Der Machtkampf um TikTok hat ein vorläufiges Ende gefunden. Nach monatelangen Verhandlungen – und sogar einer kurzzeitigen Abschaltung der App in den USA – steht fest: Das US-Geschäft der beliebten Video-App wird künftig von einem Konsortium amerikanischer Investoren kontrolliert.
Angeführt wird die Gruppe von Oracle-Gründer Larry Ellison, einem engen Verbündeten von Donald Trump. Gemeinsam mit den Investmentfirmen Silver Lake und Andreessen Horowitz sollen die US-Investoren rund 80 Prozent der Anteile übernehmen.
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TikTok ist damit unter US-Kontrolle – aber nur in den USA
Damit folgt die US-Regierung der Linie, TikTok nicht zu verbieten, sondern unter US-amerikanische Kontrolle zu stellen. Dazu gehört ein von Amerikanern dominierter Vorstand, in den sogar ein Regierungsmitglied einziehen soll. Für Präsident Trump und seine Unterstützer ist das ein Prestigeprojekt: US-Finanzminister Bessent präsentiert den Deal laut Reuters als Erfolg in Sachen nationaler Sicherheit.
Oracle, das Unternehmen, das Larry Ellison gegründet hat, ist ein globaler Software- und Cloudkonzern, der Datenbanken und IT-Infrastruktur betreibt. In der neuen Struktur übernimmt Oracle eine Schlüsselrolle:
- Es verwaltet die US-Nutzerdaten von TikTok in eigenen Rechenzentren in Texas.
- Das Unternehmen bleibt technischer Dienstleister für den Betrieb der App.
Ellison selbst verfügt über ein geschätztes Vermögen von rund 393 Milliarden US-Dollar und gehört damit zu den reichsten Menschen überhaupt. Am 10. September 2025 überholte er sogar kurzzeitig Elon Musk und machte dadurch Schlagzeilen als neuer reichster Mensch der Welt.
Was das für uns in Deutschland bedeutet
Für euch uns in Europa ändert sich im Alltag zunächst nichts. TikTok bleibt bei uns unter chinesischer Kontrolle und ist wie gewohnt verfügbar. Doch es bleibt abzuwarten, inwieweit die politische Dimension des Deals auch Deutschland betrifft:
- Social-Media-Plattformen sind längst Instrumente globaler Machtpolitik. Wenn die USA eigene Algorithmen entwickeln, während China das Original behält, könnte TikTok endgültig zum Symbol des digitalen Systemwettbewerbs werden.
- Die Frage nach europäischer digitaler Unabhängigkeit rückt weiter in den Vordergrund. Deutschland und die EU müssen entscheiden, ob sie weiter von US- und China-Technologien abhängig bleiben oder eigene Strukturen schaffen, die Datenhoheit und Meinungsfreiheit garantieren.
- Die Entscheidungen in Washington oft bis nach Europa. Europäer haben bereits erlebt, was der Kauf von Twitter durch Elon Musk alles auf der Plattform verändert hat. Die Moderation von Inhalten nahm ab, Nutzer verließen die Plattform, es wurde über Werbeeinnahmen gestritten.
Wenn also ein der reichsten Menschen der Welt direkten Einfluss auf TikTok in den USA nimmt, hat das auch Konsequenzen für unsere Öffentlichkeit, unsere Debatten und letztlich für die Demokratie, die wir noch abwarten müssen.
Der Deal ist ein Kompromiss
Obwohl die operative Steuerung und Datenspeicherung für US-amerikanische Daten künftig in den USA liegen, bleibt auch der Algorithmus nicht vollständig in chinesischer Hand.
Nach aktuellem Stand soll ByteDance eine lizenzierte Version an das US-Konsortium vergeben, die dort eigenständig mit amerikanischen Daten weitertrainiert wird. Damit behalten die US-Investoren Kontrolle über Anwendung und Training, während die geistigen Eigentumsrechte am Algorithmus formal bei ByteDance verbleiben.
Laut Spiegel gibt es aber dennoch Kritik, die vor dem chinesischen Einfluss auf die öffentlichen Meinung warnt. China wiederum betont, dass es kein Abkommen akzeptiere, das die Interessen chinesischer Unternehmen untergrabe.
Der Streit um TikTok war nie nur ein Wirtschaftskonflikt, sondern immer auch ein geopolitisches Kräftemessen zwischen Washington und Peking.
Mit Larry Ellison tritt nun einer der mächtigsten Unternehmer der Welt auf die Bühne und verschiebt die Gewichte im Machtspiel um Technologie und Daten. Das Konsortium um Oracle und weitere Investoren sichert sich damit nicht nur Anteile, sondern auch Einfluss auf die strategische Ausrichtung der Plattform.




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