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»Zur Hölle mit ihnen!« - Steam gibt es nur, weil Gabe Newell mal tierisch wütend auf die Publisher von Half-Life war

Sierra hat als Publisher von Valves Half-Life offenbar keinen allzu guten Job gemacht. Aber immerhin haben wir dafür heute Steam.

Dann muss man es eben selbst machen. Dann muss man es eben selbst machen.

Ursprünglich war Steam mal als Plattform für Multiplayerspiele wie Team Fortress und Counter-Strike gedacht, doch Valve entschied sich schnell, die eigens entwickelten Titel dort auch gleich selbst zu verkaufen. Womöglich wissen wir jetzt, was genau der Auslöser für diesen Kurswechsel war.

Laut einem der Schöpfer von Counter-Strike hat Valve-Gründer Gabe Newell ein großes Problem mit dem Publisher von Half-Life gehabt und das nahm später noch ganz andere Ausmaße an.

Video starten 1:15:08 Was stimmt nicht mit Valve?

»Nie wieder mit Publishern«

Counter-Strike-Schöpfer Minh Le plauderte in einem Video mit Youtuber Indie Game Joe ein wenig aus dem Nähkästchen. Neben einigen exzentrischen Eigenheiten Newells – wie etwa seiner Vorliebe für mongolischen Kehlgesang – erwähnt Le auch jenen Auslöser, der vermutlich die Entstehung von Steam einläutete.

Ich glaube, Gabe war derjenige, der damals meinte: »Zur Hölle mit diesen Publishern!« Er hatte eine extrem schlechte Beziehung zu – nun, das ist ja ohnehin weitgehend bekannt, von daher kann man das wohl offen sagen. Valve arbeitete damals mit einer Firma namens Sierra zusammen, das war ihr Publisher. [...]

Aber die Zusammenarbeit mit Sierra war eine so furchtbare Erfahrung und hinterließ bei Gabe einen derart bitteren Nachgeschmack, dass er einfach sagte: »Scheiß drauf. Ich will nie wieder irgendwas mit Publishern zu tun haben.« Und so kam er auf die Idee, Steam zu entwickeln – im Grunde einen digitalen Marktplatz, über den sie ihre Spiele direkt selbst vertreiben konnten.

Diese Entscheidung stieß im Team allerdings nicht auf bedingungslose Gegenliebe. Anfang der 2000er war das Internet für viele tatsächlich noch Neuland. Die Leute kauften Spiele nicht online, sondern im Laden. Le selbst war der Meinung, dass sich Steam als Online-Marktplatz nie durchsetzen würde, doch wie wir heute wissen, lag er damit mehr als falsch.

Für Half-Life 2 nahm Valve den Vertrieb dann selbst in die Hand. Für Half-Life 2 nahm Valve den Vertrieb dann selbst in die Hand.

Valve vs. Sierra

Aber was war denn jetzt das Problem, das Newell mit Sierra hatte? Nun, was während der Zusammenarbeit für Half-Life schief lief, wissen wohl nur die Beteiligten selbst. Le deutet im obigen Zitat aber bereits an, was nach dem Release des Ausnahme-Shooters passierte.

Sierra On-Line vertrieb Half-Life für Valve Ende der 1990er und Anfang der 2000er. Der abgeschlossene Vertrag räumte Sierra bestimmte Rechte am geistigen Eigentum von Valves Spielen ein, die 2001 aber eingeschränkt wurden. Demnach sollte dem Publisher lediglich der Verkauf von physischen Schachteln im Einzelhandel überlassen werden.

Um 2002 herum bemerkte das Studio allerdings, dass Sierra gegen die neuen Vertragsbedingungen verstieß, indem es Valves Titel in Internetcafés vertrieb und die Gewinne selbst einstrich. Daraufhin verklagte Valve Sierra (beziehungsweise den Mutter-Konzern Vivendi) wegen Urheberrechtsverletzung und einbehaltener Tantiemen.

Vivendi hielt mit einer Gegenklage dagegen, die es Valve untersagen sollte, Half-Life in Zukunft auf Steam zu vertreiben. Laut ihrer Auffassung habe Newells Unternehmen durch die Entwicklung von Steam versucht, den Publishing-Vertrag zu umgehen.

Die Wende brachte ein Held, der viel zu selten Anerkennung bekommt: ein Praktikant aus Korea. Vivendis Strategie war es, Valve unter Millionen von Beweisdokumenten zu begraben, doch sie haben nicht mit einem Praktikanten gerechnet, der imstande war, das Zettelchaos zu übersetzen.

Unter den Akten befanden sich haufenweise ungeordnete Dokumente auf Koreanisch, die der Praktikant ins Englische übersetzte. Dabei stieß er auf Dokumente, die belegten, dass Vivendi vorsätzlich Beweise vernichten ließ, die im Zusammenhang mit dem Vertrag mit Valve standen.

Das Gericht fand das gar nicht witzig und untersagte Vivendi weitere Rechtsmittel. Valve gewann den Prozess, sicherte sich die Rechte an Half-Life und Counter-Strike und überlegt womöglich bis heute, ob sich ein dritter Teil für beide IPs überhaupt lohnt.


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