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Seite 3: The Witcher 4: Was wir vom Nachfolger eines Rollenspiel-Meisterwerks erwarten [Best of GameStar]

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Eine weniger dringende Haupthandlung

Mary Marx: Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber für meinen Teil können die Probleme unserer neuen Witcher-Heldin Ciri auch mal etwas kleiner ausfallen, damit sie sich glaubwürdiger in die Open World einfügen. Mein Problem mit Geralt in Witcher 3 war, dass er eigentlich keine logische Erklärung dafür hatte, seine Suche nach Ciri abzubrechen und lieber irgendwo Kopfgeldaufträge zu sammeln, Gwent zu spielen oder eine Ziege zu seinem Besitzer zurückzubringen. Sprich: Die Open World wollte einfach nicht zur Story passen.

Genau hier würde ich mir vom neuen Witcher-Spiel Veränderung wünschen, indem sie einfach jegliches zeitliche Limit aus der Story streichen und stattdessen mit anderen Methoden arbeiten, um uns lahme Spieler voranzutreiben, die jeden Busch am Wegesrand ganz genau in Augenschein nehmen. Vielleicht ist eine Story in mehreren Akten eine Idee, in der wir uns erst einen Namen oder ein anderes Ziel durch verschiedene Aufträge erarbeiten müssen. Oder denkt an Mass Effect, in dem wir erst langsam ein Team zusammenstellen. Möglichkeiten gibt es viele.

Wie sie es am Ende anstellen, ist mir offen gestanden relativ egal. Ich möchte beim Spielen einfach nur kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn ich lieber zur nächsten Nebenquest renne, anstatt meine Ziehtochter zu retten. 

Bei Release fertig gestelltes, bugfreies Spiel

Gloria H. Manderfeld: In genau dem Moment, in dem ich mitbekommen habe, dass ein neues Witcher-Spiel angekündigt wurde, war mein erster Gedanke: Hoffentlich wird CD Projekt Red dieses Mal nicht von irgendwelchen Entscheidern dazu getrieben, ein halb fertiges Spiel zu veröffentlichen. Eben wie bei Cyberpunk 2077 geschehen, das unglaublich viele tolle Ansätze bei Release mitbrachte, aber eben an so vielen Ecken und Enden sichtbar geknirscht hat.

Egal wie die angekündigte Open World aussieht - solange das Spiel als Bugfest erscheint, abseits der Hauptgeschichte die Spielwelt weitgehend leer ist oder viele Möglichkeiten fehlen, war’s das mit der vielgerühmten Strahlkraft des Franchise.

Es ist ein bisschen bitter, sich ausgerechnet etwas zu wünschen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte, wenn man als Kunde ein Vollpreisspiel kauft. Aber gerade die unfertigen und buglastigen Veröffentlichung so mancher großen Titel innerhalb der letzten zwei Jahre schieben diesen Aspekt ganz weit vorn auf meine Prioritätenliste.

Video starten 17:25 The Witcher 4: Das verrät die Tech-Demo zu Setting, Spielwelt und Unreal-Engine-5-Technik!

Ich kann mich mit vielen Designentscheidungen anfreunden, selbst wenn sie nicht ganz meinem Geschmack entsprechen. Mit halbgar aus dem Studio unters Volk geworfenen Produkten möchte ich mich aber nicht anfreunden müssen, und sehe auch nicht mehr ein, für etwas derartiges Geld auszugeben. Dann lieber länger warten und ein wirklich rundes Spiel genießen, egal wie groß der Hype auch sein mag.

Mehr Gehopse

Dimitry Halley: Nach den drei Witcher-Spielen stehen Temerien, Nilfgaard und Co. als Inbegriff einer geerdeten, düsteren Fantasy-Welt dar, die immer nah an der Gosse, nah an der Unmoral, nah an den menschlichen Schattenseiten bleibt. Natürlich gibt’s in Geralts Welt auch viel Magie, alle möglichen Fantasy-Kreaturen und, und, und, aber insgesamt bleibt The Witcher bodenständig. Aber in den Büchern gibt es ja noch diese große andere Seite, den Crazy Stuff, das Hopsen zwischen den Dimensionen.

Denn Ciri hat die besondere Gabe, munter zwischen den Welten zu springen - und genau das wünsche ich mir in einem The Witcher 4, weil das in der Form kein anderes Fantasy-Spiel liefert. In den Büchern landet Ciri mal im mittelalterlichen Böhmen, mal in Avalon (oder so) und laut The Witcher 3 ja sehr wahrscheinlich auch in einer Cyberpunk-Zukunft. Wie cool wäre das bitte?

Klar, da werfen Fans geerdeter Fantasy jetzt wahrscheinlich mit geerdeten Tomaten nach mir, aber nach The Witcher 3 ist die klassische Hexersaga vorbei. Traut euch ruhig, in komplett neue Richtungen zu denken. Ciri muss ja nicht gleich in Charlies Schokoladenfabrik oder im Berliner Bundestag landen, aber das Springen durch die Dimensionen öffnet ja buchstäblich jede denkbare Pforte. Nur bitte, bitte lasst sie nicht in Fortnite landen.

3 von 3



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