In 14 US-Staaten wollen sie neuen KI-Rechenzentren den Saft abdrehen – und Texas zeigt, warum

In mindestens 14 US-Staaten erwägen Abgeordnete laut einer Recherche des Nachrichtenmagazins WIRED und der Watchdog-Redaktion Floodlight Verbote oder befristete Baustopps für neue KI-Rechenzentren. Ein Fall aus Texas zeigt exemplarisch, warum.

In Texas zeigt der Fall von OpenAIs Rechenzentrum Stargate, wie ein Genehmigungs-Schlupfloch Anwohner faktisch übergeht. (Bildquelle: Sepia100, Adobe Stock) In Texas zeigt der Fall von OpenAIs Rechenzentrum Stargate, wie ein Genehmigungs-Schlupfloch Anwohner faktisch übergeht. (Bildquelle: Sepia100, Adobe Stock)

Die Luftwaffenveteranin Omaira Garcia erzählt, wie sie erst nach Baubeginn im Sommer 2024 erfuhr, dass direkt neben ihrer kleinen Ranch in Abilene OpenAIs Flaggschiff-Rechenzentrum »Stargate« entstehen würde. Heute steht die gasbetriebene Kraftwerksanlage der Anlage rund 500 Meter von ihrem Haus entfernt, die Abgasschlote sind vom Küchenfenster aus zu sehen.

Wir hatten keine Zeit zu verstehen, welche Auswirkungen das auf uns haben würde. Wir sitzen hier fest.

Möglich wurde das durch eine regulatorische Lücke, die laut Floodlight/Wired dutzenden texanischen Rechenzentren zugutekommt: Statt der eigentlich vorgeschriebenen aufwendigen Umweltprüfung mit Bürgerbeteiligung genügten für Stargate sogenannte »Minor-Permits« – Genehmigungen, wie sie sonst für Reinigungen oder Autowerkstätten ausgestellt werden.

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Zehn Turbinen, 62 Generatoren – genehmigt wie eine Waschanlage

Unter diesen abgespeckten Genehmigungen darf Stargates Anlage aus zehn Gasturbinen und 62 Diesel-Notstromgeneratoren jährlich mehr als 1,6 Millionen Tonnen Treibhausgase sowie 1.000 Tonnen weiterer Schadstoffe ausstoßen.

Bruce Buckheit, Ex-Chef zur Durchsetzung bei der Luftreinhaltung bei der US-Umweltbehörde EPA, hält das für widersinnig: Die Minor-Permits seien für kleine, häufige Fälle gedacht – »bei 62 fragt man sich, ob mit der Größenordnung etwas nicht stimmt«.

  • Das Muster wiederholt sich: Ein Jahr nach der Erstgenehmigung beantragte die Entwicklerfirma Crusoe bereits 41 weitere Turbinen und 18 weitere Generatoren – diesmal über das aufwendigere Hauptverfahren, weil die Anlage dann eines der größten fossilen Kraftwerke des Bundesstaats wäre.
  • Landesweit haben seit 2024 mindestens 38 texanische Rechenzentren so über 2.100 Diesel-Generatoren genehmigt bekommen – zusammen dürfen sie drei Mal mehr Stickoxide ausstoßen als das jüngste Kohlekraftwerk des Staates.

Die Aufsichtsbehörde TCEQ äußerte sich zu den Floodlight-Recherchen nicht konkret und verwies nur darauf, Genehmigungen nach geltendem Recht zu erteilen. Die ehemalige Mitarbeiterin Kathryn Guerra hält die Behörde für personell überfordert: Bei über 1.400 unbearbeiteten Fällen und einer Bearbeitungsquote von 39 Fällen im Vorjahr würde die Aufarbeitung 35 Jahre dauern.

Crusoe erklärte gegenüber Wired, man nehme Lebensqualitäts-Bedenken der Anwohner ernst und wolle »ein verantwortungsvoller Nachbar« sein; die Investitionen finanzierten unter anderem neue Feuerwehrfahrzeuge und Schulerweiterungen in Abilene. OpenAI selbst reagierte indes nicht auf Anfragen.


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Kein Einzelfall: Der nationale Gegenwind wächst

Texas ist damit auch ein Lehrstück für eine Entwicklung, die längst über den Bundesstaat hinausreicht. Laut der National Conference of State Legislatures erwägen Gesetzgeber in mindestens 14 US-Staaten Verbote oder Moratorien für neue Rechenzentren.

Für Garcia kommt hingegen jede politische Debatte zu spät. Einen Käufer für ihr Haus fand sie nicht – Makler rieten ihr, daraus eine Unterkunft für Stargate-Arbeiter zu machen: »Es [der Verkauf] fühlt sich fast unmöglich an, es sei denn Stargate kauft es selbst ab«.


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