Je nach Blickwinkel kann man bei Town to City einen von zwei Eindrücken bekommen:
Hui! Das ist aber eine stimmungsvolle Welt! Schön beleuchtet, tolle Atmosphäre. Da will ich hin!
Ojemine, das ist aber alles voller Bauklötze. Wieso haben diese Menschen denn quadratische Schädel?
Das hängt oftmals auch einfach davon ab, aus welcher Distanz ihr euch das Aufbauspiel anseht. Denn aus der Ferne sieht es tatsächlich einfach nur wie ein sehr charmantes, etwas melancholisches Städtebauspiel im 19. Jahrhundert aus.
Doch wenn man nah ranzoomt, dann bekommt es eine Klemmbaustein- oder Minecraft-Ästhetik. Das macht das Spiel nicht zwangsweise hässlich, es ist eine valide Stilentscheidung - aber erfahrungsgemäß schreckt ein Klötzchenlook trotzdem mehr Leute ab, als geradewegs realistische Hochglanzgrafik.
Ich habe auch erst gezögert, als ich die derzeit verfügbare Demo auf der Stöberseite des Steam Next Fest ins Auge fasste. Nachdem ich sie gespielt habe, bin ich froh, das Spiel nicht nur anhand seines Voxel-Looks abgeschrieben zu haben. Denn was das niederländische Entwicklungsstudio Galaxy Grove hier gerade zusammenschraubt, hat das Zeug zum Aufbau-Geheimtipp.
11:15
Die ersten 11 Spielminuten in einem der charmantesten neuen Aufbauspiele auf Steam
Das erwartet euch in Town to City
Das Konzept hinter einem Aufbauspiel ist jedem von euch bewusst. Ich beginne auf einer grünen Fläche mit Bäumen, Seen und ein paar Hügeln, und fange an zu bauen. Erst ein paar Häuser, dann immer mehr. Leute ziehen ein, ich sorge für genug Essen. Dabei sammle ich stetig Geld, um immer weiter voranzuschreiten, viele Menschen anzuziehen, neue Gebäude freizuschalten und noch mehr zu verdienen.
Das alles erwartet euch auch in Town to City, nur halt eben während im Hintergrund eine tiefenentspannte Komposition mit Tönen von Gitarre, Akkordeon, Flöte und Klavier jeden Stress fortspielt. Und mit einer einzigartigen Ästhetik, die trotz der vielen Klötze wirklich charmant rüberkommt und zum nachmittaglichen Mittelmeer-Ambiente beiträgt.
Gebaut wird in Town to City übrigens völlig zügellos. Ich kann jedes Gebäude frei von jedem Raster überall platzieren und sollte nur darauf achten, dass meine kleine Siedlung über ausreichend Wege verfügt und die Grundversorgung in alle Winkel reicht. Straßen werden weder strikt noch frei gezogen – sondern gemalt.
Ich kann also ohne Zwänge überall auf dem Boden wie mit einem Pinsel meine Wege ziehen und könnte theoretisch sogar Bilder malen. Braucht es das? Nein. Aber schaut doch mal:
Das macht Town to City besonders
In der Demo erlebe ich die ersten zwei Siedlungsstufen, die von der Gesamtbevölkerung meiner Ortschaft abhängt. In dieser Zeit hat mich an Town to City am meisten fasziniert, wie gut dieses Spiel einige der wichtigsten Aspekte des Aufbau-Genres in Einklang bringt.
Aufbauspiele können immerhin viel sein. Einige setzen voll auf eine stabile Wirtschaftssimulation, in anderen geht es ums knallharte Überleben und wieder andere wollen mich einfach nur zum hübschen Bauen animieren. Wirklich überleben muss ich in Town to City nicht, aber der Schönbau- und Verwaltungsteil geht hier so harmonisch in Hand und Hand, wie ich es selten erlebt habe.
Ich bin zwar weder so kreativ freigestellt wie in Spielen wie Tiny Glade, noch derart verwaltungstechnisch gefordert wie in einem Anno – aber beides ist in einem Umfang Teil des Spiels, dass mir als Schön- und Effizienzbauer das Herz aufgeht.
Ich muss durchaus genau darauf achten, ob meine Bewohner alles haben und ob Fischverkäufer oder Schneider auch wirklich effizient beliefern – aber, ohne dass ich je dadurch in Stress gerate. Viel mehr schafft Town to City stets wirkungsvolle Anreize, um meine Stadt zu indivdualisieren.
Wenn neue Menschen mit dem Zug anreisen, dann wollen sie gelegentlich nicht einfach nur in irgendeinem Haus wohnen. Einige Zugezogene haben Sonderwünsche. Die wollen dann in einem Waldstück wohnen, oder am Wasser oder in der Nähe eines Marktstandes. Das stößt mich sacht in Richtung Schönbau, da ich automatisch neue Wohngegenden in einem ganz anderen Stil also sonst hochziehe.
Eine wirklich gut gelungene Symbiose. Ich kann mich mit diesem Aufbauspiel durchgehend entspannen, aber mir schlafen auch nicht die Füße ein. Für jemanden wie mich ist das eine nahezu perfekte Kombination. Zumindest an gewissen Tagen.
Das gefällt mir, das gefällt mir noch nicht
Das gefällt mir an Town to City
- Die Atmosphäre: Town to City erschafft ein wunderbares Ambiente, das von Küstenstädten im 19. Jahrhundert inspiriert wurde. Im Kombination mit der herrlichen Musikkulisse, den malerischen Städten und der melancholischen Lichtstimmung kann ich nicht anders als versonnen zu lächeln.
- Das Schönbauen: Town to City lädt zum entspannten Bauen ein und bietet Verschönerungen im Übermaß. Doch gleichzeitig setzt es reale Anreize, um diese Verschönerungen auch zu platzieren. Entweder durch bestimmte Wünsche der Bewohner oder einige konkrete Quests.
- Der Anspruch: Town to City ist kein knallhartes Effizienzspiel, aber es wirft den spielerischen Anspruch auch nicht gänzlich über Bord. Es gibt mir genug zu tun, dass ich auch dann am Ball bleibe, wenn mich die kreative Muße gerade einmal nicht küsst.
Das gefällt mir noch nicht an Town to City
- Der Aquariumseffekt: Town to City erschafft eine hübsche Kulisse, der ich meinen eigenen Stempel aufdrücke. Darin passiert aber noch recht wenig. Die Straßen sind selten wirklich lebendig und auch Produktionsstätten geben mir kein Gefühl davon, dass hier wirklich gearbeitet wird.
- Die Übersicht: Eigentlich ist Town to City gut darin, mich auf Missstände in der Stadt hinzuweisen und besitzt ein sehr gut lesbares Interface. Aber wenn Bewohner unzufrieden sind, sehe ich noch nicht exakt, was ihnen gerade fehlt. Da sollten die Infofenster noch ein paar Hinweise mehr einstreuen.
Fazit der Redaktion
Fabiano Uslenghi
@adrony.bsky.social
Was für ein charmanter, kleiner Fund! Ich hatte vorher noch nie von Town to City gehört und war echt erstaunt, wie gut dieses Spiel meine Aufbaubedürfnisse abdeckt. Das wird sicherlich nicht der nächste große Anno-Killer, aber es baut sich doch ein gemütliches kleines Nest zwischen größeren Konkurrenten. Hier passt einfach alles zusammen! Die Stimmung, der Anspruch und das Potenzial, wirklich schöne, individuelle Städtchen zu bauen. Wenn das alles noch etwas lebendiger wird, kann ich euch Town to City nur ans Herz legen.
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