Apple ist sicherlich ein streitbares Unternehmen: Hohe Preise und das geschlossene Ökosystem wurden schon oft genug thematisiert.
Unbestreitbar ist allerdings, dass es Apple wie kaum einem anderen Unternehmen auf der Welt gelingt, gleichzeitig ein Maximum an Kontrolle über Technik, Design und Kommunikation auszuüben und dabei dennoch ganze Heerscharen an Menschen zu begeistern.
Apple ist nicht bloß eine Marke. Es ist beinahe eine Religion.
Dieselbe Ambivalenz lässt sich auch Firmengründer Steve Jobs zuschreiben. Er wird zwischen Genie und Kontrollwahn, Vision und Härte, Inspiration und Dogmatismus wahrgenommen.
Apple und Jobs sind außerdem dafür bekannt, nichts, wirklich gar nichts, dem Zufall zu überlassen. Das gilt für ihre Produkte ebenso wie für jedes winzige Marketingdetail.
Um eine dieser unscheinbaren, aber bedeutungsschwangeren Feinheiten soll es in diesem Artikel gehen:
Warum zeigen iPhones und iPads in Werbung und auf Produktfotos immer dieselbe Uhrzeit an? Und warum exakt 9:41 Uhr?
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Warum ist das so?
Die Geschichte führt zurück zu einem ganz besonderen Moment – nicht nur für Apple, sondern für die ganze Welt. Am 9. Januar 2007, gegen 9:30 Uhr vormittags Ortszeit San Francisco, sagte Steve Jobs den berühmten Satz:
Today, Apple is going to reinvent the phone.
(zu Deutsch: Heute wird Apple das Telefon neu erfinden.)
Und tatsächlich: In diesem Moment begann eine neue Ära. Auch wenn es zuvor schon Geräte wie den IBM Simon (1994), die Nokia-Communicator-Reihe (ab 1996), Palm Treo, BlackBerry und diverse Windows-Mobile-Modelle gab, verband Apple all das, was vorher schon existierte, zu einem eleganten, intuitiven Gerät mit Multitouchdisplay.
Das iPhone war nicht das erste Smartphone, aber das erste, das die Welt auf Anhieb verstand.
Nur elf Minuten nachdem Jobs die legendären Worte gesprochen hatte, erschien auf der großen Leinwand das erste iPhone – mit 9:41 Uhr auf dem Display.
Apple hatte die um 9 Uhr beginnende Keynote auf der Macworld so geplant, dass nach etwas über 40 Minuten das iPhone gezeigt werden sollte. Jobs hielt sich also exakt ans Drehbuch.
Warum wurde früher oftmals 9:42 Uhr genannt?
Lange kursierte die Uhrzeit 9:42 im Netz. Es existieren sogar offizielle Produktfotos, auf denen iPhones mit 9:42 Uhr zu sehen sind, oder wo Made 9:42am
daneben steht. Der Grund liegt vermutlich darin, dass die interne Präsentationsplanung ursprünglich 9:42 Uhr vorsah, im Vorfeld der Keynote jedoch auf 9:41 Uhr angepasst wurde.
Älteres Bildmaterial, das die Presse bereits vorab erhalten hatte, zeigte deshalb noch 9:42 Uhr.
Im Jahr 2010, bei der Präsentation des iPad, griff Apple diesen Umstand auf und etablierte endgültig die tatsächliche Uhrzeit – also 9:41 Uhr.
Seitdem zeigen alle Produktbilder zu iPhones und iPads dieselbe Uhrzeit.
Doch das ist mehr als nur Nostalgie.
Apple folgt einem exakten Ablauf
Scott Forstall, damaliger iOS-Chef, erklärte später, man plane die Keynotes generell so, dass die Produktenthüllung etwa 40 Minuten nach Beginn stattfinde. Die Uhrzeit auf dem Gerät solle dann möglichst genau der echten Zeit im Saal entsprechen.
Wie alles bei Apple ist also auch dieser Moment perfekt inszeniert, bis auf die Minute genau.
Das Unternehmen folgt damit der Philosophie seines verstorbenen Gründers: Aus etwas vermeintlich Unwichtigem etwas fast Religiöses zu erschaffen.
9:41 Uhr steht nicht nur für den Aufbruch in die Smartphone-Ära, sondern auch für Apples Hang zum Detail, zur Kontrolle und zur Perfektion.
Und wenn auf Apples Produktbildern neben der Uhrzeit auch ein Datum steht, ist selbst das kein Zufall. Häufig ist der 7. September zu sehen, der Tag einer großen iPhone-Präsentation.
Manchmal erscheint der 1. April, eine Hommage an den Gründungstag von Apple im Jahr 1976, oder der 5. Januar, ein stiller Verweis auf die letzte echte Macworld-Keynote 2009.
So hat alles seine eigene kleine Geschichte, während die Uhrzeit als übergeordnetes Symbol bestehen bleibt.
9:41 Uhr ist daher längst mehr als ein Moment. Es ist ein Mythos.



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