Star Wars: Battlefront 3 muss 4 Dinge liefern, um ein Erfolg zu werden

Für 2021 sieht es eng aus mit neuen Star-Wars-Spielen, doch 2022 könnte es mit Battlefront 3 so weit sein. Sofern DICE ein paar Dinge grundlegend anders macht.

von Dimitry Halley,
07.02.2021 15:04 Uhr

Battlefront 2 liefert 2021, was alle anderen Shooter verschnarchen 13:33 Battlefront 2 liefert 2021, was alle anderen Shooter verschnarchen

Ich nerve euch gar nicht erst mit dem Offensichtlichen. Sollte nach Battlefield 6 irgendwann 2022 oder 2023 ein neues Star Wars: Battlefront 3 erscheinen, dann braucht das natürlich dieselben Dinge, die jeder gute Triple-A-Shooter liefern muss: vernünftiges Shooter-Gameplay, eine ansprechende Next-Gen-Optik, coole Maps, funktionierendes Matchmaking und, und, und.

Und dass eine neue Star-Wars-Kampagne bei Fans immer auf Gegenliebe stößt, sofern sie nicht so misslingt wie in Battlefront 2 - das ist mir genauso klar wie die Tatsache, dass DICE seit Bad Company 2 (2010) keinen guten Singleplayer mehr auf die Beine gestellt hat. Fangen wir also gar nicht an, hier ins Blaue zu spekulieren, bevor wir handfeste Infos haben.

Viel spannender finde ich die Frage, was ein Battlefront 3 in Abgrenzung zu seinem Vorgänger liefern muss. Denn nach fast vier Jahren an Patches, DLC-Updates und Co. ist das 2017er Battlefront 2 in vielerlei Hinsicht die formvollendete Star-Wars-Schlachtenfantasie: zig Maps in allen Krieg-der-Sterne-Zeitaltern, ein breites Ensemble von Helden wie Schurken, Fanservice wie Republic Commandos und Droidekas.

Wer dem Spiel seinen miesen Launch nicht verzeiht, darf das natürlich gern tun, doch unter den meisten Fans herrscht mittlerweile Konsens: Battlefront 2 ist großartig. Den jüngsten Videobeweis dazu findet ihr übrigens direkt oben als Artikelaufmacher. DICE müsste das Rad für Battlefront 3 also gar nicht neu erfinden - aber nach 400 Stunden mit dem Vorgänger bin ich mir ziemlich sicher: Wenn ein dritter Teil wirklich bei den Fans einschlagen will, muss er vier Dinge anders oder besser machen.

Der Autor: Senior-Redakteur Dimi war damals noch ein bartloser Trainee, als er für den Reveal des ersten DICE-Battlefront nach Los Angeles flog - und dort dann ziemlich enttäuscht wurde. Battlefront 1 sah sexy aus, keine Frage, aber bloß vier Planeten? Und nur eine Ära? Das Comeback des heißgeliebten Battlefront 2 von 2005 hatte er sich anders vorgestellt. Und der Rest der Welt offenbar auch: Die Battlefront-Marke hatte es nicht leicht in den letzten sechs Jahren - und das liegt nicht an mangelndem Talent (das zeigt Battlefront 2 heute), sondern an falschen Entscheidungen.

1. Free2Play oder: DICE braucht einen Plan

Battlefront 2 hatte keinen Plan. Oder zumindest einen sehr, sehr schlechten. Wie EA bis kurz vor Release Ende 2017 ein Pay2Win-Konzept für die bestmögliche Strategie halten konnte, das sie dann logischerweise direkt zum Launch in die Tonne kloppen mussten, ist mir bis heute ein Rätsel. DICE rennt seit Jahren (auch bei Battlefield) Multiplayer-Trends hinterher.

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Battlefield 5 lässt seinen eigentlich tollen Battle Royale ohne Support sterben, Battlefront 2 muss sich auf halber Strecke von seinem Season-Modell verabschieden, weil die DLCs nicht in die Gänge kommen - trotz aller Stärken ist der langfristige Plan von DICEs Shootern seit Jahren ein Stolperkurs. Im Fall von Battlefront 2 führte der zwar letztlich zurück in die Herzen der Fans, aber wie viel mehr wäre drin gewesen, wenn das Spiel direkt zum Launch funktioniert hätte?

Battlefront 3 braucht eine klare Strategie, die nicht nur hinterherrennt. Macht Battlefront 3 Free2Play wie Warzone. Große Shooter experimentieren mehr und mehr mit kostenlosen Modellen - warum nicht auch hier? Gebt Battlefront 3 einen kosmetischen Battle Pass, ein Season-Modell, kostenfreie Gameplay-DLCs. Jeder große Battle Royale lebt vor, dass man damit Millionen scheffeln kann, ohne dass wir als Fans darunter leiden müssen.

Mein gesamter Freundeskreis hat seit 300 Stunden Spaß mit Warzone, ohne je einen Cent dafür ausgegeben zu haben. Damit konkurriert ab sofort jeder andere Shooter. DICE braucht hier Antworten - und zwar schon für Battlefield 6 dieses Jahr. Und dieser Free2Play-Trend scheint zumindest ein Ansatz zu sein, über den sie nachdenken:

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2. Battlefront 3 braucht mehr Niveau

Battlefield und Battlefront sind Casual-Shooter. Daran muss und sollte DICE auch gar nichts ändern. Ich halte Zugänglichkeit für eine Stärke: Wo Neulinge in Escape from Tarkov oder Rainbow Six: Siege ähnlich aufgeschmissen sind wie Jar Jar Binks in der Schlacht um Naboo, bieten DICE-Shooter ein Einstiegsrampe ins Genre. In Battlefield haben auch Leute am unteren Ende des Scoreboards ihren Spaß, wo sie in Siege ein 12-jähriger anraunzen würde. Inklusive Mutter-Beleidigung. Und selbst ich mit meinen 31-jährigen Opa-Reflexen lande verlässlich oft weit oben im Ranking. Toll.

Aber Battlefront 2 übertreibt. Um sicherzugehen, dass sich selbst ein Tauntaun im Spiel zurechtfindet, streicht DICE wirklich jede Form von Komplexität aus seinen Mechaniken. Und das verdirbt vielen Shooter-Fans den Langzeitspaß. Nur fünf Waffen pro Klasse, kaum Aufsätze, fast keine strategische Tiefe im Mapdesign. Die Startgewehre kann man bei jeder Klasse links liegen lassen, die Star Cards bieten kaum echte Abwägung, es gibt nicht mal eine Übersichtskarte und der Squad-Spawn (und das Squad-System) kam erst nach Monaten per Patch.

Battlefront 2 bekam Squad-Spawns erst am Ende der dritten Season. In Battlefront 3 müssen solche Features Standard sein. Battlefront 2 bekam Squad-Spawns erst am Ende der dritten Season. In Battlefront 3 müssen solche Features Standard sein.

Battlefront 3 darf gerne zugänglich bleiben, sollte am anderen Ende des Spektrums aber Gameplay-Tiefe für Langzeit-Fans liefern. Vernünftige Loadouts, mit denen ich frei experimentieren kann. Eine freie Map-Auswahl. Und auch mal echte Teamaufgaben für jede Klasse: ein Support-Trooper, der Munition rankarrt, ein Offizier, der die Truppen heilt. In vielen langlebigen Shootern ist gutes Schießen bloß die erste Hürde, die ich meistern muss - danach beginnt das eigentliche Meistern. In Battlefront 2 endet dort die Reise, danach hält einen eigentlich nur noch die Star-Wars-Fantasie an Bord. Apropos ...

3. Wählt euren Star-Wars-Schwerpunkt weise

Das erste halbe Jahr nach Launch von Battlefront 2 war ermüdend zäh - und DICE trifft hier keine Schuld. Das Team war vertraglich daran gebunden, Inhalte zu den neuen Kinofilmen zu liefern, also Star Wars 8 und Solo. Und keiner davon war groß genug für die Rettung des Spiels, weil beispielsweise die Solo-Season bloß kleine Scharmützel-Karten wie Kessel brachte. Erst mit den Klonkriegen Ende 2018 steppte dann der Blurrg. Ein Battlefront 3 wird diese Hürde aller Voraussicht nach nicht nehmen müssen, weil abseits von Rogue Squadron keine großen Kinofilme am Horizont schimmern. Mehr dazu:

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Die perfekte Chance also, ganz gezielt die Dinge ins Spiel zu packen, die der Großteil der Fans wirklich will. Und bevor mir jetzt jemand wieder Sequel-Wut unterstellt: Ich spiele in Battlefront 2 gerne als Rey, Finn und Kylo Ren. Aber sind wir doch mal realistisch. Wenn DICE die Community wählen lässt, ob sie lieber als General Hux auf - ich muss das kurz googeln - Pasaana kämpfen wollen oder als Mace Windu auf Ryloth, dann dürfte das Umfrageergebnis kein knappes Rennen werden.

Die Prequel- und Imperiums-Ära hat noch so viel ungenutztes Potenzial! Qui-Gon Jinn, Senatorin Amidala, Mace Windu, Aayla Secura, Asajj Ventress und Fan-Liebling Ahsoka Tano, um nur ein paar aus der Prequel-Ära zu nennen. Und im Rebellen-Zeitalter? Wieso nicht den Mandalorianer Din Djarin, Cara Dune, Bo Katan, Ezra Bridger, Jyn Erso und so weiter?

Jyn Erso war die letzte DLC-Heldin von Battlefront (2015). Und wird in Battlefront 2 schmerzlich vermisst. Jyn Erso war die letzte DLC-Heldin von Battlefront (2015). Und wird in Battlefront 2 schmerzlich vermisst.

Eine junge Ahsoka Tano während der Schlacht von Christophsis zu spielen - dafür würden Fans sich doch in Karbonit einfrieren lassen! Es gibt noch so viele ungenutzte Schauplätze: Coruscant, Utapau, Teth, Umbara, Mustafar, Mygeeto - selbst kleine Schauplätze wie die Rishi-Mondbasis aus der Clone-Wars-Serie wären so coole Death-Match-Szenarien. Wir haben mittlerweile eine ganze Generation junger Erwachsener, die mit der Clone-Wars-Serie so aufgewachsen sind wie ich damals mit den Prequels und den Original-Filmen (Spät-80er-Kinder hatten zum Glück beides).

Die großen Kinofilme sind lange nicht mehr das, was im Star-Wars-Universum allein den Ton angibt. The Mandalorian und der ganze Fan-Kult um Ahsoka haben das jüngst bewiesen. Also DICE, schöpft aus diesem Fundus grandioser Schauplätze, Charaktere und Ideen!

Was ist denn mit The Old Republic? Obwohl Darth Revan und Darth Bane mittlerweile offiziell zum neuen Disney-Kanon von Star Wars gehören, halte ich ein Old-Republic-Szenario in Battlefront 3 für äußerst unwahrscheinlich. EA und Lucasfilm zeigen sich sehr vorsichtig, Geschichten und Charaktere aus alten Spielen in den neuen Kanon aufzunehmen - und hier müssten sie mal eben das komplette Szenario von Knights of the Old Republic einbauen und damit »kanonisieren«. Gleichzeitig würde das den anderen Ären (Prequels, Originalfilme, Sequels) Entwicklerressourcen rauben, und all das für eine Ära, die fast ausschließlich PC-Fans der 2000er-Jahre erlebt haben. Ich würde mich natürlich freuen, glaube aber nicht dran.

4. Ein richtig, richtig großer Modus

Und jetzt träume ich mal kurz. Battlefront 2 hat mit seinem »Capital Supremacy«-Modus im Ansatz das, was ein richtig epischer Conquest-Modus sein könnte. Dank Bots fühlt sich das 40-Spieler-Limit nicht so knapp an - und theoretisch kann ich mit meinem Team nach erfolgreicher Bodenoffensive sogar das feindliche Großkampfschiff zerstören. Großartig, aber bloß ein erster Schritt.

Battlefront 3 sollte einen Modus anbieten, der den Krieg der Sterne mal wirklich groß denkt. 64 oder sogar 100 Spielerinnen und Spieler, die sich am Boden und in der Luft keinen Meter Land gönnen. Mit Kanonenbooten, ATATs und Truppentransporten, die ich wirklich selbst steuere, statt bloß am Geschütz die immer gleichen Runden zu drehen. Und einem komplett dynamischen Entern der feindlichen Großkampfschiffe. Ihr wisst schon, wie damals in Battlefield 2142.

Aktuell finden die Kämpfe im Großkampfschiff nämlich auf eigens instanziierten Maps statt, was dem Gefecht viel Dynamik nimmt. Es wäre so viel cooler, am Boden Geschütze zu erobern, die den Schild des feindlichen Sternenzerstörers lahm legen, damit meine X-Flügler die Panzerung knacken und die Rebellen-Kommandos den Kahn entern können. Damit wäre man dann gar nicht mehr so weit weg von der ursprünglichen Vision des damals eingestellten Battlefront 3:

Battlefront 3 - Das Battlefront, dass wir nie kriegen werden 5:24 Battlefront 3 - Das Battlefront, dass wir nie kriegen werden

So, genug Träumerei von mir, jetzt seid ihr dran: Was würdet ihr euch für ein Battlefront 3 wünschen? Eine eigene Jar-Jar-Binks-Saison? Kyle Katarn? Die Yuuzhan-Vong-Kriege? Eine Thrawn-Kampagne? Schreibt's mir in die Kommentare!

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