Die schönsten Kopfhörer, die ich je benutzt habe, sind auch beim Klang etwas Besonderes – und nicht nur deshalb längst nichts für jeden

Die Thieaudio Cypher sind wunderschön, aber leider nicht für jeden Kopf gemacht.

Das Design der Ohrmuscheln erinnert mich Art Déco und ich liebe es. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Das Design der Ohrmuscheln erinnert mich Art Déco und ich liebe es. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

High-End-Audio ist eine bodenlose Schlucht. Menschen geben zehntausende Euro nur für Kabel aus, weswegen die Zielgruppe sehr spitz ist.

Keine Sorge, diese Kopfhörer gehören da nicht dazu. Ja, es handelt sich zwar um Studiokopfhörer, aber man muss keine Niere verkaufen, um sie sich leisten zu können. 363 Euro sind sogar ziemlich billig für die Kategorie …

… und das macht sie perfekt als Einstieg in einen Audiobereich, der vielen aufgrund ihrer hohen Einstiegshürde verschlossen bleibt. Mit 363 Euro laut Produktseite sind die Monitore zwar nicht günstig, aber gerade im Oberklassebereich absolut einsteigerfreundlich.

Dies ist kein klassischer Test, sondern eine Kolumne, warum gerade der Cypher für High-End-Interessierte einen Blick wert ist.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe spielt zwar (leider) kein Instrument, besitzt aber ein sehr gutes Gehör. Dank seines besten Freundes aus Jugendtagen gehört er zu den Leuten, die Sachen sagen, wie: »Hast du das Drumpattern bei 1:20 gehört? Sahne!«. Sich mit Musik und Kopfhörern zu beschäftigen, ist seine geheime Leidenschaft.

Studiokopfhörer vs. »normale« Kopfhörer

Der Unterschied ist im Grunde recht schnell erklärt.

  • Studiokopfhörer (auch Monitor-Kopfhörer genannt) sollen Musik möglichst unverfälscht ans Ohr bringen. Das bedeutet: kein Software-Schnickschnack und keine Features à la ANC, Bluetooth oder Hörmodi. Sie sind vor allem Werkzeuge, welche Musik selbst in den Vordergrund rücken.
  • »Normale« Kopfhörer sollen in erster Linie gefallen und die Musik attraktiver für den Zuhörer oder die Zuhörerin machen. Hervorgehobener Bass, diverse Klangmodi und Features dienen dem Komfort und leichteren Zugang zu Musik.

Das bringt mich zu einer weiteren Tatsache, die ihr wissen müsst, wenn ihr mit Monitor-Kopfhörern liebäugelt: Die Qualität der Musikquelle spielt eine viel tragendere Rolle. 

Die Over-Ears filtern oder beschönigen nichts. Das heißt, wenn ihr mit Studiokopfhörern im Speziellen eure Lieblingssongs hört, dann am besten via Disk oder am Rechner verlustfreien Audioformaten wie FLAC.

Jetzt verrate ich euch, was mir an den Cypher gefallen hat – und was nicht.

Thieaudio Cypher: Das hat mir gefallen

Ein kleiner Hinweis vorweg: Ich verlinke hier Lieder auf Spotify, die ich natürlich in ihrer verlustfreien Version angehört habe.

Natürlicher Klang

Keine große Überraschung ist, dass die Cypher natürlich klingen; das ist ihr Job. Dabei sind mir vor allem die sehr klaren und differenzierten Mitten aufgefallen. Bei einem Lied wie Green Tee von Aandra und Ayako Higuchi fällt das besonders ins Ohr.

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Viele Details, Geräusche und Töne über die Tonleiter hinweg stellt der Kopfhörer überragend luftig dar. Hier hört ihr jeden Anschlag einer Saite, jedes Streichen übers Becken.

Dadurch sind die Cypher prädestiniert für vor allem zwei Arten von Liedern:

  • Songs, die von einer Sängerin oder einem Sänger getragen werden, wie etwa Balladen a la Hello von Adele (Spotify).
  • Songs mit einer breiten Klangbühne, vornehmlich Live-Aufnahmen wie Stevie Ray Vaughns Texas Flood Live at Montreux Casino (Spotify).

Viele Kritikerinnen und Kritiker bemängeln den fehlenden Bass. Und ja, ich muss dem zustimmen, aber nur, wenn wir von Pop- oder Rock-Musik sprechen. Kopfhörer heben tiefe Töne gerne hervor, einfach, weil vielen Leuten das gefällt.

Bei Songs allerdings, wo der Bass unterschwellig bleibt und vor allem als Klangbett dient, zeigt sich erst, wie diffizil der Cypher überhaupt erst aufspielt. Bei Something Heavens von H.U.V.A. Network, wo die Tieftöne zwar prominent sind, aber nicht den Kern des Liedes ausmachen, zeigt sich der Qualitätsunterschied zu herkömmlichen Kopfhörern.

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Er wummert, aber sehr subtil, extrem fein und gut austariert. Hier habe ich absolut rein gar nichts am Bass zu bemängeln.

✅ Sie sind einfach wunderschön

Leute, ich rede gar nicht lange um den heißen Brei herum und lasse stattdessen Bilder sprechen.

Zugegeben, der Bügel wirkt ein wenig kantig, mir gefällt das aber. Die Schönheit liegt für mich vor allem in den Details.

  • Das elegante Muster auf den Ohrmuscheln hat einen Golden-20s-Chic (das sich unter den abnehmbaren Polster übrigens weiterzieht).
  • Der Metallbügel hat ein elegantes Treppchenmuster.
  • Vertiefungen und Rillen sind auch haptisch ein Genuss.
  • Das dicke, geflochtene Kabel rundet das Gesamtbild ab.

Bei den Kiwi Ears Astral war ich von der Optik schon sehr angetan; die Cypher setzen da noch einen drauf.

✅ Enorm hohe Verarbeitungsqualität 

Mein Lieblings- und Referenzkopfhörer im Bluetooth-Segment sind die Sony 1000XM6 – aber es ist halt einfach ein Plastikbomber. Jetzt sollte man meinen, dass der Cypher – der rund 140 Euro weniger (!) kostet – sich nicht besser anfasst.

Pustekuchen.

Zur Optik gesellt sich eine Verarbeitungsqualität, die mich mit der Zunge hat schnalzen lassen. Fast das gesamte Chassis besteht aus Metall (was andere Probleme mit sich bringt, dazu gleich mehr). Selbst während ich diesen Artikel tippe und nebenbei über die Cypher Musik höre, fahre ich mit den Fingern immer wieder über Muscheln und Bügel.

Das Einzige, was heraussticht, ist das Kopfband. Das besteht aus Kohlefaser, aber es fühlt sich nicht ganz so wertig wie der Rest an (aber auch nicht billig).

✅ Sehr komfortabel

Ich habe mit Over-Ears immer so meine Problemchen. Durch meine Ohrringe drücken die Aufssätze oft, vor allem auf Dauer, und ich schwitze leicht darunter.

Die Cypher habe ich teilweise stundenlang getragen, was mich zu drei Erkenntnissen geführt hat:

  • Durch die Breite des Kopfhörers sitzt das ganze Konstrukt nicht zu streng. Dadurch haben sie bei mir nicht gedrückt.
  • Die abnehmbaren Ohraufsätze bestehen aus Stoff, wodurch ich nicht so schnell schwitze wie unter Leder oder PVC.
  • Der Cypher hat eine offene Bauweise. Das heißt, dass Luft und Geräusche von außen hineingelangen.

Jetzt habe ich viel gelobt, aber ohne Tadel sind die Kopfhörer freilich nicht. Gerade der letzte Punkt könnte die Over-Ears für viele aus dem Rennen werfen.

Thieaudio Cypher: Das hat mir nicht gefallen

❌ Breite Klangbühne mit wenig Tiefe

Ja, ich bin von der breite Klangbühne begeistert. Details und Luftigkeit sind erste Sahne. Was der Cypher an Breite wettmacht, fehlt ihm an Tiefe.

Das in Worte zu fassen, ist relativ schwer. Verglichen mit einer guten Mahlzeit schmeckt der Sound gut, aber ihm fehlt es an Körper. Eine Art Tiefe und Körper, die dem Klang den letzten, befriedigenden Umpf gibt.

Das wird so manchen Hörerinnen und Hörern vielleicht gar nicht auffallen, aber gerade im High-End-Bereich weiß ich, dass da noch mehr Schmackes geht. Zur Verteidigung der Cypher: Es ist ein Einsteigergerät und irgendwo muss ja Luft nach oben sein.

❌ Klingt (zunächst) zurückhaltend

Dieser Kritikpunkt liegt zum Teil am Kopfhörer selbst, aber auch an der Tatsache, dass Monitor-Kopfhörer mehr Werkzeug sind denn ein Rundum-Audioerlebnis.

Die eben angesprochene fehlende Tiefe trägt hier ihren Teil dazu bei. Hinzu kommt, dass wir durch unsere herkömmlichen Kopfhörer dominante Bässe gewohnt sind. 

Hört man erst die Live-Aufnahme von Hotel California der Eagles von 1994 (Spotify) und direkt danach einen basslastigen Popsong wie 99.9 von Mob Choir (Spotify) oder Voice From Others von Casiopea, Up-Beat und Fusion Jazz, ist die Fallhöhe extrem.

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Was ich sagen will: Es braucht Eingewöhnungszeit beim Cypher, etwas, was bei anderen Kopfhörern nicht so ist, weil wir einfach gewohnt sind, Musik stark verarbeitet zu genießen. Für viele kann das ein Ausschlusskriterium sein, vor allem, wenn man nicht mit den richtigen und vor allem verlustfreien Songs startet.

❌ Schwer und groß

Ihr habt eben gelesen, wie mir beim Rausfeiern der Optik und Haptik die Bäckchen rot angelaufen sind. Dass der Kopfhörer fast komplett aus Metall besteht, hat auch einen gewaltigen Nachteil.

Er ist verdammt schwer. Genau genommen ein Pfund (550 g) schwer. Das merkt man. Hinzu kommt, dass der Cypher selbst in der kleinsten Einstellung recht groß ist. Ich habe wirklich keinen zierlichen Kopf und mir passt der Cypher optimal – auf der kleinsten Einstellung.

Durch das Metallgehäuse ist da im Grunde kein Spielraum, weder bei Gewicht noch Größe. Wenn ihr also wisst, dass ihr keinen allzu großen Kopf habt, könnt ihr die Cypher getrost ignorieren – nur wegen dieser einen Tatsache.

Um die Cypher genießen zu können, braucht ihr einen großen Kopf. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Um die Cypher genießen zu können, braucht ihr einen großen Kopf. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Nachstehend findet ihr noch die technischen Daten zu den Thiaudio Cypher:

Technische Daten
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  • Bauart: Offener Over-Ear-Kopfhörer (Open-Back)
  • Treiber: Planarmagnetischer Treiber
  • Treibergröße: 90 mm
  • Frequenzbereich: 20 Hz – 40 kHz
  • Impedanz: 47 Ω
  • Empfindlichkeit: 94 dB SPL/mW
  • Anschluss: 3,5-mm-Klinke (beidseitig an den Ohrmuscheln)
  • Kabel: Abnehmbares, symmetrisch geführtes Kabel
  • Stecker: 4,4-mm-Pentaconn
  • Gewicht: ca. 550 g
  • Ohrpolster: Austauschbare Ohrpolster aus Stoff
  • Kopfbügel: Metallbügel mit gepolstertem Trageband
  • Bauweise: Offenes Aluminium-Gehäuse mit Metallgitter
  • Mikrofon: Nicht vorhanden
  • Kabellos: Nein
  • Noise Cancelling: Nein

Die Thieaudio Cypher sind für euch, wenn …

  • … ihr Interesse am High-End-Audio-Bereich habt und für »günstig« reinschnuppern wollt.
  • … ihr neutrale Over-Ears sucht, um ausgiebig und kritisch Musik zu hören.
  • … euch dominanter Bass nicht wichtig ist.

Alternativen zum Thiaudio Cypher:

  • Kiwi Ears Astral: Im Grunde handelt es sich dabei um ein sehr ähnliches Produkt, nur als In-Ear-Variante. Vor- und Nachteile ähneln sich, bloß mit den Pros und Kontras von Knöpfen. Preislich liegen die Astral bei 300 Euro.
  • Sennheiser HD 550: Die Kopfhörer schlagen in dieselbe Kerbe: offene Bauweise, kein Schnickschnack, sehr breite Soundstage. Mit 300 Euro sind sie günstiger, aber optisch und haptisch nicht auf demselben Niveau.

Seid ihr an Kopfhörern interessiert, lege ich euch meine Test-Playlist ans Herz. Egal, ob Monitore, In-Ears oder Over-Ears, dort findet ihr alle Erklärungen und welche Lieder ich immer wieder zum Testen hernehme.

Schreibt doch gerne in die Kommentare, welche Kopfhörer euch in einem Test interessieren. Ich ziehe mir liebend gerne alles auf, was Musik macht.


Kommentare(1)
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