Mario-Spiele der 80er und 90er nutzen denselben Effekt wie ein Buch von 1830

Den sogenannten Parallax-Effekt haben sich vor allem Side-Scroller aus den 80er- und 90er-Jahren zunutze gemacht.

Mario hat tatsächlich etwas mit einem fast 200 Jahre alten Buch gemein. (Bild: Karjalas - adobe.stock.com, Nintendo) Mario hat tatsächlich etwas mit einem fast 200 Jahre alten Buch gemein. (Bild: Karjalas - adobe.stock.com, Nintendo)

Was haben ein deutsches Buch aus dem 19. Jahrhundert und Super Mario-Spiele gemeinsam? Auf den ersten Blick eigentlich nichts.

Auf Reddit ist ein User mit dem Namen shankingsh allerdings auf ein interessantes Buch gestoßen, das bereits um 1830 herum auf einen optischen Effekt setzte, der erst rund 150 Jahre später das 8- und 16-Bit-Gaming revolutionieren sollte.

Video starten 0:37 Ein deutsches Buch von ca. 1830 nutzt einen Effekt, der auch im Game Design zum Einsatz kam

Im Video zu sehen ist das Buch »Das Rheintal von Bingen bis zum Lurley« (eine Namensvariante der Loreley). Es liest sich allerdings nicht wie ein herkömmliches Buch, sondern lässt sich wie ein Akkordeon aufklappen. Durch einen schmalen Schlitz auf dem Cover schaut man dann durch die vielen Schichten und erlebt das Rheintal von Bingen bis zur Loreley – zumindest theoretisch.

Die Tiefe entsteht durch den Schlitz und die einzelnen Seiten, die immer weiter vom Betrachter entfernt sind. Das nennt sich Parallax-Effekt.

Was sind Parallaxe?

Im Grunde genommen ist der Parallax-Effekt ganz simpel erklärt: Wird ein Objekt vor einem Hintergrund von zwei verschiedenen Positionen aus betrachtet, so verändert sich die Stelle des Hintergrunds, vor dem das Objekt optisch liegt.

Auf das Buch umgemünzt bedeutet das: Je weiter hinten die Seite liegt, desto weiter entfernt erscheint sie. Hier bewegt sich die Seite und nicht der Betrachter.

Eine berühmte Filmreihe nutzt den Parallax-Effekt maximal aus.

Gandalf und Frodo Durch eine optische Täuschung wirkt Gandalf größer als Frodo.

Der Eine Ring Für besondere Kameraeinstellungen wurde beim Dreh von Herr der Ringe eine besonders große Replika des titelgebenden Rings benutzt.

Hobbits und Zwerge sind deutlich kleiner als Menschen oder Elben. Damit das auch so wirkt, hat Peter Jackson sogenannte »Forced Perspective« genutzt, also eine optische Illusion, bei der Gandalf deutlich größer wirkt als Frodo, weil er näher zur Kamera positioniert ist.

Doch was hat das mit Super Mario zu tun?

Bewegungsparallaxe oder Parallax Scrolling

Bewegungsparallaxe haben wir alle schon erlebt. Darunter versteht man in der Wahrnehmungspsychologie den Effekt, wenn man sich parallel zu Objekten in einer Landschaft bewegt und diese unterschiedlich schnell an vorbeiziehen.

Stellt euch Folgendes vor: Ihr sitzt im Auto oder Zug und schaut aus dem Fenster. Bäume am Wegesrand rauschen nur so vorbei. Ein Haus in der Ferne könnt ihr eine ganze Zeit lang beobachten und der Berg weit weg bewegt sich nur sehr langsam an euch vorbei.

Parallax Scrolling wurde bei Side-Scrollern und Jump-&-Runs wie Super Mario World verwendet, um Tiefe zu suggerieren. Um das zu erklären, schaut euch folgendes Bild an:

Sice-Scroller nutzen mehrere Schichten, um Tiefe und Immersion zu erzeugen (Bild: Nintendo) Sice-Scroller nutzen mehrere Schichten, um Tiefe und Immersion zu erzeugen (Bild: Nintendo)

Side-Scroller nutzen unterschiedliche Layer, also Schichten, die sich verschieden schnell zueinander bewegen. Mario; die Plattformen, auf denen er läuft; die Münzen und der Busch stehen auf einer Ebene im Vordergrund; Hügel und Wolken im Hintergrund.

Der Vordergrund bewegt sich immer so schnell, wie die Spielfigur es tut, der Hintergrund dagegen langsamer, um zu suggerieren, dass er weiter weg ist. Das erzeugt die Illusion von Tiefe – genau wie beim aus dem Fensterschauen im Zug oder Auto.

Dieses YouTube-Video geht noch mal im Detail darauf ein.

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Das Buch vom Anfang des Artikels nutzt natürlich nur den Tiefen-Effekt und keine Bewegung, aber Parallaxen sind es beide.

Ist Parallax Scrolling mit den 3D-Spielen eigentlich ausgestorben? Tatsächlich kommt es heute, abseits von Indie-Titeln, ganz woanders als im Game-Design zum Einsatz.

Parallax Scrolling in Webdesign

Webseiten mit Parallax Scrolling trifft man nicht allzu häufig an, aber sie erzeugen immer wieder einen Wow-Effekt, wenn man auf sie stößt.

Parallaxe kommen im Webdesign tatsächlich oft dann vor, wenn eine Website keine Unterseiten hat und man sich nur auf der Homepage nach unten scrollt. Eine Website zu den Goonies, nach dem gleichnamigen Film mit Sean Astin, setzt Parallax Scrolling mit großem Effekt ein.

Das Bild der Webseite zum Film erzählt natürlich nur die halbe Geschichte. Das Bild der Webseite zum Film erzählt natürlich nur die halbe Geschichte.

Man blickt zunächst auf das offene Meer und begibt sich dann mit dem Mausrad aus dem Gebüsch heraus. Die Schatten der Pflanzen verschwinden zum Rand, das Bild der Riffe kommt näher.

Besonders bekannte Tech-Hersteller nutzen Parallax Scrolling, um ihre Geräte ins rechte Licht zu rücken, wie Apple etwa seine AR/VR-Brille Vision Pro.

Von virtueller Realität ist das Buch von 1830 natürlich um Welten entfernt. Da ist es leichter, mit Mario durch die Welt von Super Mario World zu flitzen.

Der Parallaxe sind ein wunderbarer Beweis dafür, wie Menschen sich Effekte zur Unterhaltung zunutze machen. Früher schauten wir durch Löcher auf ein Akkordeon, heute ziehen wir Brillen auf. Und welches ist eigentlich euer liebstes Jump-&-Run? Schreibt es gerne in die Kommentare, sofern ihr dem Hüpf-Genre etwas abgewinnen könnt.

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