Wie eine jahrhundertealte Technik im Häuserbau für unsere Zukunft neu erfunden wurde

Man muss das Rad nicht immer ganz neu erfinden. Manchmal reicht es, Altbewährtes neu zu kombinieren.

Dieser Screenshot zeigt die Herstellung der Ziegelsteine. Klar erkennbar: Die Steinwolle in den Lücken. (Quelle: Wienerberger, YouTube) Dieser Screenshot zeigt die Herstellung der Ziegelsteine. Klar erkennbar: Die Steinwolle in den Lücken. (Quelle: Wienerberger, YouTube)

Seit die Menschen vor 12.000 Jahren sesshaft wurden, schritt die Erforschung neuer Baumaterialien immer weiter voran. Von Rundhütten aus Holz und Schilf über spätere quadratische Bauten mit Lehmziegeln bis zu den heutigen Fertighäusern.

Die dabei verwendeten Techniken können uns auch heute noch helfen. Ein Ansatz ist es etwa, die alten Materialien neu zu erfinden. Ein Beispiel sind die ISObrics, eigentlich normale Ziegelsteine, die an die modernen Anforderungen von Klimaschutz und Wärmetechnik angepasst wurden - mit Steinwolle.

Die Idee dahinter ist - in Relation gesetzt - nicht ganz so neu. Seit den 2000ern werden vermehrt Ziegelsteine mit Dämm-Material verbaut. Insgesamt stellt es aber den neuesten Schritt in der Geschichte des Ziegels dar.

ISObric: Aus Alt mach Neu

Ziegelsteine gibt es eigentlich schon seit einigen tausend Jahren. Später in der Geschichte wurden sie gebrannt, um so ihre Haltbarkeit zu erhöht. Der aktuelle Schritt der Entwicklung: Die Lücken der Ziegel werden mit Steinwolle gefüllt. Damit soll der alte Ziegel eine neue Dämmwirkung erhalten.

Hier seht ihr, wie diese Ziegelsteine hergestellt werden:

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Für alle Zahlennerds: Diese Ziegel sind 20 cm breit und 29,9 cm hoch und zwischen 45 und 50 cm lang.

Laut Datenblatt der Firma sollen die 20 cm dicken Ziegel so auf einen – laut Firma – optimalen Wärmewiderstand (R = 2,00 m² K/W) kommen.

Was bedeutet diese Zahl? R steht für Wärmedurchlasswiderstand. Der R-Wert ist der Quotient aus Dicke d und dem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit eines Bauteiles: R = d / λ.

Dabei gibt die Wärmeleitfähigkeit λ an, welcher Wärmestrom in Watt (W) durch eine 1 m² große und 1 m dicke ebene Schicht eines Stoffes durchgeht, wenn die Schichtoberfläche in Richtung des Wärmestroms 1 Kelvin (K) beträgt: λ ist W/(m·K).

Vor- und Nachteile solcher Ziegelmauern mit dem Dämmstoff Steinwolle

Beim Material der Ziegel handelt es sich um Terrakotta-Ton – einen Baustoff, den schon die Ägypter seit etwa 5000 v. Christus verwendeten. Der soll in Kombination mit der Steinwolle Temperaturschwankungen ausgleichen. Gerade im Herbst oder Winter ist das für die Umwelt und - ein wenig egoistischer gedacht - auch für euren Geldbeutel von Bedeutung, weil ihr dann eventuell weniger heizen müsst.

Übrigens: Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie viel man eigentlich heizen muss – und was passiert, wenn man es als Mieter nicht macht.

Der Vorteil von Steinwolle: Die Mineralwolle ist hydrophob, was die Wände laut Hersteller weniger anfällig für Schimmel macht. Außerdem besitzt Steinwolle einen gewissen Brandschutzfaktor. Sie fällt unter die Baustoffklasse 1 und gilt als nicht brennbar.

Bei anderem Dämmmaterial wie Styropor oder ökologischen Stoffen wie Kork oder Holzfasern ist das nicht der Fall.

Laut dem Hersteller soll durch diese Dämmschicht im Inneren der Ziegel die Dicke der Mauern um 6 cm reduziert werden können. Insgesamt zielt der Ziegel darauf ab, Platz zu sparen und zu isolieren und so die Heizkosten zu senken. Außerdem fällt durch die verringerte Größe am Ende vom Tag weniger Bauschutt an.

Der Nachteil von Steinwolle: Beim Abriss des Hauses gilt alte Steinwolle als Sondermüll. Das bedeutet, dass hier ein zusätzlicher Aufwand entsteht, das Baumaterial zu trennen. Außerdem heizt Steinwolle seit Jahren eine Debatte über ihre Gesundheitsverträglichkeit an.

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Eine weitere Idee beim Bau: Hanfbeton

Kein Witz, Hanf gilt als Rohstoff der Zukunft. Das schreibt zumindest das Magazin Xataka. Bei diesem Beton wird Hanf, Kalk und Wasser vermischt. Doch warum sollte man so etwas verwenden?

Hanfbeton soll ein Biokomposit-Material sein, welches atmungsaktiv ist und Feuchtigkeit verhindert. Außerdem soll das Material eine schalldämmende Wirkung von 37 bis 45 Dezibel besitzen.

Wer bei Hanf größtenteils Cannabis im Kopf hat – diese Pflanze scheint neben seiner Drogendebatte ein wahrer Klimaprofi zu sein:

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Hanf ist ein extrem guter Isolator. Es ist bekannt, dass er die Luftfeuchtigkeit reguliert und eine gemütliche Wohnumgebung schafft. Er ist feuerfest und daher ideal für die australischen Bedingungen und andere heiße, trockene Orte wie Kalifornien.

Das erklärt auch Rachel Burton von der University of Adelaide im Interview mit Xataka.

Wie auch beim ISObric ist also auch der Hanfbeton ein Weg, die Nachhaltigkeit bei heutigen Bauprojekten zu stärken. Natürlich gibt es noch zahllose, weitere Alternativen und man kann gespannt sein, was kluge Köpfe auch in der Zukunft noch alles an alten Ideen neu erfinden wird.

Lesenswert: Genug vom Ziegelstein und ab ins Weltall? Hier lest ihr eine Story, wie eine indische Mondmission ihre Rakete mit blinkender Tankanzeige wieder in einen Erdorbit zurückbrachte.

Was denkt ihr über den ISObric? Muss man jedes Mal das Rad neu erfinden oder bieten gerade solche Ansätze das höchste Potenzial für die Nachhaltigkeit der Zukunft? Kennt ihr weitere coole oder verrückte Ideen wie den Hanfbeton? Schreibt uns eure Gedanken gerne in die Kommentare.

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