Aktueller Riesentrend bei Apps – und in der Community diskutieren sie hitzig, ob der kein großer Fehler ist

»Vibe Coding« ist einer der größten App-Trends der vergangenen Moante. Doch in der Entwickler-Community wächst der Widerstand – ein viraler Post zeigt, warum.

»Deine App funktioniert auf localhost mit zwei Verbindungen. Das ist nicht dasselbe wie Slack ablösen – das ist eine Hausarbeit.« (© Adobe Stock - KseniaJoyg) »Deine App funktioniert auf localhost mit zwei Verbindungen. Das ist nicht dasselbe wie Slack ablösen – das ist eine Hausarbeit.« (© Adobe Stock - KseniaJoyg)

In einem fiktiven Szenario lässt sich ein Nutzer von einer KI in 20 Minuten eine Chat-App bauen – und verkündet, er habe damit »Slack und Discord erledigt«.

Solche Beiträge finde man in sozialen Medien zuhauf, doch wie viel (Un-)Wahrheit steckt tatsächlich drin? Das disktutiert ausgerechnet das Subreddit zur Claude-KI und kommt zu einem kritischen Schluss.

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Der Vibe-Coder, der zwischen Prototyp und Produktion keinen Unterschied kennt

Der obige »archetypische Vibe-Coder« wurde ursprünglich auf X vom Entwickler »paoloanzn« mit dem Chat-App-Szenario beschrieben – und in der Luft zerrissen.

Der Kern seiner Kritik: Ein lauffähiger Prototyp auf dem eigenen Rechner ist keine Produktionsanwendung. Die Lücke dazwischen ist gewaltig und oft unsichtbar für alle, die noch nie Software für echte Nutzerzahlen veröffentlicht haben.

»Vibe Coding« beschreibt einen Ansatz, bei dem Entwickler ihre Wünsche in natürlicher Sprache formulieren und eine KI den Code generiert. Geprägt hat den Begriff der KI-Forscher Andrej Karpathy – Mitgründer von OpenAI und ehemaliger KI-Chef bei Tesla – im Februar 2025 auf X.

Der Begriff wurde zum Collins Dictionary Word of the Year 2025 gewählt und hat sich spätestesn seitdem als fester Bestandteil der Entwicklersprache etabliert.

So listet paoloanzn konkrete technische Herausforderungen auf, die selbst erfahrene Ingenieure Jahre beschäftigen:

  • Dazu gehören verteilte Systeme, Datenbankreplikation und das Verhalten von WebSocket-Verbindungen unter Last.
  • Als greifbares Beispiel nennt er das Szenario, in dem 50.000 gleichzeitig aktive Nutzer eine Nachricht in unter 200 Millisekunden über drei Kontinente hinweg zugestellt bekommen müssen.

Ein Prototyp decke nach seiner Einschätzung »vielleicht 0,5 Prozent« dessen ab, was ein Produkt im Produktivbetrieb ausmacht.

Die restlichen 99,5 Prozent bestünden aus Infrastruktur, Zuverlässigkeit, Randfällen und jahrelanger Iteration an Problemen, die erst dann sichtbar werden, wenn echte Menschen eine Anwendung in großem Maßstab nutzen.

Das eigentliche Problem sei seiner Ansicht nach aber nicht die KI selbst – die sei »wirklich unglaublich für das Erarbeiten von Tools und Prototypen« –, sondern die Selbstüberschätzung:

Es passiert gerade etwas Seltsames: Leute, die noch nie etwas für echte Nutzer im großen Maßstab ausgeliefert haben, glauben jetzt, der schwierige Teil an Software sei das Schreiben der ersten 200 Zeilen Code.

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Es ist genau andersrum, findet die Community

Der im obigen Reddit-Beitrag zu sehende Tweet ist inzwischen auch bei der Community selbst zu Debatte freigegeben und wird etwa im ClaudeAI-Subreddit rege diskutiert.

Insbesondere der Aussage (eines wohlgemerkt fiktiven Vibe-Coders), dass der »schwierige Teil das Schreiben der ersten 200 Zeilen« sei, wird allein in der Grundannahme widersprochen. Das Gegenteil sei nämlich der Fall, wie »2053_Traveler« meint.

  • KI könne das erste Kapitel einer Fantasy-Serie gut schreiben, scheitere aber daran, ein neues Kapitel innerhalb einer bestehenden Serie konsistent fortzuführen.
  • Der Grund: Die erste Aufgabe brauche wenig Kontext, die zweite verlange umfassenden Zusammenhang und viele Einschränkungen.

Eure Meinung: KI und Bücher, geht das zusammen? Ihr seid euch zumindest einig, dass es Gesprächsbedarf gibt


Nicht alle Stimmen in der Debatte sind ablehnend. »Jaideco« argumentiert, dass Vibe-Coding-Apps in bestimmten Szenarien sinnvoll seien, etwa um mit minimalem Aufwand erstes Nutzerfeedback zu sammeln oder Investoren einen Prototyp zu präsentieren.

Bei beiden Lagern scheint immerhin Einigkeit zu herrschen, dass zwischen einem Prototyp und einer fertig produzierten App ein großer Unterschied besteht.

Oder, wie es paoloanzn formuliert: »Das ist wie ein Fundament gießen und sagen, man hätte im Grunde einen Wolkenkratzer gebaut – man müsste nur noch ein paar Dinge anpassen.«

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