Lüfter sowie die Lautsprecher samt Entriegelungstaste im Detail.(Bildquellen: Mirco K., GameStar)
Im P1 steckt ein Full-HD-Beamer mit 650 ANSI-Lumen Helligkeit, der laut Hersteller ein Bild von bis zu 180 Zoll auf die Wand wirft. An Bord ist Google TV mit den gängigen Streaming-Apps, dazu zwei separate, magnetisch andockbare Lautsprecher.
Die Anschlüsse sitzen an der ausklappbaren Rückseite: HDMI mit eARC, ein USB-A- und ein USB-C-Port sowie eine 3,5-mm-Klinke für Aux-Out. Das komplette Paket wiegt rund 2,4 Kilogramm und ist damit angenehm leicht. Kostenpunkt: je nach Anbieter knapp 700 bis 800 Euro.
Was mich am Nebula P1 überzeugt hat
Mobilität
Die Trageschlaufe klingt banal, macht im Alltag aber den Unterschied. Ich kann mir den P1 wie eine kleine Handtasche schnappen und überall hinstellen. Eine Kleinigkeit, die im Alltag aber unheimlich praktisch ist und ich etwa beim Elfin 4K-Projektor von XGIMI vermisst habe.
Die Linse sitzt geschützt im Gehäuse und klappt erst beim Einschalten nach oben. Dadurch muss ich mir keine Sorgen machen, wenn der Beamer mal im Kofferraum zwischen anderem Gepäck liegt.
Lautsprecher
Am meisten begeistert haben mich die beiden Lautsprecher. Sie lassen sich magnetisch abnehmen und woanders hinstellen, etwa hinter oder neben euch, um einen besseren Surround-Eindruck zu bekommen. Damit die Klangboxen nicht einfach beim Tragen herunterpurzeln, sind sie mit einer Taste verriegelt.
Cool dabei: Das Einrasten wird nicht einfach nur durch ein Klick signalisiert, sondern von einem Soundeffekt begleitet. Diese Liebe zum Detail mag ich.
Die Lautsprecher lassen sich übrigens auch unabhängig vom Beamer per Bluetooth mit dem Smartphone koppeln. Dann laufen sie bis zu 20 Stunden als ganz normale Bluetooth-Boxen weiter, selbst wenn der Beamer komplett aus ist. So konnte ich mir bei Campingausflügen eine weitere Bluetooth-Box und somit etwas Platz sparen.
Und lasst euch von den kleinen Boxen nicht täuschen. Für ihre Größe liefern die beiden 10-Watt-Treiber erstaunlich viel Wumms. Ich war überrascht, wie viel Betrieb sie machen. Selbst auf Stufe 15-20 von 100 konnte ich auf der Terrasse noch alles verstehen, ohne meine Nachbarn zu sehr zu beschallen (was möglich gewesen wäre, ähem).
Einfache Bedienung
Den Fokus kalibriert der P1 nach dem Einschalten automatisch. Die Trapezkorrektur lässt sich bei Bedarf über die Fernbedienung in Sekunden nachjustieren. So kann ich das Bild schnell an Haus- oder Zimmerwand oder auch an meine Leinwand anpassen. Weil es dafür eine eigene Taste auf der Fernbedienung gibt, fällt lästiges Klicken durch Einstellungsmenüs wie bei manch anderen Modellen flach.
Ebenfalls cool: Die Fernbedienung selbst hat beleuchtete Tasten, die aufwachen, sobald ich sie vom Tisch nehme, dazu feste Shortcuts für Netflix und Prime Video.
Allgemein ist die Bedienung super unkompliziert. Aufstellen, mit Strom verbinden, einschalten – fertig. Der Beamer ist in weniger als eine Minute einsatzbereit.
Die Flexibilität ist die große Stärke
Die Kombination aus Trageschlaufe, geringem Gewicht, kompakter Größe und abnehmbaren Lautsprechern ist einzigartig. Genau diese Flexibilität habe ich in den letzten Wochen ziemlich ausgereizt.
Auf der Terrasse habe ich das Bild an die Hauswand vom Nachbarn geworfen und die maximale Distanz von knapp vier Metern ausgereizt. Bei mehr schimpft zwar der Projektor, scharf war das Bild dennoch. Und riesig noch dazu! Das ist schon ein cooles Filmerlebnis, das kein Fernseher ermöglicht – zumindest keiner im bezahlbaren Rahmen.
Bei meinem Campingausflug hatte ich den P1 ebenfalls dabei. Der Kia EV5, den ich testweise als Leihwagen hatte, liefert per Vehicle-to-Load-Funktion Strom aus einer normalen Schuko-Steckdose direkt im Kofferraum. Beamer rein, Leinwand raus, fertig war das spontane Autokino.
Das hat natürlich auch meinem Sohn gefallen, der statt auf dem Sofa dann im Auto seine wöchentliche Folge »Peppa Wutz« geschaut hat. Da der Projektor schwenkbar ist, könnt ihr das Bild auch an die Zimmerdecke werfen. Den Einsatzmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.
Kaum, weil ihr leider zwingend eine Stromversorgung in der Nähe benötigt. Und das führt mich zu den Kritikpunkten.
Was mich am Nebula P1 stört
Der P1 hat keinen internen Akku. Leider. Ihr müsst das USB-C-Netzteil (gegebenenfalls samt Verlängerungskabel) oder eine potente Powerbank beziehungsweise -station immer mitnehmen, sonst bleibt die Linse dunkel. Ein Akku hätte den Beamer zwar sicherlich klobiger, schwerer und viel teurer gemacht, aber es wäre schön gewesen, zumindest ein paar Stunden lang komplett ohne Strom schauen zu können.
Die maximale Helligkeit. Das ist die wohl größte Schwäche des P1. 650 Lumen sind nicht die Welt. Zum Vergleich: XGIMIs Elfin Flip 4K aus derselben Preisklasse kommt auf 1.600 ANSI-Lumen – fast zweieinhalbmal so hell.
Gerade draußen müsst ihr warten, bis die Sonne halbwegs untergegangen ist (was im Hochsommer schon mal bis 22 Uhr gedauert hat). Für halbwegs dunkle Umgebungen reicht es aber allemal aus.
Je dunkler, desto besser: Für helle Umgebungen fehlt dem P1 die Lumen-Power. (Bildquellen: Mirco K., GameStar)
Google TV wirkt spürbar behäbiger als beim erwähnten XGIMI-Konkurrenten. Menüs öffnen minimal langsamer, das Umschalten zwischen Apps braucht einen Tick mehr Geduld. Es ist keine Katastrophe, aber auch nicht butterweich.
Der Lüfter ist hörbar. Während ein Film läuft, höre ich ihn zwar nur in leisen Szenen, dennoch registriere ich ihn schon, wenn ich bewusst darauf achte.
Keine wirkliche Kritik, weil ihr den Beamer auch mit der passenden Handy-App steuern könnt, aber ein i-Tüpfelchen fehlt mir noch: eine magnetische Halterung für die Fernbedienung direkt am Gehäuse. Dann hätte ich wirklich alles an einem Griff beisammen, Beamer, Lautsprecher und Fernbedienung in einem Paket.
Alternativen
Der kompaktere Nebula Capsule 3 Laser aus derselben Soundcore-Reihe kostet mit rund 580 Euro gut 200 Euro weniger, dafür fehlen ihm die abnehmbaren Lautsprecher und ein gutes Stück Helligkeit.
Auch Samsungs The Freestyle liegt mit etwa 480 Euro deutlich darunter, punktet dafür eher mit Kompaktheit als mit Bild oder Sound. Wer stattdessen zum eingangs erwähnten XGIMI Elfin Flip 4K greift, zahlt mit rund 850 Euro sogar etwas mehr als für den P1 – für ein helleres 4K-Bild, aber ohne die Lautsprecher-Extras.
Spannend ist außerdem der XGIMI Elfin Flip Laser: Er bringt dieselben 1.600 ANSI-Lumen wie die 4K-Variante mit, verzichtet aber auf 4K und bleibt bei Full HD. Dafür liegt er mit rund 700 Euro preislich fast gleichauf mit dem Nebula P1, ohne dessen abnehmbare Lautsprecher, aber mit deutlich mehr Helligkeit.
Fazit: Für wen lohnt sich der Nebula P1?
Ja, er ist nicht der hellste Beamer und auch nicht der schärfste. Wer 4K-Bildqualität oder die höchste Helligkeit sucht, ist beim Nebula P1 an der falschen Adresse. Dafür gibt es Konkurrenten wie den XGIMI Elfin Flip 4K (den ich für euch ebenfalls teste).
Der P1 ist jedoch eine Allzweckwaffe. Trageschlaufe, geschützte Linse, abnehmbare Lautsprecher, ein Bild von bis zu 180 Zoll, das sich buchstäblich an jede Wand werfen lässt – ihr seid für jede Situation gewappnet und könnt die Lautsprecher auch anderweitig nutzen. Das Gesamtpaket ist einzigartig.
Ohne eigene Stromquelle wird daraus zwar nie ein Gerät für spontane Fünf-Minuten-Einsätze. Sobald aber eine Steckdose, eine Powerstation oder wie bei mir ein Auto mit V2L in der Nähe ist, ist der Nebula P1 nach allem, was ich bisher gesehen habe, die flexibelste Kinolösung, die mir bisher untergekommen ist.
Wenn ihr einen Beamer für daheim sucht, gibt es bessere Geräte. Wenn euch jedoch diese Flexibilität wichtig ist, solltet ihr euch den Soundcore Nebula P1 genauer anschauen.


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