Nach Staffel 2 ist Starfleet Academy Geschichte. Die Serie wird nicht um eine dritte Season verlängert, was vermutlich auch an der harten Kritik einiger Fans liegt: schwache Drehbücher, »anstrengende« Coming-of-Age-Geschichten und die Missachtung der ursprünglichen Star-Trek-Werte – die Liste ist lang.
Kirk-Schauspieler William Shatner nahm die Serie jedoch bereits in der Vergangenheit in Schutz. Auch jetzt, wo einige Kritiker angesichts der Absetzung Freudensprünge machen, appelliert der 95-Jährige an die Vernunft der Fans.
»Mit Trauer höre ich von der Absetzung«
Nicht nur die Crew-Mitglieder von Starfleet Academy, auch William Shatner ist traurig. In einem X-Post teilt der Schauspieler seine Enttäuschung mit seiner Community und wendet sich dabei mit einer ganz besonderen Botschaft an sie:
Star Trek existiert in mehr als einer Welt. Es existiert in der Fantasiewelt der Science-Fiction – seltsame und wundervolle Dinge, die unvorstellbare Möglichkeiten der Erforschung und des menschlichen Strebens aufzeigen. Aber es existiert auch in der Fantasiewelt der Menschen, der Perfektion des Menschen, der Erforschung, die die Menschen seit Anbeginn der Zeit betrieben haben, und der fortwährenden Erforschung – körperlich, geistig und moralisch.
Es ist dieser Aspekt von Star Trek, den ich schon immer geliebt habe: etwas Physisches zu betrachten, das derzeit noch nicht existiert, dank dieser talentierten Autoren und Designer, aber auch die ewigen Fragen der Menschheit anzugehen – die Qualen, die Ekstasen. Star Trek sollte auf der Grundlage dieser Wahrheiten noch lange Zeit bestehen bleiben. Ich für meinen Teil würde mich sehr über die fortgesetzte Existenz freuen. Mit Trauer höre ich von der Absetzung der neuen Star Trek-Serie.
1:11
Kirk, Spock, Picard - Star Trek: Starfleet Academy spannt jetzt die ganz großen Kaliber vor den Karren
Natürlich bleibt das Statement von Shatner nicht unkommentiert. Über 1.200 Meinungen lassen sich unter dem Beitrag finden und einige davon widersprechen Shatner ganz eindeutig.
Es fallen Worte wie »absoluter Schandfleck von einer Serie« oder »das Woke-Zeug war furchtbar und machte es unerträglich, sich das anzusehen.« Um an dieser Stelle nur einmal zwei Beispiele zu nennen.
Von der stetigen Woke-Debatte hat wohl auch Shatner genug, der prompt eine Antwort parat hat: Der Kuss zwischen Captain Kirk und Uhura in Staffel 3, Folge 10 von Raumschiff Enterprise würde heutzutage wohl auch als »zu woke« gelten.
Link zum Twitter-Inhalt
Als meine Star Trek-Serie zum ersten Mal ausgestrahlt wurde und darin ein Kuss zu sehen war, nahmen viele Sender im Süden die Folge aus dem Programm und verurteilten die Serie. In der heutigen Sprache würde man das definitiv als woke DEI-Quatsch
bezeichnen, weil es den damaligen gesellschaftlichen Normen
widersprach. Es scheint sich nicht viel geändert zu haben.🤷🏼😑
Damit will Shatner den Menschen klarmachen, dass sich Star Trek nicht erst seit gestern Sachen traut und auf Tabu-Themen aufmerksam macht. Bei Hatern trifft er dabei aber wohl trotzdem auf taube Ohren.
Obacht: Was ist mit »wokeness« in dem Kontext gemeint?
Vor vielen Jahren stand der Begriff »woke« noch für die Sichtbarmachung von sozialen Ungerechtigkeiten wie Rassismus oder Sexismus. Mittlerweile wird er aber von extremen Rechten als eine Art Kampfbegriff
verwendet, um homo- und transphobe oder rassistische und sexistische Aussagen bewusst zu verstecken und salonfähig zu machen.
Starfleet Academy hat einen sehr diversen Cast, den allerersten offen schwulen Klingonen (Jay-Den Kraag) und auch einige weitere queere Figuren. Damit bietet die Serie leider den perfekten Nährboden für versteckten Rechtsextremismus.
Die Ironie dabei: Inklusion spielte schon immer eine große Rolle im Franchise. In den Anfängen fanden zwar queere Themen noch keine Plattform – was daran liegt, dass der Diskurs erst in den letzten Jahren öffentlicher ausgetragen wird –, aber eine diverse Besetzung gab es schon in der Originalserie Raumschiff Enterprise.
Falls ihr noch mehr zu Star Trek lesen möchtet, verlinken wir euch in der obigen Box weitere Artikel zum Thema.
Aktuell gibt es übrigens nur noch zwei Serien im Universum, die aber beide schon einen festen Endpunkt haben. Sowohl Starfleet Academy als auch Strange New Worlds werden ihre Geschichten voraussichtlich im Jahre 2027 abschließen.