Was geschah Weihnachten wirklich am Himmel? Der Stern von Bethlehem beschäftigt die Forschung seit Jahrhunderten – das sind die neuesten Antworten auf eines der ältesten Rätsel des Christentums

Der Stern von Bethlehem: Gab es ihn wirklich oder entspringt er reiner Fantasie? Wir schauen durch die wissenschaftliche Brille in die Vergangenheit.

Gab es den Stern von Bethlehem wirklich? War dort etwas am Himmel zu sehen, was die damaligen Menschen als ein göttliches Zeichen hätten interpretieren können?
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI, bearbeitet) Gab es den Stern von Bethlehem wirklich? War dort etwas am Himmel zu sehen, was die damaligen Menschen als ein göttliches Zeichen hätten interpretieren können? (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI, bearbeitet)

Ereignisse der unbedeutenden Urzeit fernab im Kosmos haben das Leben von Milliarden beeinflusst. Wir blicken nach oben, träumen, fürchten oder verbinden den Wandel der Lichter am Firmament sogar mit Irdischem. Ein Beispiel stellten wir euch in jüngster Vergangenheit vor: eine Supernova, studiert im Osten, aber verschwiegen im Westen, fand ihren Weg auf Goldmünzen des byzantinischen Reiches.

Auch die legendäre Weihnachtsgeschichte, die das Christentum letztendlich mitbegründete, lässt drei Weisen einem himmlischen Boten folgen: dem Stern von Bethlehem.
Einer der frühesten Autoren der Bibel, der Evangelist Matthäus, erzählt von drei Magiern, die aus dem Morgenland aufbrachen, um das Jesu-Kind im israelischen Jerusalem zu suchen. Sie schenkten dem neugeborenen König der Juden Gold, Weihrauch und Myrrhe. Schließlich habe ihnen ein Stern den Weg von seiner Geburt gekündet und den Weg gewiesen.

Gehen wir an dieser Stelle davon aus, irgendetwas Ungewöhnliches geschah tatsächlich am Himmel, was seinen Weg in die Bibel fand: Was könnte es gewesen sein?

Funfact: Caspar, Melchior und Balthasar heißen sie erst seit dem sechsten Jahrhundert – die Geschichte wurde halt ausgeschmückt.

Wann wurde Jesus eigentlich wirklich geboren? Hierzu ließe sich viel schreiben, letztendlich läuft es aber auf eines heraus: Wir wissen es nicht genau. Es geschah nach unserer heutigen Zeitrechnung irgendwann eng um das Jahr 0 herum. Wer sich dafür im Detail interessiert, kann hierzu einiges bei Prof. Dr. Kai Brodersen nachlesen. Alle im Folgenden aufgelisteten Möglichkeiten wären anhand von historischen Zeugnissen möglich. Welches Datum allerdings auszuschließen ist und rein von liturgischen/praktischen Überlieferungen herrührt, ist der 25. Dezember vor exakt 2025 Jahren.

Vorweg: Wir sprechen an dieser Stelle ausschließlich über wissenschaftlich belegbare Phänomene. Eine Erklärung, die tatsächlich beinhaltet, dass irgendetwas im Weltraum auf die Geburt eines Menschen reagiert, gehört in die Fantasieliteratur. Ich bin Atheist und lege euch meine Sichtweise bezüglich Göttlichkeit am Ende dieses Artikels zur Kernfusion dar.

Video starten 2:54 Wir zeigen euch den Kurs des interstellaren Kometen 3I/Atlas mithilfe von Universe Sandbox

Denkbare Varianten, wie ein Weihnachtsstern zu erklären wäre

Selbst, ohne irgendeine göttliche Intervention existieren mehrere Wege, Leuchterscheinungen am Himmel zu erklären, die quasi gekapert und auf diesem Wege theologisch beladen werden können. Wir gehen sie nacheinander durch (unter anderem via astronomynotes und astronomy).

Ein Komet

Eine der ersten Varianten, die bereits Himmelsbeobachter in vergangenen Jahrhunderten favorisiert hatten, schließt sich nach modernen Daten (fast) aus. Denn es passen kaum Kometen ins zeitliche Raster. Weder kommt eines der wiederkehrenden Exemplare infrage, deren Weg die Erde regelmäßig seit Milliarden Jahren kreuzt, noch kennen wir aus dem Westen Berichte von einmaligen Besuchern.

Der einzig mögliche Kandidat findet sich nach neuester Forschung in chinesischen und koreanischen Annalen. Hier wird von einem sogenannten »Besenstern« berichtet. Der Name rührt von der Form eines Kometen mit einem aufgeplusterten Haupt und dem länglichen hinter-hergezogenen Schweif her.

Doch selbst wenn damals ein heimischer oder ein interstellarer Komet uns besucht hätte, dürften wir ihn direkt ausschließen. Denn er hätte in der Weihnachtsgeschichte eine arg untypische Rolle gespielt. Üblicherweise mussten Kometen in der Antike eher als Unglücksboten herhalten, denn als Botschafter der Freude - die Weisen hätten den Weg aufgrund dieses Aberglaubens wohl kaum auf sich genommen.

Wir haben allerdings derzeit einen wahrlich einzigartigen Gast-Kometen im Sonnensystem: 3I/Atlas

Wenn selbst die Sternkuppel innehält

Weit entfernt und doch als extrem hell sowie entgegen der Gewohnheit, wäre ein optisches Verharren von Jupiter erschienen. Zu solch einem Vorgang kam es in den Jahren vor Christus Geburt. Der Eindruck eines stillstehenden Lichtpunktes rührt dabei von der Geometrie des Sonnensystems her: Die Erde ist auf ihrer relativ weit innen verlaufenden Bahn buchstäblich auf dem Überholkurs.

Vielleicht war der Stern von Bethlehem Jupiter. (Bildquelle: OguzhanN7 - stock.adobe.com) Vielleicht war der Stern von Bethlehem Jupiter. (Bildquelle: OguzhanN7 - stock.adobe.com)

Regelmäßig ziehen wir – wenn wir eine gerade Linie von der nach außen zögen – an den Riesen weiter draußen vorbei. So ergeben sich aus unserer Perspektive vor dem Hintergrund der fernen quasi stationären Fixsterne drei Phasen, die einen Stillstand beziehungsweise ein Umkehren von Jupiter, Saturn, etc. vortäuschen. Optisch legte der jeweilige Planet quasi eine Schleife am Himmel hin:

  • Die Erde nähert sich auf der Innenbahn dem Gasriesen an. Der Planet bewegt sich normal von West nach Ost
  • Die Erde kommt exakt zwischen Sonne und zum Beispiel Jupiter an – dieser bleibt stehen
  • Die Erde überholt – der Punkt am Firmament der Erde wandert augenscheinlich rückwärts (also von Ost nach West, auch retrograd genannt)
  • Die Erde entfernt sich zusehends – die Rückwärtsbewegung bremst ab, es kommt zu einem erneuten Stillstand und der Gasriese wandert im Anschluss erneut wieder prograd, wie es in der Fachsprache heißt.

Hierin sehen Forscher durchaus einen Kandidaten, der einiges vom gesuchten pseudogöttlichen Boten mitbringt. Aber ganz allein hätte es wohl nicht gereicht. Aber behaltet es im Hinterkopf.

Eine Nova oder eine Supernova

Eine Supernova wäre auch mit dem bloßen Auge sichtbar gewesen. (Bildquelle: Javier - stock.adobe.comgeneriert mit KI) Eine Supernova wäre auch mit dem bloßen Auge sichtbar gewesen. (Bildquelle: Javier - stock.adobe.com/generiert mit KI)

Ebenfalls unnatürlich in den Augen der Zeitgenossen von Jesus von Nazareth wären eine Supernova oder eine Nova erschienen. Ihr Aufflammen am Firmament hätte beidermaßen locker als göttliches Signal oder als Quasi-Markierung für einen Ort einstehen können. Wobei wir unter einer Nova die Explosion von Materieverstehen, die sich zuvor rund um weiße Sterne angesammelt hat.

Hierbei erhöht sich die Leuchtkraft dieses an sich für uns ohne optische Hilfsmittel unsichtbaren Objektes extrem – in etwa als lodere eine Fackel am Himmel auf, um nur Tage später wieder zu erlöschen.

Bei einer Supernova bläst ein gigantischer Riesenstern regelrecht zum letzten Gefecht. Er stößt im Zuge eines der vom Typ her energetischsten Vorgänge des Universums seine äußeren Schichten ab und fällt zu einem Neutronenstern oder zu einem schwarzen Loch zusammen. Alle schweren Elemente im Universum - inklusive der in, auf und um die Erde - entstanden auf diese Art im Todesatem eines sterbenden Sternes.

Solch ein Ereignis bleibt für Tage oder gar Wochen mit bloßem Auge sichtbar, wie der eingangs erwähnte »Gaststern« auf den sensationellen Münzen aus Konstantinopel:

Beides hätte allein gereicht und den Job perfekt erfüllt, nur kennen wir keine passenden Vertreter: weder bei den Novae, noch bei den spektakuläreren Super-Schwestern, die den Stern von Bethlehem hätten aufgehen lassen können.

Wenn Riesen tanzen: Planetenkonjunktion

Obschon alle Planeten auf ihrer eigenen Bahn ziemlich einsam unterwegs sind, kommen sie sich aus unserer Sicht regelmäßig optisch nahe. Sie stehen in diesem Fall auf ihrem jeweiligen Orbit aus unserer Perspektive wie auf einer Perlenkette hintereinander. Hierdurch ergeben sich bemerkenswert hell-auffällige Bilder, die Astronomen Planetenkonjunktion nennen.

Im fraglichen Zeitraum ergaben sich gleich zwei verschiedene Kombinationen, zum einen Jupiter/Venus und dann nochmal einige Jahre zuvor Jupiter/Saturn. Im ersteren Fall kombinierten sie ihre Leuchtkraft (dank reflektierten Sonnenlicht) mit dem von fernem Gigantenstern Regulus (79 Lichtjahre entfernt).

Symbolische Erhöhung durch die Astrologie erlangten solche Ereignisse durch ihr scheinbares Intermezzo vor dem Hintergrund bestimmter Tierkreiszeichen.

Funfact: Die Einsamkeit auf der Bahn oder vielmehr das über die Zeit erfolgte Freiräumen des eigenen Orbits definiert übrigens einen Planeten. Hierdurch verlor Pluto seinen Status und sank zum Zwergplaneten herab. Seine verhältnismäßig geringe Größe (nur 2/3 von unserem Mond) hatte damit nur indirekt zu tun. Aufgrund fehlender Masse vermochte er schlicht nicht alle größeren Objekte aus seiner Flugbahn zu räumen – entweder durch Fortschleudern oder Anziehen.

Nichts Göttliches, aber doch ein kosmischer Zufall

Als am ehesten akzeptierte Lösung gilt eine Kombination zweier obiger Punkte: Jupiter-Venus-Konjunktion und dem Stillstand Jupiters im Jahr 2 v. Chr. Beides zusammen hätte ein deutlich sichtbar herausstechend/anormales Schauspiel für aufmerksame Beobachter abgeliefert. Infolgedessen stellen sie auch die meisten Planetarien unserer Zeit als plausibelste astronomische Erklärung vor.

Dies hätte so ausgesehen:

  • August 3 v. Chr.: Jupiter-Venus-Konjunktion
  • September 3 v. Chr.: Jupiter-Regulus-Konjunktion
  • Juni 2 v. Chr.: Jupiter-Venus-Konjunktion
  • Dezember 2 v. Chr.: Jupiter erreicht den ersten stationären Punkt, wobei er von Jerusalem betrachtet, quasi über Bethlehem still gestanden hätte

Sinnvolle Suche im Ungewissen

Doch obwohl das überzeugend anmutet, muss doch auch die obige Schilderung höchstens als denkbare, aber nicht zwingend richtige Erklärung gelesen werden. Sie mag aber um einiges wahrscheinlicher ein Phänomen an das Firmament gemalt haben, welches die damaligen Menschen verständlicherweise so interpretieren konnten oder gar mussten. Galt doch Religion und eine über Weltliche Deutung der Welt als alltäglich.

Alternativ besteht aber die Möglichkeit, dass es sich bei dem Stern von Bethlehem eben doch nur um eines handelt: einen hinzugefügten Aspekt zu einer zumindest teilweise wahren Geschichte. Die Bibelwissenschaft schließt diese rein theologisch-literarische Deutung keinesfalls aus. Es waren nunmal Menschen, die hier Ereignisse aufzeichneten, ausschmückten oder sogar erfanden.

Wir werden wahrscheinlich nie eine konkrete Antwort erhalten – vielleicht besser so. Denn in Anbetracht seines Kontextes als quasi göttlichen Hintergrund für den wichtigsten Moment der christlichen Zeitrechnung rahmt der Weihnachtsstern Jesus Geburt stilvoll ein.

Würden wir beweisen können, welch weltliche Langeweile wirklich dahintersteckt, würde es sicherlich für unnötige Unruhe sorgen. Gleiches würde mitunter auch eintreten, schälte sich heraus, dass damals schlicht gar nichts am Himmel und umso mehr in der Fantasie vom Evangelist Matthäus herumfleuchte.

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