Manchmal wünsche ich mir, dass man den VRAM der Grafikkarte einfach aufrüsten könnte. Es wäre doch praktisch, wenn man nicht direkt eine neue Karte oder gleich einen komplett neuen Laptop kaufen müsste, nur weil der Speicher in den neuesten AAA-Games vielleicht knapp wird.
Einfach schnell neue Speicherbausteine bestellt, den Lötkolben gezückt und nach wenigen Minuten habt ihr euren VRAM mal eben verdoppelt. Ihr ahnt es vermutlich schon, ganz so einfach ist es leider nicht. Vermutlich würdet ihr bei dem Versuch nur eurer Grafikkarte oder den Laptop schrotten.
Es gibt aber tatsächlich Profis, die bei bestimmten Geräten nicht nur einfach VRAM-Speicherbausteine ausbauen, sondern auch größere wieder einbauen. Jemand, der solche Geschichten schon häufiger gemacht hat, ist der YouTuber Paulo Gomes. In dem unten verlinkten Video rüstet er eine betagte Desktop-RTX-2080 direkt von 8 GB auf 16-GB-VRAM auf. Gleiches hat er auch schon mit einer RTX 3070 gemacht.
Die von Gomes umgebaute Karte soll danach problemlos von den offiziellen Nvidia-Treibern erkannt worden und voll funktionsfähig gewesen sein. Anpassungen an der Software gab es angeblich auch keine. Dass ein solch tiefgehender Eingriff so reibungslos verläuft, dürfte aber sicher die seltene Ausnahme sein.
Für technische Laien und Leute mit wenig bis keinen Elektronikkenntnissen, die nicht über ruhige Chirurgenhände verfügen, ist dieser Umbau allerdings nichts. Ich persönlich würde mich jedenfalls nicht ran trauen und euch würde ich auch davon abraten.
Ist eine solche VRAM-Verdopplung bei jeder Grafikkarte möglich?
Vielleicht stellt ihr euch nun die Frage, ob das vielleicht bei eurer Karte oder eurem Laptop ebenfalls möglich wäre. Pauschal kann euch die Frage niemand beantworten. Ob es eine solche theoretische Option gibt, müsste im Einzelfall geklärt werden.
Sollte die Möglichkeit bestehen, wird es aber meist nicht einfach nur beim Tausch der Speicherchips bleiben, um eine Anpassung des Grafikkarten-BIOS werdet ihr in der Regel nicht herumkommen.
Link zum YouTube-Inhalt
Dazu kommt natürlich, dass die Grafikkarte auch gewisse technische Voraussetzungen mitbringen muss. Es macht beispielsweise keinen Sinn darüber nachzudenken, ob man ihr eine alte Karte mit 64-Bit-Speicherinterface auf 8 GB aufrüsten könnt. Das schmale Speicherinterface könnte so viel VRAM überhaupt nicht ausreichend schnell mit Daten versorgen.
Für 8-GB-VRAM sollten es schon mindestens 128 Bit sein. Der 1:1 Austausch eines defekten Speicherbausteins kann von einem erfahrenen und versierten Techniker aber gewöhnlich bei jeder Grafikkarte vorgenommen werden, wenn er sich denn an die Aufgabe traut.
Klappt das auch bei Laptops?
Auch bei einem Laptop können defekte Speicherchips theoretisch durch identische Bausteine ersetzt werden. Dazu müsst ihr aber erst mal jemanden finden, der das auch macht, beim PC-Laden um die Ecke winkt man da häufig dankend ab. Meist muss dann der Laptop zum Hersteller geschickt werden.
Besonders bei einem teuren Notebook macht das auch Sinn, da bei den Herstellern die Spezialisten sitzen, die wissen, was sie tun und die auch die passenden Werkzeuge und Materialien haben.
Bei Reddit (wo auch sonst?) hat kürzlich ein User gefragt, ob er seinen alten Laptop mit mehr VRAM aufrüsten kann. In dem Gerät arbeitet eine alte MX250 von Nvidia, die ab Werk mit 4-GB-VRAM ausgeliefert wurde. Interessant dabei ist, dass auf dem Bild, das der User gemacht hat, offenbar zwei nicht bestückte Plätze für VRAM-Bausteine zu sehen sind.
In diesem Fall könnt ihr aber mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass eine Verdopplung des VRAM nicht möglich ist. Zum einen besitzt die Grafikkarte lediglich ein 64 Bit breites Speicherinterface, welches zu schmal für 8-GB-VRAM ist. Dann ist damit zu rechnen, dass der Hersteller die Hauptplatine in dem gezeigten Laptop für verschiedene Konfigurationen nutzt.
In dem Fall also vermutlich auch für GPUs, die entweder mehr VRAM ab Werk besitzen oder bei denen kleinere, aber dafür mehr Chips verbaut werden. Ob es bei der gezeigten Konfiguration überhaupt eine funktionierende Anbindung der beiden freien VRAM-Platze an die GPU gibt, ist zudem fraglich.
Und selbst wenn eine Aufrüstung möglich wäre, würden in diesem Fall die Kosten vermutlich den Wert des Laptops übersteigen. Dazu muss man dann auch noch fairerweise sagen, dass die MX250 auch mit 8-GB-VRAM kein Stück Wurst mehr vom Teller ziehen wird.
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Fazit
Für vermutlich 99,9 Prozent aller User ist die Aufrüstung von VRAM auf mobilen oder Desktop-Grafikkarten keine Option. So groß vielleicht die Verlockung auch sein mag, mal eben den Video-Speicher der Grafikkarte zu verdoppeln, in der Praxis ist das nur in den wenigsten Fällen möglich und kann auch nur von technisch sehr versierten Personen umgesetzt werden.
Immer wenn mal wieder ein Fall, wo jemand seine Grafikkarte gemoddet hat, auftaucht, juckt es mich in den Fingern. In den Videos sieht das auch immer alles so spielend einfach aus. Letztlich habe ich aber dann doch jedes Mal einen Rückzieher gemacht, weil mir das Risiko zu groß ist.
Dennoch finde ich es immer spannend, wenn findige und experimentierfreudige User die Grenzen austesten und Dinge möglich machen, von denen man nie gedacht hätte, dass das klappt.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon mal eure Hardware auf diese Weise modifiziert?

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