Webtoon: Meine Lieblingsapp für kostenlose Mangas, Comics und Cartoons hat das gleiche Problem wie Spotify

Die Comic- und Manga-Plattform Webtoon ist für mich alternativlos – auch wenn es bei den Originals und Canvas ein Problem gibt: die Bezahlung der Artists.

Auch wenn ich einerseits großer Fan von Webtoon bin, habe ich andererseits ein echtes Problem mit der Plattform. (Bildquelle: GameStar Tech Webtoon) Auch wenn ich einerseits großer Fan von Webtoon bin, habe ich andererseits ein echtes Problem mit der Plattform. (Bildquelle: GameStar Tech / Webtoon)

Wenn ihr wie ich ein Fan von digitalen Comics, Graphic Novels, Cartoons und Mangas seid, dann ist Webtoon eine absolute Pflicht-App.

Auf der Seite findet ihr zahlreiche Geschichten (Panels), hinter denen unabhängige Künstler und große Studios stecken. Das Geniale daran: Die meisten Panels sind kostenfrei, besonders vielfältig und in einer echt guten Qualität produziert.

Damit die Plattform und die Künstler hinter den Zeichnungen dennoch etwas verdienen, nutzt Webtoon eine Mischung aus Werbeeinnahmen und optionalen Angeboten. Doch während das nach einem modernen und vielversprechenden Konzept klingt, gibt es immer wieder Künstler, die von zu geringen Bezahlungen berichten.

Denn die Plattform hat ein ähnliches Problem wie Spotify: Um wirklich von den Einnahmen leben zu können, braucht es absurd hohe Zahlen. Bevor ich zu meiner Kritik komme und euch einige Fälle von Webtoon-Künstlern erkläre, ist es sinnvoll, erstmal die Funktionsweise von der Plattform zu kennen.

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Webtoon: Eine Plattform für professionelle und Hobbykünstler

Egal, ob Comic mit mehreren Episoden oder Kurzgeschichten zu wiederkehrenden Figuren: Webtoon gilt als eine der größten Plattformen für Zeichner.

Im Zentrum der Seite steht der Gedanke, eine digitale Plattform für alle möglichen Künstler anzubieten, auf der sie ihre Werke kostenfrei und für ein großes Publikum veröffentlichen können. Was aus meiner Sicht ein cooler Gedanke ist und in der Praxis auch zu funktionieren scheint.

Dennoch gibt es immer wieder Kritik zu den Einnahmen. Da für euch grundsätzlich alle Funktionen auf Webtoon frei zur Verfügung stehen, setzt die App auf Werbung und verlangt bei manchen Original-Geschichten Credits. Diese könnt ihr entweder über den Shop kaufen oder kostenlos erhalten, wenn ihr noch mehr Werbung schaut.

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Das ist grundsätzlich kein neues Konzept und es wäre besser, wenn die Website ohne derartige Modelle auskommt, aber irgendwie will Webtoon sich schließlich auch finanzieren und seine Creator bezahlen.

Wie gut das funktioniert und wie viel Geld am Ende bei den Creatorn ankommt, hängt dabei stark von der Art ab, wie die jeweiligen Künstler ihre Werke veröffentlichen. Spoiler: Ohne Partnervertrag fällt bei Webtoons meist nur wenig Gewinn ab.

Originale vs. Canvas: Hier liegt der Unterschied

Allgemein werden die Geschichten auf Webtoon in zwei Kategorien aufgeteilt: Canvas und Originals. Diese unterscheiden sich sowohl in der Qualität und der Art des Contents als auch schlussendlich in der Bezahlung.

Originals: Sind die Geschichten, die von Künstlern und Studios herausgegeben werden, die einen offiziellen Vertrag mit Webtoon haben. Mit diesem verspricht die Plattform leichtere Einnahmemöglichkeiten, gibt zugleich aber auch strengere Vorgaben und verlangt die vollen Rechte an den Zeichnungen.

Nachdem die Plattform 2022 in starker Kritik stand, ihre Original-Creator nicht entsprechend zu bezahlen, veröffentlichte die Seite einen Transparenzbericht. In diesem erklärt die Comic-Seite, dass alle Vertragspartner eine garantierte Bezahlung erhalten – unabhängig von Lese- oder Verkaufszahlen.

Das gilt laut Webtoon auch dann, wenn eine Reihe nicht die erwarteten Einnahmen erfüllt. Wie hoch die Bezahlung ist, hängt von dem Aufwand der Episoden und dem versprochenen Erfolg ab. Genaue Zahlen nennt die Seite dabei aber nicht.

Externe Einnahmequellen wie Patreon sind für die Original-Creator zudem verboten, sofern diese damit ihre Webtoon-Originals finanzieren wollen.

Original Geschichten Canvas Geschichten Original Geschichten Canvas Geschichten

Auch die Gestaltung der Canvas und Original-Geschichten unterscheidet sich bei Webtoon stark. (Bildquelle: GameStar Tech)

Canvas: So heißt der Teil der Plattform, auf dem Creator auch ohne Vertrag ihre Werke veröffentlichen dürfen. Dadurch hat der Bereich eine deutlich größere Auswahl an Geschichten und ist bei der Community wesentlich beliebter – auch wenn die Einnahmemöglichkeiten hier eingeschränkter und vor allem nicht garantiert sind.

Eine Möglichkeit für Canvas-Creator, Geld zu verdienen, besteht im Ad-Revenue-Sharing-Programm (geteilten Werbeeinnahmen). Hier bekommen die Künstler die Hälfte der durch Werbung erzielten Einnahmen, sofern sie die Vorgaben der Plattform erfüllen.

  • Viewer Ads (Statische Banner am Episodenende):
    • Voraussetzungen: Mindestens 1.000 Abonnenten und mindestens 40.000 globale Seitenaufrufe (Page Views) pro Monat.
  • Reward Ads (Video-Werbung vor Episoden):
    • Voraussetzungen: Erfüllung der Viewer-Ads-Kriterien und mindestens 100.000 globale Seitenaufrufe pro Monat.

Hinzu kommt das sogenannte Super-Like-Programm, was einen direkten Fan-Support auf der Seite ermöglichen soll.

Gefällt euch eine Geschichte besonders gut, könnt ihr den Künstlern für jede Episode einen »Super Like« kaufen, der den Beitrag in eine Top-Liste setzt und der Person hinter der Zeichnung 70 Prozent des Nettoerlöses gibt.

Die einzige Voraussetzung dafür: Der Creator muss mindestens 500 Likes auf seine Serie haben.

»Mindestlohn für wahnsinnig viel Arbeit« – Webtoon in der Kritik

Während das in der Theorie nach einem guten Ansatz klingt, zeigt die Realität, wie wenig Künstler mit ihren Werken verdienen. Auch wenn sie stabile und millionenfache Klickzahlen haben.

Der Webtoon-Konkurrent und Comic-Hosting-Dienst Taddy.org hat das in einem Blog-Beitrag gut aufgeschlüsselt. Etwa im Fall der Canvas-Künstlerin Morishita.

Diese hat über ein Jahr verteilt 19 Geschichten veröffentlicht und für ihre Mühe 23.000 Abonnenten sowie eine halbe Million Aufrufe erhalten. Was nach viel klingt, hat ihr am Ende magere 80 Dollar eingebracht.

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Noch deutlicher wird das Problem im Fall der Künstlerin TambriArt, die mit ihrem Comic Fairy Lantern zwar stolze 2,2 Millionen Seitenaufrufe und 25.000 Abonnenten generiert hat, dafür aber gerade einmal 824 Dollar kassiert hat. Und das bei insgesamt 83 Geschichten in zwei Jahren.

Um zusätzlich zu zeigen, wie unberechenbar die Einnahmen teilweise ausfallen, hat TambriArt ihre monatlichen Einnahmen zwischen 2021 und 2023 öffentlich geteilt.

Während sie im Mai 2022 noch 0,5 Dollar pro 1.000 Klicks eingenommen hat, hat sie im April 2023 nur noch 0,28 Dollar pro 1.000 Klicks erhalten – also fast die Hälfte der Vergütung.

Auch Originals landen in der Kritik

Eigentlich sollte man meinen, dass die Original-Creator durch ihre Verträge genug Geld bekommen. Wie das in der Realität aussieht, ist unklar, da es kaum Einblicke in die Einnahmen der Künstler gibt.

Dennoch gibt es immer wieder Personen wie @Oujikara auf Reddit, die der Meinung sind, dass Webtoons mit dem Original-Programm seine Creator ausbeutet, Mindestlohn für wahnsinnig viel Arbeit zahlt und strenge Fristen setzt, ohne wirklich zu helfen.

Dabei bezieht sich der Reddit-Nutzer vermutlich auf einen Fall aus 2022, der schließlich auch zu dem Transparenzstatement von Webtoon führte. Damals veröffentlichten die Original-Creator Chase Keels und Miranda Mundt (Lovebot) einen offenen Brief an das Unternehmen hinter der Comic-Website.

In diesem warfen sie der Plattform vor, ihre Künstler nicht gerecht zu bezahlen und mit dem Zwang zu wöchentlichen Veröffentlichungen Druck auszuüben.

Eure Künstler können weder ihre Miete bezahlen noch sich ernähren noch ihren Lebensverpflichtungen nachkommen, wenn sie weniger als vier Episoden pro Monat produzieren. Auch Nebenjobs sind für sie nicht möglich, da die Arbeit an mehr als 40 Panels zu viel Zeit in Anspruch nimmt, um dies zuzulassen. – Keels und Mundd

In dem folgenden Transparenzhinweis von Webtoons widersprachen sie den Anschuldigungen, ohne sich direkt auf den Post von Chase Keels und Miranda Mundt zu beziehen.

Außerdem versprachen sie, mehr Transparenz und Klarheit zu der Bezahlung, Performance, Verträgen und arbeitsspezifischen Anliegen gegenüber den Original-Creatorn zu schaffen.

Die Lösung bleibt extern

Es sollte also kaum verwundern, dass sich die meisten Artists am Ende nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen. Alle voran hat sich Patreon als eine funktionierende Lösung verbreitet.

Mit Patreon können Fans ihre Lieblings-Künstler, in der Regel monatlich, unterstützen und bekommen im Gegenzug ein kleines Extra. Das kann ein exklusiver Comic, eine Skizze oder ein Einblick in den Arbeitsprozess sein.

Hier muss ich Webtoon zugutehalten, dass sie diesen Weg nicht blockieren, sondern für Canvas-Creator sogar fördern. Die Patreon-Einbindung ist direkt über das Künstlerprofil möglich und fügt sich damit direkt auf der Website sowie der iOS-App ein. Bei Android-Geräten klappt das aufgrund der Richtlinien von Google leider nicht.



Das Kernproblem kennen wir schon von Spotify: Die Kunstschaffenden werden schlecht bezahlt. Um wirklich von der eigenen Arbeit leben zu können, benötigt es auf beiden Plattformen absurd hohe Klickzahlen, die wahrscheinlich die allerwenigsten erreichen, geschweige denn halten können.

Ich bin trotzdem weiterhin ein Fan der Plattform, denn durch das Mischsystem aus Webtoon, eigenen Merch-Verkäufen und Patreon gelingt es vielen großartigen Künstlern, ihre Comics und Sketches so an eine breite Masse zu bringen. Schließlich bringt Webtoons am Ende immer noch etwas besonders Hilfreiches: Sichtbarkeit.

Am Ende sollten wir uns dennoch bewusst sein, dass die meisten Webtoon-Künstler für den Aufwand, der hinter ihren Werken steckt, einfach schlecht bezahlt sind.

Solltet ihr eine Geschichte ins Herz geschlossen haben und das nötige Kleingeld übrig haben, lohnt es sich am Ende deshalb gleich doppelt, die Creator, wo möglich, direkt zu unterstützen.


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