Völlig egal, ob euer neuer Fernseher 300 oder 3.000 Euro kostet: Er ist eine Maschine – wortwörtlich. Die Auflösung beträgt so gut wie immer mindestens 4K, HDR gehört zur Standardausstattung und überhaupt steckt ein richtiger Computer im Chassis.
Doch nutzt ihr die Technik auch wirklich aus? Um einen Autovergleich zu wagen: Mit einem Lamborghini in der 30er-Zone schleichen, vermittelt nicht das Gefühl eines Sportwagens.
Das Quellmaterial – Filme, Serien, Spiele – muss zum TV passen. Ich verrate euch, wo Stolperfallen lauern und wie ihr mehr aus eurer Glotzkiste holt.
Ihr wollt gleich zu den Tipps? Dann bitte hier entlang.
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Film ist nicht gleich Film
Jedem wird klar sein: Wenn man sich GZSZ auf RTL in SD-Qualität auf einem 83-Zöller anschaut, dann sieht das Bild matschig aus. Selbst der beste Upscaler kann ohne ordentlichen Input kein Gold produzieren.
Film ist dennoch nicht gleich Film, denn ein Streifen in 4K sieht über Netflix immer noch schlechter aus als auf (UHD-)Blu-ray – natürlich ganz davon abgesehen, welchen Tarif ihr wo gebucht habt.
Warum ist das so?
Ganz einfach: Streamer komprimieren Daten, die übers Internet von ihren Servern zu eurem Fernseher gelangen. Die Bitrate ist damit niedriger. Die durchschnittlichen Bitraten sind:
- Streaming-Dienst: ca. 17 Mbit/s
- Apple TV+: ca. 26 Mbit/s
- DVD: bis zu 10 Mbit/s
- Blu-ray: bis zu 40 Mbit/s
- UHD-Blu-ray: bis zu 128 Mbit/s
Im Mittel lässt sich sagen: Streaming kommt ungefähr auf ein Viertel bis ein Drittel der Bitrate von Disks.
Im Umkehrschluss kostet ein Blu-ray-Player zwar extra, aber er bietet gegenüber Streaming viele Vorteile.
- Höhere Bitrate bei Bild und Ton
- Mehr unterstützte Audioformate
- Gleichbleibende Bild- und Klangqualität
- Keine Abhängigkeit von der Internetverbindung
Gerade die Bitrate ist ein enger Flaschenhals. Komprimierungseffekte sind am deutlichsten in sich schnell bewegenden oder detailreichen Szenen zu sehen. Dann rudeln sich Artefakte auf dem Display; das Bild verkommt zu Matsch.
Sehr gut sieht man das am nachfolgenden Video:
Link zum YouTube-Inhalt
Flaschenhals Filme: Das könnt ihr tun
Die nachfolgenden Tipps gelten natürlich auch für Serien. Und keine Angst, ich werde euch nicht sagen, dass ihr einfach einen teureren Tarif bei Netflix buchen sollt.
Tipp 1: Setzt auf physische Disks
Der beste und einfachste Tipp ist, auf Blu-rays zu setzen. Damit meine ich nicht unbedingt UHD-Blu-rays, die 30 Euro pro Film kosten. Schon Blu-rays mit Full-HD-Auflösung heben die Qualität merklich an; die Vorteile habe ich weiter oben bereits genannt.
Wenn ihr nicht das letzte Quäntchen Qualität herausquetschen wollt, könnt ihr zum Abspielen auch eure PS5 mit Laufwerk oder Xbox hernehmen.
Wenn ihr auf den Komfort von Streaming und den riesigen Katalog verzichten könnt, ist der Unterschied hier am markantesten. Es kostet natürlich auch mehr, weil man für den Monatspreis eines Abos in der Regel einen Film oder eine Staffelbox einer Serie bekommt.
Tipp 2: Spart nicht am Streaming-Stick
Wenn ihr beim Streaming bleiben wollt, spielt die Wahl des Zuspielers eine Rolle.
Völlig egal, ob Amazon Fire TV Stick, Sky Stream Box oder eine andere Marke: Lest euch vorher unbedingt Tests durch. Die Zuspieler sehen von außen gleich aus, bieten aber nicht immer dieselbe Qualität.
- Amazons Fire TV Stick Lite deckt 4K-Auflösung nicht ab.
- Skys Stream Box kann zwar Dolby Vision, aber kein HDR10+.
- Nur Amazon Fire TV Stick 4K Max bietet WiFi 6E. Niedrigere WLAN-Standards können unter Umständen für Qualitätseinbußen sorgen.
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Bedenkt hierbei noch zwei Dinge: Erstens, ein 4K-Streaming-Gerät liefert euch nur dann 4K, wenn ihr einen entsprechenden Tarif gebucht habt. Zweitens: Euer TV muss bestimmte Features auch unterstützen. Dolby Vision auf der Sky Stream Box bringt euch nichts, wenn euer Fernseher es nicht anzeigen kann.
Tipp 3: Digitalisierte Bibliothek
Das Beste aus beiden Welten bekommt ihr bei einer digitalisierten Bibliothek. Dafür braucht ihr allerdings Zeit, Geduld und das nötige Kleingeld.
Wenn ihr zu Hause über euer eigenes Netzwerk streamt, müsst ihr nämlich keine Breitbandeinbußen hinnehmen.
Dazu ist allerdings nötig:
- Ein eigenes, lokales Heimnetzwerk, bestehend aus einem NAS-System und Festplatten.
- Eine Möglichkeit, die Daten vom Netzwerk auf den TV zu bringen, etwa durch einen Plex Media Server.
- Filme und Serien digitalisiert, etwa, indem ihr die Daten eurer eigenen Filmothek auf den Rechner übertragt.
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Für viele Filmfans ist das die optimale Lösung, weil man im Grunde keine Kompromisse eingehen muss. Allerdings will so ein Heimnetzwerk auch erst mal eingerichtet werden. Darüber hinaus kosten das NAS und die Festplatten teilweise ordentlich Geld: Ein NAS mit Festplatte verlangt mehrere Hundert Euro (via Geizhals).
Tipp 4: HDMI-Eingang optimieren
Natürlich könnt ihr auch kleine Stellschrauben drehen, um die Bildqualität zu erhöhen.
Nutzt ihr einen Streaming-Stick oder eine -Box, checkt, ob der entsprechende HDMI-Eingang auf beste Qualität eingestellt ist. Das macht ihr über die Einstellungen eures Fernsehers.
Viele wissen es, aber ich sage es trotzdem dazu: Überprüft, ob ihr das richtige HDMI-Kabel verwendet. Wenn ihr einen HDMI-2.1-Port für den Zuspieler benutzt, braucht es auch ein entsprechendes Kabel, das die Datenmengen transportieren kann.
Tipp 5: Internet- und Netzqualität verbessern
Manchmal erweist sich ausgerechnet das Internet als Pferdefuß. Wenn ihr euren TV per WLAN mit dem Internet verbunden habt, überprüft:
- Ob der Router nah genug am TV steht. Eine größere Entfernung kann sich negativ auf die Geschwindigkeit auswirken
- Dass keine Störquellen im Weg stehen. Dicke Wände oder andere technische Geräte können das Signal stören.
Es lohnt sich außerdem, ein 5-GHz-Band über den Router einzurichten. Die Verbindung schleift mehr Daten durch und ist im Regelfall stabiler. Die fehlerunanfälligste Möglichkeit bleibt aber immer noch das LAN-Kabel.
Schaut ihr wie ich gerne Animes oder Zeichentrick, dann müsst ihr euch über viele der im Artikel genannten Problemchen übrigens keine Sorgen machen. Der Unterschied zwischen Full HD und 4K fällt hier kaum auf, Kontraste spielen bei bunten Farben und großen, farbigen Flächen weniger eine Rolle.
Hier macht euch allenfalls die Bitrate einen Strich durch die Rechnung. Qualitätseinbußen bei schnellen Bewegungen und stark animierten Szenen fallen da nämlich erst recht ins Auge.








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