Als die Open World von Street Fighter 6 angekündigt wurde, habe ich mit den Augen gerollt. Wieder ein Fighting Game mit irgendeinem Gimmick, das die Leute darüber hinwegtäuschen soll, dass Fighting Games jenseits der knallharten kompetitiven Online-Szene in der Regel kaum etwas bieten können. Und dann auch noch Street Fighter?
Was interessiert mich denn irgendein NBA-2K-mäßiger Lauf als Nobody durch die Hood und verdien dir Respekt
-Modus ausgerechnet in Street Fighter 6? Sowas kann meinetwegen UFC 4 oder ein Boxspiel anbieten, wo es wirklich um Simulationen und Kampfsportkarrieren geht, aber doch kein abgedrehter Animeprügler, in dem Leute Feuerbälle verschießen oder - noch unrealistischer - eine derart stabile Frise wie Guile genießen.
Doch Capcoms Rechnung ist gar nicht so unklug. Während ich als Fighting-Game-Fan vor allem auf die Charakterauswahl, die neuen Manöver und Detailverbesserungen von Street Fighter 6 schiele, höre ich von meinen eher fachfremden Teamkollegen in erster Linie Ach, das ist ja mal cool mit der Open World.
Und das nehme ich ernst, weil ich a) kein elitärer Fighting-Game-Snob sein will (dafür bin ich auch viel zu schlecht) und b) ja unbedingt möchte, dass sich mehr Leute für dieses fantastische Genre interessieren. Außerdem packt mich c) natürlich schon die Neugierde, ob in diesem Open-World-Modus ja vielleicht doch mehr als ein Gimmick steckt.
Und nachdem Capcom mir eine spielbare Version zugespielt hat, kann ich sagen: Jau, dieser Modus geht ja mal so derbe ab, dass ich mich viel emsiger darauf freue, als ich für möglich gehalten hätte.
Moment, dieser Modus erzählt eine Geschichte?
Eigentlich ist die Open World von Street Fighter 6 schnell erklärt. Ihr erstellt euch in einem umfangreichen Editor einen eigenen Fighter (m/w/d) und landet in Metro City (einmal Hand hoch, wer das noch aus Final Fight kennt), also einer Fantasie-Variante von New York City. Dort treiben alle möglichen Gangs ihr Unwesen, aber zum Glück gibt's ja Kampfsport-Nachwuchstalente wie euch, die richtig Bock haben, Leuten die Kauleiste zu massieren.
Street Fighter 6 erzählt eine Geschichte, die sich mal ein bisschen ernst nimmt und mal überhaupt nicht. Mein Fighter schreibt sich zu Beginn beispielsweise bei Street-Fighter-Charakter Luke ein und muss gemeinsam mit seinem Rivalen durchaus charakterliche Entwicklung durchmachen ... nur heißt dieser Rivale ausgerechnet Bosch, obwohl er weder Titus Welliver gleicht, noch wie eine Bohrmaschine aussieht.
3:06
Street Fighter 6 enthüllt im Trailer einen überraschenden Singleplayer-Storymodus
Und mein Training findet draußen auf der Straße statt, wo ich nahezu jedem dahergelaufenen Passanten aufs Maul hauen kann. Denn weil in Metro City in den 80ern so hohe Bandenkriminalität herrschte, sind alle Einwohner Kampfsportler - vom Straßenkünstler bis zur alten Omi. Japp.
Aber wie gesagt: Der Open-World-Modus erzählt tatsächlich eine Geschichte mit Zwischensequenzen, Charakteren und so weiter. Ihr arbeitet euch von einem ikonischen Street-Fighter-Charakter zum nächsten vor, erledigt beispielsweise Quests für Chun-Li, um ihre Kampfkünste zu lernen und so weiter. Aber da sind wir schon beim Gameplay.
Was mache ich denn in der Open World?
In der Open World bewegt ihr euch frei mit eurem Charakter durch die Straßen von Metro City, schaltet nach und nach neue Distrikte wie Chinatown frei und sucht Kämpfe. Sobald ihr einem Passanten eine mitgebt, beginnt ein klassischer Street-Fighter-Kampf. Alle NPCs beherrschen einen Mix aus Manövern, die von den ursprünglichen Fightern stammen, also Ken, Ryu, Guile und so weiter.
Gewinnt ihr den Kampf, hagelt es Erfahrungspunkte, ihr levelt eure Figur, schaltet neue Buffs, Klamotten und Manöver. Klassische Upgrade-Spiralen wie in einem Action-Rollenspiel. Mit euren Manövern sucht ihr übrigens auch nach Geheimnissen in der Open World: Wie im echten Leben könnt ihr beispielsweise mit einem beherzten Wirbeltritt Häuserschluchten überwinden.
Auf einem Dach traf ich auf einen Superhelden, der 20 Level über mir war. Schaffe ich so einen Fight, hagelt es noch mehr Erfahrungspunkte. Und natürlich habe ich gewonnen. Nein, wirklich. Ehrenwort. Nein, das sind gekreuzten Finger.
Jetzt könnt ihr natürlich zurecht fragen:
Was ist daran so besonders?
Der World Tour Mode von Street Fighter 6 hat einen sehr, sehr einnehmenden Flow. Ihr schlittert von einem Fight in den nächsten, lernt neue Manöver und somit auch die Werkzeugkästen der bekannten Street-Fighter-Charaktere anders kennen als durch trockenen Wettkampf-Grind im Multiplayer.
Nach drei Stunden Anspiel-Session wollte ich gar nicht mehr aufhören, mich zu Ken, Guile und Co. vorkämpfen, um deren Fertigkeiten zu lernen, zu leveln und, und, und.
Nachdem Street Fighter 5 vor Jahren in einem absolut skeletthaften Minimalzustand auf den Markt kam, bin ich sehr happy, dass der Nachfolger aller Voraussicht nach aus den Fehlern lernt: Ich bekomme einen ordentlichen Arcade-Modus, Multiplayer, Trainingsoptionen und einen waschechten Open-World-Modus, der sich nach mehr anfühlt als reiner Beschäftigungstherapie, um Open World auf die Packung schreiben zu können.
Die Demo zu Street Fighter 6 ist mittlerweile auch auf Steam erhältlich, also gebt dem gerne eine Chance und schreibt mal in die Kommentare, was ihr davon haltet.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.